DEHOGA-Freisprechung – Jugendmeister Suderburg und Schacht auch Prüfungsbeste
67 Azubis aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe wurden im Hotel Celler Tor freigesprochen. Für die Besten unter ihnen war es ein Heimspiel: Sechs Prüflinge des Hotels wurden wieder als Beste Ihrer Ausbildungsberufe bei der Freisprechungsfeier des DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) gekürt.
Absolut Prüfungsbeste Hotelfachfrau Lena Suderburg hatte sich nach dem Sieg beim Niedersächsischen Jugendmeister entschlossen, Ostlers Angebot anzunehmen, in Celle zu bleiben, um sich hier optimal auf den Bundeswettbewerb Ende Oktober vorzubereiten. Das zusätzliche Training mit dem niedersächsischen Team organisiert Thomas Falkowski. Er hatte bereits als Serviceleiter im Celler Tor gearbeitet und ist inzwischen Lehrer an der Hotelfachschule in Hannover.
Dennis Schacht hat mit 95 Punkten seit Jahren die beste praktische Prüfung abgelegt, u.a. sein Können beim Cocktail-Mixen und Tranchieren unter Beweis gestellt. Er wird Ende August in ein 3-Sterne-Restaurant wechseln. Marisa Felipa Hahn, in Portugal aufgewachsen, interessiert sich nach dem Service jetzt mehr für die Rezeption oder schulische Weiterbildung.
Zusammen mit Lena Suderburg und Dennis Schacht hatte Koch Jonas Hußmann in Cuxhaven schon den zweiten Teamsieger des Landesberufswettkampfes gewonnen. Er hat seine Prüfung auch mit Auszeichnung bestanden und beginnt gleich nach der Freisprechung auf Empfehlung in Österreich eine neue Herausforderung. Während Jan Wreh und Hendrik Corbach in Celle bleiben. Ostlers freuen sich, auch nach der Ausbildung einige junge Leute übernehmen zu können.
Fotos: Mathis Bauer
Festrede vom Ratsvorsitzenden Joachim Falkenhagen
Ich freue mich sehr, aus Anlass Ihrer Freisprechungsfeier hier einige Gedanken formulieren zu dürfen.
Wie ist es dazu gekommen? Wie manch einer von Ihnen auch, wurde ich auf das heutige Ereignis durch eine Email der Geschäftsführerin des DEHOGA hingewiesen. Da ich dem DEHOGA sehr verbunden bin, habe ich auch sehr schnell meine Teilnahme zugesagt und mit der Geschäftsführerin des DEHOGA, Frau Perchner, einige Mails hin und her geschickt.
In einer Mail stand der Stoßseufzer :
„Jetzt muss ich nur noch jemanden finden, der für die Veranstaltung die Rede hält. Na ????“,
und schon sah ich mich als Festredner wieder und mein Problem begann: was soll Inhalt einer Festrede sein?
Aber lassen Sie mich Ihnen zuerst einmal vorstellen.
Ich bin seit 1981 Mitglied des Rates der Stadt Celle, habe lange Zeit auch ein Mandat im Kreistag gehabt. Ich gehöre einer Partei an, die die Freiheit des Einzelnen sehr hoch einschätzt, die es sich manchmal aber auch selbst sehr schwer macht.
Demgemäß ist oberste Mitgliederpflicht:
zuversichtlich sein und die Chancen zu sehen, mit der Zukunft gestaltet werden kann. Insoweit haben Sie im Bereich der Gastronomie und der Hotellerie und ich in meiner politischen Heimat ähnliche Grundziele.
Ich habe im Laufe meines Lebens viele Kontakte zu gastronomischen Unternehmen gehabt und daraus gelernt:
es wird in der Wirtschaft nirgendwo soviel unternommen und soviel und so zuversichtlich investiert wie im Bereich der privatwirtschaftlich betriebenen Gastronomie und Hotellerie, wobei anzumerken ist, dass auch politische Entscheidungen viele Investitionen erst ermöglicht haben.
Wer so tatkräftig investiert und zuversichtlich ist, der wird erfolgreich sein. Ich will das an einem Beispiel deutlich machen, um das ich, gerade in diesem Hause, nicht herum komme.
Im Jahre 1985 legte ein Brand das damalige Hotel „Celler Tor“ in Schutt und Asche. Am nächsten Tag berichtete die hiesige Cellesche Zeitung von diesem Ereignis und fügte dem Bericht ein Bild hinzu, das den damaligen Chef des Hauses Dieter Heine mit Schaufel und Feuerwehrhelm zeigte. Allein dies signalisierte Tatkraft.
Entscheidend aber war für mich als Betrachter etwas Anderes. Jeder erwartet nach einem derartigen Nackenschlag schlichte Verzweiflung bei dem Betroffenen.
Jeder Beobachter hätte Verständnis für Tränen in den Augen des Geschädigten. Bei Dieter Heine sah man strahlende Augen, so als wollte er sagen: jetzt habe ich die Chance das Haus nach meinen Vorstellungen umzubauen.
Sehen auch Sie bitte Ihr Ausbildungsergebnis als Chance, Ihre eigene Zukunft selbst zu gestalten. Unser duales Ausbildungssystem hat die Grundlage dafür gelegt.
Und auch wenn es ein Gemeinplatz ist, ich sage es noch einmal: wir können stolz sein auf dieses berufliche Bildungssystem und haben allen Grund anzuerkennen, dass der Landkreis Celle als Schulträger seiner Verantwortung gerecht wird und trotz angespannter Haushaltslage gerade auch in die ATS viele Millionen Euro investiert hat um zeitgemäße Ausbildung zu ermöglichen.
Kern dieses Berufsausbildungssystems ist die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Voraussetzung für eine Berufsausbildung ist in Deutschland ein Ausbildungsvertrag und in Österreich, der Schweiz und Südtirol ein Lehrvertrag mit einem Betrieb. Sie führt anerkanntermassen zu einem fachlich besonders hochwertigen Bildungsergebnis und Sie sind jetzt auch ein Produkt dieses Bildungssystems.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
selbstverständlich haben die Auszubildenden sich für die Erreichung des Ausbildungszieles engagiert. Anders geht es nicht! Aber es ist heute leider nicht mehr selbstverständlich, dass sich auch die Eltern in der Ausbildungszeit für ihre Kinder engagieren. Deswegen ist auch ausdrücklich an die Eltern ein Dank für die Stützung und Begleitung ihrer Kinder während der Ausbildungszeit auszusprechen.
Und natürlich auch an die Lehrkräfte, die Sie bis zu dem jetzt erreichten Ziel begleitet haben. Man kann sagen „das ist ja auch ihr Job“. Ja, das ist es. Aber man kann diesen Job auch ohne inneres Engagement abspulen und seiner Verpflichtung so nachkommen.
Wenn dies aber so gewesen wäre, dann würden nicht beständig Kreismeister, Landesmeister und Meisterschaften auf Bundesebene aus unserem Landkreis Celle und aus Ihrer Schule kommen und die Betriebe bereichern.
Das ist neben dem Engagement der Auszubildenden in erster Linie das Verdienst der Betriebe und der Lehrkräfte dieser Schule! Herzlichen Dank dafür.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich wollte heute einmal eine andere Festrede halten. Eine Festrede, die nicht von der Ernsthaftigkeit des jetzt auf Sie zukommenden Lebens spricht, Ihren Beruf nicht als den „schönsten, sichersten und chancenreichsten“ charakterisiert. Das haben andere getan und werden es mit Grund auch immer wieder tun können.
Nein, ich wollte einmal auf etwas hinweisen, was Ihnen die Ausübung Ihres Berufes erst ermöglicht – und das – Sie werden staunen, das bin ich und ich bin ein klitzekleines Mitglied eines Kundenreservoirs, das in die Millionen, ja, in die Milliarden geht.
Allein in Deutschland haben Sie über 80 Millionen Kunden.
In Europa sind es über 700 Millionen Kunden,
auf der ganzen Welt über 7 Milliarden Menschen,
die zu einem erheblichen Teil, leider nicht alle, sehr unterschiedliche Ansprüche an gastronomische Dienstleistungen haben können.
Aber es ist eine riesige Menge von Menschen, die sich bei Ihnen im Gastgewerbe wohl fühlen kann und an Ihnen liegt es, Ihre Chancen entsprechend Ihren Neigungen und Ihrem Können auszuloten und die Wünsche und Ansprüche Ihrer Kunden zu erfüllen.
Und in diesem Kundenreservoir bin ich eben ein klitzekleines Etwas und habe meine Ansprüche und Eindrücke, von denen ich Ihnen in vier Episoden berichten möchte.
Es muss etwa 1947 gewesen sein, der 2. Weltkrieg war zwei Jahre zuvor zu Ende gegangen. Ich war drei Jahre alt, als ich mit Lungenentzündung und Diphtherie im Krankenhaus lag. Meine Eltern sorgten sich, ob ich diese Erkrankung überleben würde.
Ich lag im Krankenhaus und kann mich heute nur an zwei Dinge erinnern:
da hing doch am Fußende meines Bettes ein Handtuch und ich bekam frische Erdbeeren zu essen. Dass in diesen Jahren frische Erdbeeren etwas Besonderes waren, das denke ich, leuchtet ein. Aber faszinierend war für mich: am Ende des Krankenbettes hing ein Handtuch (!). Sehr unbewusst habe ich damals empfunden: „da kümmert sich einer um dich!“
Dieser Eindruck war so nachhaltig, dass er bei mir bis heute fortgewirkt hat und hängen geblieben ist. „Da kümmert sich einer um dich!!“
Wenn Sie es hinbekommen, dass Sie Ihren Kunden einen ähnlich Eindruck vermitteln können „da kümmert sich einer um dich“, dann haben Sie gewonnen. Dann, da bin ich sicher, dann wird der Kunde zurückkehren.
Viele Jahre später fuhr ich mit meinem Vater in den Süden. Der Bayerische Wald war das Ziel. Mein Vater hatte in seiner Jugend im Berliner Hotel Adlon eine Kochlehre gemacht. Ich erläutere dies nur um deutlich zu machen, dass er Speisen durchaus beurteilen konnte.
Wir kehrten in irgendeinem Landgasthaus ein und bestellten ein Essen. Es wurde serviert und wir machten uns daran die Speisen zu verzehren – schliesslich waren wir hungrig. Das Problem war aber, dass das Fleisch auf dem Teller ganz schlimm schmeckte.
Als mein Vater den Wirt darauf aufmerksam machte, wurde ihm bedeutet „er hätte wohl keine Ahnung“, das Fleisch sei „ganz frisch“ und zum Beweis, dass es sich um ein ordentliches und geniessbares Fleisch handelte, setzte er sich unaufgefordert an unseren Tisch und aß es auf. Ich hoffe sehr, dass er diese Demonstration überlebt hat.
Sie werden verstehen, dass dieses Gasthaus uns nie wieder gesehen hat. Gehen Sie bitte auf Kundenwünsche ein. Das ist günstiger für den Betrieb als auf Kunden zu verzichten.
Sehr viele Jahre später, 1986, bin ich mit einem Freund nach Mogadishu gefahren. In jene Stadt, die für die Deutsche Sicherheitsgeschichte Bedeutung erlangt hat. Wir wollten dort im Auftrag des Entwicklungshilfeministeriums Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Die dortige Bürokratie erschwerte es uns sehr, unsere guten Absichten in die Realität umzusetzen. Unseren Frust minderten wir durch Besuche weniger Restaurants, u.a. des „Anglo-American-Beach-Club“. Das war damals eines der wenigen Restaurants in der somalischen Hauptstadt, in denen sich Mitteleuropäer wohl fühlen konnten. Heute ist dieses Restaurant ein Schutthaufen, wie die gesamte somalische Hauptstadt.
Auch dort gab es für mich ein Erlebnis, das ich am 21.11.1986 in meinem Tagebuch wie folgt festgehalten habe:
„Dort bestellten wir gebratenen King-Fish mit Chips und bekamen gekochten Fisch mit Chips. Einen gemischten Salat und bekamen keinen gemischten Salat. Wir orderten Wasser und bekamen Limonade. Zum Nachtisch wollten wir Ananas und bekamen gemischte Früchte.“
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
nichts war so wie wir es wollten und das lag ganz sicher nicht an unseren Sprachfähigkeiten. Aber der Ober war so konfus, dass er einfach nichts auf die Beine stellen konnte, bis auf die Flasche Limonade, die wir nicht bestellt hatten. Die goss er versehentlich über unsere Beine!
Aber dieser Ober war ein ausgesprochen liebenswürdiger Mensch und diese Liebenswürdigkeit hat bei uns, obwohl fast alles schief gegangen ist was nur schiefgehen konnte, so positiv gewirkt, dass wir ihm einfach nicht böse sein konnten und noch heute an diesen Besuch denken.
Wenn Sie es hinbekommen, dass Sie Ihren Kunden mit Ihrer speziellen Liebenswürdigkeit begegnen, wenn Sie das Gefühl vermitteln „da kümmert sich einer um dich“ und auf Kundenwünsche eingehen, dann haben Sie tolles geleistet.
Ich habe Ihnen von diesen drei kleinen Ereignissen berichtet. Aus der ganz persönlichen Sicht eines Ihrer Kunden.
Im Grunde handeln diese Geschichtchen von einem ganz normalen, positiv geprägten Umgang unter Menschen, für die die Gastronomie Anlass und Ort für ein Zusammentreffen ist. Wir, die Gäste, wollen guten Service, gute gastronomische Angebote und spüren, dass Service und Küche „ihr Handwerk verstehen“.
Sie möchten zufriedene Kunden, die Ihre Leistungen geniessen und dafür gutes Geld bezahlen – und wiedersehen möchten Sie Ihre Gäste auch. Um dieses Ziel zu erreichen, ist bei uns das duale Ausbildungssystem eingeführt und fortentwickelt worden.
Diese Ausbildung bietet Ihnen, die hier heute freigesprochen werden, einen entscheidenden Vorteil: Sie haben damit eine Qualifikation erreicht, die Ihnen überall auf der Welt, im Heimatland oder in der Ferne, besonders gute berufliche Chancen eröffnet.
Auch hierzu sei eine kleine Geschichte von eine Reise nach Thailand erzählt. Chiang Mai ist eine Großstadt im Norden des Landes, nahe der burmesischen Grenze. Das „Bangkok Oriental“ ist dem Einen oder dem Anderen als Top-Adresse in der Hotellerie bekannt.
Das „Mandarin Oriental“ in Chiang Mai eher weniger. Aber es ist ein grossartiges Haus, ein Traum von Hotel mit einer thailändischen und einer mediterran geprägten Küche.
Voller Neugierde schnupperten wir auf dem Gelände des Hotels herum und entschlossen uns, in dem Restaurant zu essen. Wir nahmen den Kontakt zum Service auf. Als die bemerkten, dass wir aus Deutschland kamen, entfernten sie sich bedeutungsvoll und stellten uns kurz darauf den Leiter des Restaurants vor.
Es war ein Deutscher aus Hannover, der in Deutschland im dualen Ausbildungssystem seine Ausbildung erfahren hatte.
In dem Gespräch mit ihm wurde klar, dass er diese Stelle wesentlich deswegen erhalten hatte, weil er in Deutschland sehr gut ausgebildet worden ist und unser Ausbildungssystem auch in fernen Ländern geschätzt wird. Mittlerweile arbeitet er in Singapore im Sheraton.
Spätestens jetzt, meine Damen und Herren, wissen Sie, dass Ihnen die Welt offen steht. Nutzen Sie bitte diese Chancen. Haben Sie keine Angst vor dem Schritt hinaus in die Welt. Sie haben jetzt eine Berufsausbildung abgeschlossen, haben einen Beruf. Das ist eine gute Grundlage. Aber wenn Sie Ihren Beruf zur Berufung machen, werden Sie die Anerkennung Ihrer Gäste in besonderem Maße erfahren.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.
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