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Celler Radsportler bei Vätternsee-Rundfahrt 300 km im Sattel

Die schwedische Stadt Motala ist alljährlich der Austragungsort für eine Radsportveranstaltung der Superlative. Mehr als 20.000 Radamateure aus 52 Nationen, darunter auch 2.000 deutsche Starter, machten sich eine Woche vor der Mittsommer-Feier auf, den schwedischen Vätternsee, der mit 138 Kilometer Länge und 31 Kilometer Breite stattliche Ausmaße hat, einmal zu umrunden. Mit dabei auch 13 Ausdauersportler aus den Vereinen SV Altencelle und MTV Müden.

Team_Vaettern_aSie hatten sich schon im Oktober ihre Startplätze für dieses Mega-Event sichern könnern, das binnen weniger Minuten ausgebucht war. So nahmen sie die 850 Kilometer lange Anreise in den Süden Schwedens in Kauf, um sich letztendlich erfolgreich einer gewaltigen Herausforderung zu stellen. Nämlich bei Dunkelheit, Kälte, Wind und Wetter einen 300 Kilometer langen Radmarathon mit immerhin 1700 Höhenmeter zu absolvieren.

Noch Schlafen vor dem Start? – Fehlanzeige: Schon um 22.30 Uhr werden die Müdener Andreas Ull, Thomas Springwald, Hartmut Fabritz, Ralf Müller, Frederike Koch und Rosi Klug noch bei Tageslicht auf die Strecke geschickt. Gegen 2 Uhr morgens sind auch Hans-Joachim Strehlau, Detlef Zimmermann, Ulli Clasing, Rüdiger Heinrich, Heinz Siekmann sowie Benjamin und Jürgen Thuss aus der Triathlonabteilung des SV Altencelle am Startbereich in Motala eingetroffen. Es herrscht sportliche Anspannung aber gute Stimmung und Optimismus bei den Altencellern. Genau um 2.28 Uhr gleiten auch sie in ihrer 80 Fahrer starken Startgruppe auf ihren beleuchteten Rennmaschinen lautlos in die Nacht. Dabei sind die individuellen Renntaktiken unterschiedlich, denn während die einen versuchen eine möglichst schnelle Endzeit zu erreichen, steht für die anderen ausschließlich das Erlebnis und das „Finishen“ im Vordergrund.

Es ist zwar dunkel und sehr kühl aber der Wind schiebt auf den überwiegend flachen ersten 100 Kilometern leicht von hinten. So haben die Celler Fahrer, von denen Hans-Joachim Strehlau und Detlef Zimmermann ein besonders hohes Tempo angeschlagen haben, keinerlei Probleme. Das ändert sich dann kurz darauf schlagartig nach Erreichen der Südspitze des Vätternsees. Nun peitscht den Fahren nicht nur ein eisiger böiger Wind entgegen sondern es müssen ab jetzt auch unzählige kurze und lange Anstiege von bis sechs Prozent bewältigt werden. Das kostet Kraft und die unwirtlichen Bedingungen sollen sich auch auf den kommenden 150 Kilometern auch nicht ändern. Die Vätternsee-Rundfahrt zeigt jetzt ihre ganze Härte. Stärken können sich die Fahrer an insgesamt neun Verpflegungsstationen, dessen Personal in einer organisatorischen Meisterleistung alle Teilnehmer freundlich und schnell mit Kartoffelbrei, Lasagne, Rosinenbrötchen, Knäckebrot, Bananen, diversen Getränken aber auch, für deutsche Verhältnisse etwas ungewöhnlich, mit Blaubeersuppe und Salzgurken versorgt.

Und es geht weiter, immer weiter. Kilometer fressen ist angesagt. Ausreichend Essen und Trinken ist enorm wichtig. Man überholt oder wird selbst überholt. Um Kräfte zu sparen schließen sich die Celler Gruppen an, die manchmal gut und manchmal weniger gut harmonieren. Man leistet selbst Führungsarbeit oder versucht sich im Windschatten der anderen etwas zu regenerieren. Trotz aller Anstrengung bei starkem Gegenwind auf dem welligen Streckenprofil durch eine faszinierend schöne schwedische Landschaft haben die Celler immer wieder die Möglichkeit einen Blick auf das großartige Panorama des riesigen Vätternsees zu werfen.

Nach mehr als 200 gefahrenen Kilometern wird es immer schwieriger Motivation und vor allem die Konzentration aufrechtzuerhalten. Schon eine kleine eigene oder fremde Unachtsamkeit kann unweigerlich zu schweren Stürzen führen. Doch diese können die Celler glücklicherweise vermeiden. Insgesamt gibt es nur eine kleine Panne im Müdener Team. Nach gefahrenen 260 Kilometern kommt der Wind endlich wieder von hinten. Jetzt scheint auch die Sonne und es geht wieder schneller und leichter voran. Nach stundenlanger Fahrt stellen sich die Celler mental so langsam auf ihr Finish in Motala ein. Alle Strapazen sind auf einmal vergessen. Glücklich und unversehrt überqueren alle Celler Teilnehmer wenig später die Ziellinie und nehmen ihre wohlverdiente Finisher-Medaille entgegen.

In einem Rennen, das zwar eine individuelle offizielle Zeitmessung aufweist aber keine Ergebnislisten erstellt und nur bedingt echten Renncharakter hat, ist Hans-Joachim Strehlau aus Celler Sicht der schnellste Fahrer. Er hat einen perfekten Tag erwischt. Nur 10:15 Stunden (Nettofahrzeit 9:57 Std.) benötigt er für die 300 Kilometer lange Strecke, gönnt sich also nur ganze 18 Minuten Pause. Es folgt ein ebenfalls vor allem in den Steigungen bärenstark fahrender Detlef Zimmermann in der tollen Endzeit von 10:44 Stunden. Drittschnellster Celler ist der ebenfalls für den SV Altencelle fahrende Ulli Clasing in 12:15 Stunden vor Heinz Siekmann (12:23 Std.), Rüdiger Heinrich (12:39 Std.) und Benjamin Thuss (12:44 Std.). Auch Hartmut Fabritz vom MTV Müden bleibt mit 12:58 Stunden noch unter der 13-Stunden Marke. Als Pärchen kommen Andreas Ull und Thomas Spingwald (beide 13:47 Std.) sowie Frederike Koch und Ralf Müller (beide 14:38 Std.) inds Ziel. Hochachtung auch für die Müdenerin Rosie Klug, die nach 16:52 Stunden eine denkwürdige Vätternsee-Rundfahrt erfolgreich beendet.

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