Briten-Abzug – Mende tauscht sich in Gütersloh aus

Ein Thema, das Stadt und Region voraussichtlich noch mindestens die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird: Was wird nach dem Abzug der Briten aus dem Areal des Flughafens und der Kaserne an der Verler Straße? Wie sind die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt zu steuern? Wie ändern sich Erscheinungsbild, Gewerbeflächenangebot und Struktur der Stadt, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs mit den britischen Garnisonsangehörigen quasi Tür an Tür leben?

Nach wie vor steht kein konkreter Termin fest, doch die Stadt bereitet sich auf diesen Strukturwandel gewissenhaft vor. In der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am Montag, 12. Dezember (um 17 Uhr im Ratssaal), geben Bürgermeisterin Maria Unger und NRW. URBAN, die den Prozess im Auftrag des Landes begleiten, eine erste Zusammenfassung des bisherigen Erkenntnisse zum Thema „Konversion“, so der Fachbegriff. Auch eine Eingabe der Zivilbeschäftigten in Gütersloh und Augustdorf, die sich unter dem Titel „Initiative Garnison OWL“ zusammengeschlossen haben, steht auf der Tagesordnung der Ausschuss-Sitzung.

Seit Oktober 2010, als Premierminister Cameron den mittelfristigen Abzug aller britischer Truppen aus Deutschland ankündigte, räumt die Stadt dem Thema besonderen Vorrang ein. Gemäß dem Leitsatz „Konversion braucht Partner“ hat Bürgermeisterin Maria Unger alles daran gesetzt, den Prozess gemeinsam mit ihren Kollegen aus den anderen Garnisons-Städten in der Region aktiv zu gestalten und frühzeitig in Richtung Land und Bund die Notwendigkeit der Unterstützung zu signalisieren. Als Sprecherin der betroffenen Kommunen in OWL hat sie in der vergangenen Woche die gemeinsamen Interessen noch einmal in Richtung von NRW-Europaministerin Angelica Schwall-Düren deutlich gemacht. Auf Einladung der Gütersloher Bürgermeisterin trafen sich kürzlich außerdem rund 30 Bürgermeister und weitere Vertreter von Kommunen aus ganz NRW und Niedersachsen zum Informationsaustausch in Gütersloh. Auch sie machten in einer gemeinsamen Resolution an Land und Bund einmal mehr darauf aufmerksam, dass ein Konversionsprozess nur mit Unterstützung durch Land und Bund zu gestalten ist.

Die Begleitung durch das Unternehmen NRW.URBAN im Auftrag des Landes ist dabei eine Form der Hilfe, die in Gütersloh geschätzt wird. In Workshops mit Politik, Vertretern der umliegenden Kommunen und anderer regionaler Akteure sind erste Bestandsaufnahmen und Einschätzungen zur Gestaltung eines erfolgreichen Konversionsprozesses vorgenommen worden, die von allen Beteiligten positiv bewertet werden. „Von der Erfahrung der NRW.URBAN aus der Begleitung bereits abgeschlossener Konversionsprozesse können wir nur profitieren,“ beschreibt der Gütersloher Konversionsbeauftragte, Stadtplaner Michael Zirbel, das bisherige Verfahren. Im kommenden Jahr soll ein inhaltlicher Schwerpunkt auf der Bürgerbeteiligung liegen.

Das Zwischenfazit der Bürgermeisterin fällt ebenfalls positiv aus: „Wir sind gut aufgestellt für die Herausforderungen, die ein solcher Strukturwandel mit sich bringt,“ verweist Maria Unger unter anderem auf die fest installierte Arbeitsgruppe im Rathaus mit Mitgliedern aus unterschiedlichen Fachbereichen von der Planung über den Umweltschutz bis hin zum Sozialen. Dass ein konkreter Zeitplan für einen Abzug, mit dem man nun im kommenden Jahr rechnet, für die Planungen hilfreich wäre, will sie nicht abstreiten. Nach den letzten Signalen, die sie aus einem Treffen der Kommunen mit Vertretern der britischen Streitkräfte und des Verteidigungsministeriums Ende November mitgenommen hat, wird Gütersloh eher zu den letzten Standorten gehören, die aufgegeben werden sollen. Das heißt: Bis 2020 müssen sich die Gütersloher wohl kaum auf ein Leben ohne Briten einstellen, mit denen sie nun seit über 60 Jahren in direkter Nachbarschaft gemeinsam Europa-Geschichte schreiben.

Inwiefern Celle von den Ideen und Möglichkeiten profitieren kann, wurde nicht mitgeteilt.

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