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CelleHeutePODCAST – Jochen von Frantzius erhält Bundesverdienstkreuz

Er wirkte seit 60 jahren für den Sport und die Politik, angefangen 1952 im Paddelclub, nahm an Weltmeisterschaften teil, verband Kanusport und Natur und viele Jahrzehnte im Pferdesport zu Hause. Diesen unermüdlichen Einsatz von Jochen-Eilhard von Frantzius belohnte Bundespräsident Christian Wulff heute mit dem Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Landrat Klaus Wiswe persönlich hatte ihn dafür vorgeschlagen und konnte diese am Nachmittag in einer Feierstunde übergeben. Seine Laudatio sehen Sie exklusiv im Original-Wortlaut nach den Podcast-Beiträgen (bitte rote “PLAY”-Taste drücken):

Klaus Wiswe zur Verleihung des Ordens

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Jochen von Frantzius über den Wandel im Sport

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Ich freue mich darüber, dass ich Ihnen diese hochrangige Auszeichnung heute im Namen unseres Bundespräsidenten Christian Wulff überreichen darf. In der Verleihungsurkunde, die der Bundespräsident ausgefertigt hat, steht, dass Ihnen das Bundesverdienstkreuz „in Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste“ verliehen wird.

Man kann sich gar nicht so recht vorstellen, was sich hinter einer so knappen Urkunds-Formulierung verbirgt. Lieber Herr von Frantzius, ich kann Ihnen diese Auszeichnung heute für Ihr jahrzehntelanges Wirken in den Bereichen Sport und im kommunalen Ehrenamt überreichen.

Ich habe mir im Vorfeld der Verleihung noch einmal Ihren Werdegang und Ihr Schaffen in den Gemeindevertretungen, für den Landkreis Celle und vor allen Dingen auch für den Sport angeschaut. Ich muss sagen – ich war sehr beeindruckt von diesen vielen Seiten, auf denen beschrieben stand, was Sie in den letzten Jahrzehnten geschafft und gelebt und für das Gemeinwohl geleistet haben. Herr von Frantzius, ich komme nicht umhin zu sagen, dass ich heute im Namen des Bundespräsidenten ein Lebenswerk auszeichnen kann.

Soweit ich weiß, hat alles 1952 angefangen, also vor sechzig Jahren, im Paddel-Club Celle und als Mitglied der Kanu-Gesellschaft Celle. Von Hause aus sind Sie also schon einmal mit allen Wassern der Aller gewaschen. Da Sie Teile Ihrer Kindheit in Goslar verbracht haben und im heutigen Garbsen geboren wurden, darf ich aber vermuten, dass Ihnen auch andere niedersächsische Gewässer bestens vertraut sind!

Wie dem auch sei: so wie Sie sind, sind Sie ein Celler Urgestein und haben sich sofort in die lange Tradition verliebt, dass man hier im Landkreis ein besonderes und gutes Verhältnis zu der Aller pflegt.
Unserem Heimatgewässer haben Sie es auf jeden Fall richtig gezeigt und schnell haben sich für Sie herausragende sportliche Erfolge eingestellt. 1957 und 1959 haben Sie an den Weltmeisterschaften in Augsburg und in Genf teilgenommen. 1961 wollten und sollten Sie auch eigentlich an den Weltmeisterschaften in Dresden teilnehmen. Ich darf vermerken, dass Ihnen zu dieser Gelegenheit die Weltgeschichte einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, denn der Bau der innerdeutschen Grenze hat diese Teilnahme vereitelt.

Ich möchte einmal kurz an diese Zeit erinnern. Für einen „Celler Jung“ und Jugendlichen war es in diesen Jahren überhaupt keine Selbstverständlichkeit, so weit zu reisen und so viel zu sehen. Auch war Sport in den Jahren des „Deutschen Wirtschaftswunders“ noch lange nicht so weit verbreitet wie heute. Das zeigt doch schon, mit welcher Leidenschaft Sie die Sache gepackt hat, Herr von Frantzius.
Wer sportlich so erfolgreich war, wie Sie, dem muss man seine Liebe zum Sport nun wirklich nicht nachsagen. Aber ich denke, dass in diesen Jahren auch der Grundstein gelegt wurde für Ihr bis heute anhaltendes Engagement im Ehrenamt, sei es im Sport oder darüber hinaus. Zum Beispiel im Bereich des Kanusports: Sie haben immer besonderen Wert auf die Erhaltung der Natur bei der sportlichen Nutzung der Gewässer gelegt. Damit waren Sie hier im Landkreis einer der Vordenker bei dem, was man heute „sanften Tourismus“ nennt.

Boot und Bootssport hat Sie immer fasziniert, Sie sind ein richtiges „Aller-Krokodil“, wenn ich das mal so lax sagen darf. Aber es gab und gibt auch eine andere Sportart, die Menschen so fesseln kann und die in Celle tradtitionsgemäß ganz stark verankert ist: „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, so hat es der Schriftsteller Friedrich von Bodenstedt punktgenau formuliert, und fast könnte man meinen, er hat diese Zeilen schon zum Anlass des heutigen Tages notiert!

Denn wenn es um vier Hufe geht, sind Sie in Ihrem Element. Viele Jahrzehnte haben Sie nun schon im Voltigier- und Reitsport sprichwörtlich „auf dem Buckel“ und müde sind Sie noch lange nicht. Soweit ich es weiß, sind Sie nach wie vor aktiver Reiter.

Ihr besonderes „Steckenpferd“ war und ist ja die Pferde-Sport-Gemeinschaft Nienhagen e.V., direkt am Ort, an dem Sie und Ihre Familie heute leben. Sie waren Gründungsmitglied dieses Vereins und auch gleich von 1986 bis 2002 der 1. Vorsitzende. Die Reithalle und das Außengelände sind bis heute sehr anschauliche Zeugnisse von dieser Zeit. Es ist immer gut, wenn sich Menschen mit gemeinsamen Interessen und Zielen zusammentun. Aber es wird immer besser, wenn ein paar dabei sind, die ihrem Wesen nach die Zügel in die Hand nehmen können und daraus das Richtige schaffen. So ein Mensch sind Sie, Herr von Frantzius, von zupackendem und tatkräftigem Wesen, aber eben auch gut verträglich und sensibel. Menschen mitnehmen und motivieren, das können Sie gut.

Dass der Geehrte ein Mensch mit einer außergewöhnlichen Schaffenskraft, viel Ausdauer und Beständigkeit ist, wissen wir alle, die wir hier versammelt sind, nur zu gut. Allein dass fast alle Bürgermeister aus Ihrer Heimatgemeinde heute hier sind, ist doch ein deutliches Zeichen für die Verbundenheit: für Ihre Verbundenheit mit der Gemeinde, aber eben auch dem Respekt, den die Gemeinde vor Menschen wie Ihnen hat.

Denn Sie leben nach dem Sprichwort: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ [Kästner]. Und wenn jemand wie Sie auf die Kommunalpolitik trifft, dann passiert etwas…

Ich kann gar nicht sagen, was bei Ihnen eher da war, das politische Gefühl und auch das Gefühl, etwas bewegen zu wollen oder die für Sie eher andere Perspektive, im Sport organisatorisch Verantwortung zu übernehmen und diese Verantwortung auch in die Kommunalpolitik „einzuspeisen“.
Im Ergebnis liegen dieselben Effekte. Wo „von Frantzius drauf steht, ist auch von Frantzius drin“ – und das soll heißen, dass Sie eine nach meinem Gefühl einmalige Verbindung aus Sportorganisation vor Ort und kommunalpolitischem Engagement sind.

Von 1981 bis 1991 zum Beispiel waren Sie Abgeordneter im Kreistag des Landkreises Celle und natürlich – haben Sie sich stark im Sportausschuss engagiert. Aber nicht nur: auch zum Beispiel der Jugendwohlfahrtsausschuss war ein Betätigungsbereich. Auch im Rat der Stadt Celle waren Sie in diesen beiden Ausschüssen beheimatet, von 1981 bis 1984.

Ich kann natürlich nur für den Landkreis sprechen. Beide Ausschüsse, meine sehr geehrten Damen und Herren, sind für unsere Arbeit sehr wichtig. Besonders gut ist dabei die Schnittstelle aus „Sport“ und „Jugendhilfe“, die Sie ganz richtig erkannt und als Aufgabe angenommen haben. Denn so kann man sich ganz direkt für junge Menschen einsetzen und viele gute Querverbindungen schaffen. Ihr Beispiel hat da natürlich Schule gemacht! Denn Herr Ostermann ist auch in beiden Ausschüssen vertreten. Ein Modell, dass sich bewährt hat…

Wort und Tat liegen bei Ihnen dicht beieinander, oder besser: erst einmal die Tat und dann auch das Wort darüber. Ich habe Sie schließlich selbst im Kreistag kennen gelernt und habe Sie in sehr guter Erinnerung … und zwar mit diesen positiven Eigenschaften, dass da jemand war, der viel Gutes getan hat, der viel geholfen hat, der aber auch daran interessiert war, an den begleitenden Umständen, an der politischen Gestaltung teilzuhaben.

Hingabe für ein persönliches Betätigungsfeld, in dem man viel bewegt, dass ist eine richtige Bürgertugend, lieber Herr von Frantzius, und Sie haben immer auch viel Verantwortung übernommen. Ich hätte beinahe gesagt, dass auf einen Mann wie Sie der Vorsitz im Kreissportbund hinausläuft … von Mitte der neunziger Jahre an haben Sie diesem wichtigen Verband für ganze zwölf Jahre vorgestanden und viele Impulse gesetzt, in der Stärkung des Ehrenamtes und der Pflege des Vereinslebens im ganzen Landkreis Celle.

Diese Ausschnitte aus Ihrem sportlich-ehrenamtlichen Engagement setzen sich an vielen anderen Punkten, aber eben auch im politischen Raum fort. Der Landkreis und die Stadt Celle, die Samtgemeinde Wathlingen und die Gemeinde Nienhagen verdanken Ihnen viel, als Sportler wie als Kommunalpolitiker. Für die große Bandbreite Ihres Engagements darf ich Sie heute auszeichnen. Sie waren in so vielen verschiedenen Positionen zum Wohle des Landkreises und der Gemeinde tätig, dass ich mir fast sicher bin, dass uns darüber hinaus das ein oder andere (noch) nicht bekannt ist.

Unser Land wird von so starken Menschen wie Ihnen zusammengehalten, die so viel Vorbildliches geleistet haben und auch immer noch leisten.

Aber das alles geht natürlich auch für den so aktiven Menschen nicht ohne die Unterstützung durch einen gesunden Familienverband. Ich weiß und sehe sehr genau, wie viel Zeit die Arbeit im kommunalen Ehrenamt braucht. Ihrer lieben Frau und der Familie ist daher heute auch zu danken, dass Sie das mit ermöglicht haben und Ihren Mann und Vater sicher auch an der ein oder anderen Abendstunde „frei geben“ mussten für die Ehrenämter.

Ich habe Sie seinerzeit gerne vorgeschlagen für diese Auszeichnung. Sie haben deutliche Spuren hinterlassen und die Menschen erinnern sich gerne an Ihre Arbeit. Ich möchte mich bei Ihnen damit in aller Form bedanken und wünsche Ihnen für den weiteren Lebensweg alles Gute. Auch im Namen des Bundespräsidenten darf ich Ihnen ganz ausdrücklich den Dank und die Anerkennung aussprechen für das, was Sie geleistet haben.

Fotos: Justus Otte

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