„Forschungskooperation Geothermie“ kommt in Fahrt
Im vorigen Jahr hat der GeoEnergy Celle e. V. mit den niedersächsischen Universitäten in Braunschweig, Clausthal, Göttingen und Hannover sowie dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover die „Forschungskooperation Geothermie“ geschlossen (CelleHeute berichtete). Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Partner zur Disziplinen übergreifenden Bündelung der Kompetenzen zum Forschungsthema „Geothermie“ in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Aus- und Weiterbildung sowie in der Öffentlichkeitsarbeit zu forcieren. Die Partner der Forschungskooperation haben den Kooperationsvertrag nun auf der konstituierenden Sitzung des Lenkungsausschusses mit Leben gefüllt. Heute erklärten die Vertreter von GeoEnergy und Universtitäten das Projekt: Der Bundeswehrstandort Munster soll dabei als “Lern- und Spielwiese in einem Reallabor” dienen.
Deutschland stehe am Anfang einer Boom-Phase für die Nutzung von mitteltiefer und tiefer Geothermie, dies belegen die Zahlen des Bundesumweltministeriums. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil geothermischer Stromversorgung um das 80fach steigen, der Anteil der geothermischen Wärmeleistung um das 8fache.
„Damit unsere heimische Wirtschaft von diesem Boom profitiert, sind viele technologische Herausforderungen zu meistern, qualifiziertes Personal zu schulen und die Öffentlichkeit umfassend zu informieren. Die vom GeoEnergy Celle e. V. initiierte Forschungskooperation will den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie stärken und somit entscheidend die Durchsetzung der umweltfreundlichen Geothermie beschleunigen“, erläutert Dr. Susanne Schmitt, die vom Lenkungsausschuss zur Sprecherin gewählt worden ist. In dieser koordinierenden Rolle wird sie von der Industrie durch Wolfgang Genannt (Hartmann Valves GmbH) und Joachim Büchner (ITAG Tiefbohr GmbH) sowie von der Forschung durch Prof. Dr. Leonhard Ganzer und Dr. Dr.-Ing. Catalin Teodoriu (beide Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN)) und Institut für Erdöl- und Erdgastechnik, TU Clausthal) unterstützt.
„Um die Gewinnung geothermischer Energie aus tiefen geologischen Schichten wirtschaftlich zu machen, besteht derzeit noch ein erheblicher disziplinübergreifender Forschungsbedarf. Neben der weiterhin notwendigen Erforschung wissenschaftlicher Grundlagen sind neuartige hochinnovative Verfahren zur Herstellung tiefer Geothermie-Bohrungen mit hoher Ergiebigkeit und geringen geologischen und technischen Risiken erforderlich. Die Forschungskooperation bietet dabei die Möglichkeit, die zukünftigen Anwender dieser Technologien noch stärker als bisher in den FuE-Prozess zu integrieren“, erläutert Dr. Jens-Peter Springmann vom EFZN.
Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover ist seit Jahrzehnten einer der Kompetenzträger für tiefe Geothermie in Deutschland und neben den anderen vier niedersächsischen Forschungseinrichtungen in die Kooperation eingebunden. Das Institut betreibt neben seinen Forschungsarbeiten im Fachgebiet Geothermik auch tief gestaffelte Informationssysteme und Simulatoren, z.B. das Geothermische Informationssystem GeotIS. Seine Arbeiten bündelt es im Forschungsschwerpunkt „Geothermische Energie“, der bei allen innovativen Geothermie-Projekten in Deutschland beratend, forschend oder steuernd eingebunden ist. „Forschungsfortschritte in der tiefen Geothermie“, so der Institutsleiter Prof. Dr. Ugur Yaramanci, „sind die notwendige Voraussetzung dafür, dass die Hoffnung auf den Boom gerechtfertigt ist und dieser Wirklichkeit wird.“
Die Stadtwerke Munster planen ein Geothermieprojekt, mit dessen Energie nicht nur der gesamte Bundeswehrstandort beheizt sondern zusätzlich mit Strom versorgt werden soll. Dafür seien die Stadtwerke auch Mitglied bei GeoEnergy geworden. Dabei wolle man etwa 5000 Meter in die Tiefe gehen. Die Konzept- und Machbarkeitsstudie sei abgeschlossen, nun können man damit beginnen.
Die aktuelle Entwicklung zeige, dass der Forschungsbedarf sowohl in der Vorerkundung und Charakterisierung geothermischer Reservoire und damit in der Quantifizierung und Minimierung des ökonomischen Risikos liegt als auch in der technisch kostengünstigen Realisierung von Geothermie-Bohrungen und deren Komplettierung zu nachhaltig nutzbaren Energieproduktionsanlagen. Dabei ist es die Herausforderung, Standorte in Deutschland, also weit abseits von Vulkangebieten zu entwickeln; denn dass die Geothermie im vulkanischen Island funktioniert, weiß jeder, dass es z.B. auch in Niedersachsen oder Bayern geht, lässt sich zeigen.
Der größte Vorteil von Geoenergie sei auch ihr größter Nachteil, ist Wolfgang Genannt sicher: “Es gibt über 300000 funktionierende Goethermieanlagen – aber darüber redet keiner, weil sie niemand sieht. “Da seien Windräder und Solardächer werbewirksamer.
Susanne Schmitt ergänzt: “Unsere Communitiy hat zugegeben keine gute Lobbyarbeit, gerade wenn man bedenkt, wieviele Milliarden in die Kernkraft und Windenergie geflossen sind. Wir müssen hier stärker in die Offensive.” Die Vorteile lägen auf der Hand: Geothermie erzeuge, so Schmitt, “keine Emissionen, verschandelt nicht die Landschaft, ist kein Problem für Wale, für Vögel, verbrauctt keine Flächen, die ich für Nahrung benötige.
Den Kritikern entgegnet die Sprecherin: ” Es gibt keine einzige regenerative Energie, die völlig ohne Risiko ist. Bei der Geothermie sind aber die Chancen im Verhältnis zu den Risiken ungleich größer. Wir haben von allen Energien die umweltschonenste.”
Mitglieder Lenkungsausschuss
Industrie
C.A.T. GmbH | Norbert Hering
Fangmann Energy Services GmbH & Co. KG | Steffan Gerdes
Hartmann Valves GmbH | Wolfgang Genannt
HeideGeo GmbH & Co. KG | Bernd Reichelt
ITAG Tiefbohr GmbH | Joachim Büchner
Schwindt Hydraulik GmbH | Thomas Ludewigt
GeoEnergy Celle e.V. | Dr. Susanne Schmitt
Steffel KKS GmbH | Daniel Steller
M-I SWACO | Robert Huelke
Forschung
TU Braunschweig / IDS | Prof. Dr.-Ing. habil. Georg-Peter Ostermeyer
Universität Hannover / ITA | Prof. Dr.-Ing. Ludger Overmeyer
TU Clausthal / EFZN | Prof. Dr. Leonhard Ganzer
TU Clausthal / EFZN | Prof. Dr. Gioia Falcone
TU Clausthal / EFZN | Prof. Dr.-Ing. Volker Wesling
Universität Göttingen / GZ | Prof. Dr. Martin Sauter
Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik | Dr. Rüdiger Schulz
Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik | Dr. Rüdiger Thomas
Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik | Prof. Dr. Ugur Yaramanci
Geothermie auf der Hannover Messe 2012
Als Erneuerbare Energien-Sektor, der mit Hilfe innovativer Technologien die Wärme aus dem Erdinneren nutzt, ist die Geothermiebranche auf der Hannover Messe 2012 mit einem eigenen „Kompetenzzentrum“ vertreten. Pressevertreter und Messebesucher sind eingeladen, sich über Technologien und aktuelle Entwicklungen im Bereich Erdwärme zu informieren.
Im Zuge der Energiewende erringt die Geothermie derzeit eine besondere Bedeutung. Denn im Zusammenspiel mit anderen erneuerbaren Energieträgern, wie Sonne oder Wind, kann sie ihren besonderen Vorteil der Grundlastfähigkeit optimal einsetzen und so zur Versorgungsstabilität beitragen. Geothermie hat das Potenzial, maßgeblicher lokaler Energiegrundlastträger zu werden – durch die Erzeugung von Wärme, Kälte und auch Strom. Im „Kompetenzzentrum Geothermie“ auf der Hannover Messe in Halle 27 können Besucher die Chancen der Tiefen und Oberflächennahen Geothermie kennenlernen und sich über den aktuellen Stand der Erdwärmenutzung informieren. Auch der Bundesverband Geothermie ist am Stand L58 vertreten und steht Pressevertretern und Interessierten für Fragen zur Verfügung. Weiterhin sind unter anderem mit dem geothermischen Weltverband „International Geothermal Association“, dem „Internationalen Geothermiezentrum“ sowie dem „Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik“ auch Ansprechpartner der internationalen Geothermie sowie der Forschung und Entwicklung vor Ort.
Von den Vorteilen der Erdwärmenutzung profitieren in Deutschland immer mehr Menschen. Im Bereich der Tiefen Geothermie sind bundesweit 19 Anlagen installiert. Sie gewinnen Erdwärme aus Tiefen von derzeit bis zu 3.500 Metern und stellen diese zur Fernwärmeversorgung ganzer Stadtteile und Gemeinden zur Verfügung oder nutzen sie zur Stromerzeugung. Weitere knapp 90 Anlagen befinden sich bereits im Bau oder in der Planung – erst kürzlich begannen die Bohrarbeiten für Projekte im bayerischen Ismaning sowie im baden-württembergischen Brühl. Hinzu kommen rund 265.000 Anlagen der oberflächennahen Geothermie. Die Systeme wie Erdwärmesonden oder Grundwasserbrunnen werden in ganz Deutschland nicht nur für private Wohnhäuser, sondern auch für Bürokomplexe, Bildungszentren oder Verkehrsinfrastrukturen zur Wärmegewinnung aus meist bis zu 100 Metern Tiefe eingesetzt.
Die Geothermie ist eine hochinnovative Branche, die von ständigen technologischen Fortschritten und Projektentwicklungen geprägt ist. Auf der Hannover Messe vom 23. bis 27. April 2012 haben die Besucher des „Kompetenzzentrums Geothermie“ nun die Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand zu informieren und sich mit Akteuren der Branche auszutauschen.
Weitere Informationen sowie Bildmaterial zum Thema Geothermie finden Sie im Bereich „Presse“ auf der Internetseite des Bundesverbandes www.geothermie.de.
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