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Celle von hinten: Frischer Kaffeeduft am Großen Plan 7

Eine der ältesten und feinsten Adressen in Celle ist unbestritten “Huth’s Kaffee” am Großen Plan. In über 150 Jahren hat sich an der Inneneinrichtung beinahe nichts getan. Der Geruch aus edlem Holz und frisch gerösteten Kaffeebohnen lässt Kunden, Einheimische wie Touristen, in die Vergangenheit reisen und doch Gegenwart erleben. Neben Kaffee bietet das Geschäft auch Tee, Honig, Spirituosen sowie hochwertige Lebensmittel. Was viele nicht vermuten: Huth’s ist trotz der historischen Atmosphäre moderner als das Gros in der Celler Altstadt: Sogar online kann man dort einkaufen. Unsere Serie konzentriert sich aber auch hier auf die Einblicke und Geschichte hinter dem Geschäft.

Der Große Plan ist Teil der erst in den 1530er-Jahren erfolgten Stadterweiterung nach Süden und es ist anzunehmen, dass die Anwesen an diesem prominenten Platz bald besiedelt waren. Wann und wer das Grundstück Großer Plan 7 erstmals bebaute, ist nicht mehr bekannt. Wie alle Grundstücke am südlichen Stadtrand reichte es bis an die (neue) Wallbefestigung, so dass es nach Abtragung des Walles in den 1880er-Jahren nun auch einen zweiten Zugang vom Südwall hat.

Die heutige Grundstücksbebauung ist wohl mindestens die zweite an dieser Stelle. Das Vorderhaus zeigt an den Geschossvorkragungen Fachwerkformen der Zeit um 1700 und der anschließende Seitenflügel ist inschriftlich 1676 datiert. Während dieser Zeit ist aus den Häuserlisten im Stadtarchiv die Kaufmannsfamilie Funke als Eigentümer bekannt, seit 1680 Johann Detlef Funke. Funke war Mitglied im Krameramt – der Celler Bezeichnung für die Gilden oder Zünfte – und wahrscheinlich im Getreidehandel spezialisiert. Jedenfalls besaß er Lagerflächen, die groß genug waren, um beispielsweise eine 1678 in den Archivalien genannte Lieferung von rund 20 Kubikmeter Roggenkorn ausschütten zu können. Gelagert wurde gewöhnlich auf sogenannten „Kornböden“, wie etwa dem mehrgeschossigen Dachboden, wo sich noch heute eine alte Aufzugwinde befindet. Diese Speicherfunktion des Hauses kann man sogar noch an der Platzfassade am kleinen Kranbalken erkennen; nur die ehemaligen Ladeluken sind zu Fenstern umgebaut worden.

Auch später waren die Grundstückbesitzer Kaufleute; ab ca. 1830 gehörte auch eine „Kleine Tobak Fabrik“ zum Gewerbe. 1851 übernahm der bis heute namengebende Friedrich Huth das Anwesen und führte ein „Colonial- und Materialwaarengeschäft“, in dem er auch ausländische Spezialitäten wie Tee, Gewürze, Kakao und Kaffee verkaufte. Huths Nachfolger ab 1896 Hermann Bock ergänzte den Betrieb um eine Kaffeerösterei. Erfolg führte 1911/12 zu Erweiterungen des Geschäfts, die den Hof heute noch prägen. Der gestiegenen Umsatz konnte von einem gläsernen Kontor („Schreibstube“) aus kontrolliert werden und hinten errichtete man an einem Lagerhaus eine neue Rösterei in feuersicherer Backsteinbauweise. Die Rösterei ist bis heute in Betrieb und samt Maschinen und Jugendstilfliesen weitgehend im historischen Zustand erhalten.  Aber auch das Ladengeschäft vorne ist einen Besuch wert, weil die nachfolgende Eigentümerfamilie Schwanitz seit 1964 bewusst das Ambiente eines gediegenen Kolonial- und Feinkostladens der 1950er-Jahre erhält und pflegt.

Auf dem rückwärtigen Grundstück scheint die Zeit um 1912 stehen geblieben zu sein. Bis dahin hatten die Geschäftserfordernisse nach und nach sechs Büro-, Lager- und Produktionsgebäude entstehen lassen, so dass sich der ursprünglich großzügige Innenhof schließlich zu einem schmalen offenen Verbindungsgang reduzierte. Eine weitere Besonderheit ist der (bis auf eine Garage von 1927) unbebaute Zustand des südlichen Grundstücks. Dieser Teil wird bereits in den ältesten Lageplänen als „Garten“ bezeichnet. Viele Grundstücke an der Südseite von Großer Plan und Bergstraße hatten hier seit alters her Gartenland, das bis an den Befestigungswall heranreichte. Gebäude und Wirtschaftsbetriebe waren in diesem Bereich die Ausnahme.

Übrigens ist dieser Hof einer der wenigen, der für die Öffentlichkeit gerne geöffnet wird – bei einer ganz offiziellen Besichtigung der Rösterei.

Text: Dr. Eckart Rüsch/Peter Fehlhaber
Fotos: Steffen Höntsch/Peter Fehlhaber
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Peter Fehlhaber

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