Die heilende Kraft der Musik

Dr. Peter Mayer: Musik vermindert Angst und Stress

dr-peter-mayerDie heilende Kraft der Musik ist keine Entdeckung moderner Wissenschaft. Seit Jahrhunderten gilt in nahezu allen menschlichen Kulturen die Musik als Heilkraft. Schon die Griechen in der Antike waren davon überzeugt, dass die Musik gar die kosmische Harmonie widerspiegele.

Mittlerweile wird Musik als Heilmethode auch von der modernen Schulmedizin anerkannt. Beispielsweise wurden im Rahmen des bundesweit einzigartigen alternativen Pflegeprojekts im Celler Allgemeinen Krankenhaus, welches in das Celler EXPO-Projekt „KeimCelle Zukunft – Heilen im Dialog“ eingebunden war, ganz gezielt musiktherapeutische Erkenntnisse umgesetzt. Als natürliches Heilmittel anerkannt, wurde den Patientinnen und Patienten neben der Verabreichung von Heilpflanzen Entspannungsmusik angeboten. Aber auch in fortschrittlichen Arztpraxen wird immer häufiger Musik eingesetzt, um Ängste und Stress der Patienten zu reduzieren.

Musik stärkt die Lebensenergie

Weshalb geht Musik den Menschen so zu Herzen? Weshalb hüllt ein Wiegenlied ein Kind in tiefe Geborgenheit, schenkt ihm Zufriedenheit und lässt es ruhig einschlafen? Weshalb erweckt, erfreut, tröstet, heilt Musik einen traurigen, einsamen, kranken Menschen? Woher kommt es also, dass die Musik so mächtig auf des Menschen Innerstes wirkt?

Musik weckt Emotionen, denn der Hörsinn ist stark mit dem Gefühlszentrum des Gehirns verbunden. Und Musik setzt sogar körpereigene Drogen frei, d.h. auch die Biochemie des Körpers reagiert auf musikalische Einflüsse. Daher ist Musik für uns Menschen sowohl Prophylaxe als auch Therapie, denn sie stärkt ganz erheblich die Lebensenergie und den Lebenswillen des Menschen. Evolutionspsychologisch betrachtet sind wir Menschen von der Musik nicht etwa deshalb fasziniert, weil sie einen Vogel, einen Wasserfall oder andere natürliche Geräusche imitiert, sondern weil sich das musikalische Gehirnpotential passend zu den grundlegenden Mustern der Natur entwickelt hat. Die Menschen lieben Musik also deshalb, weil sie die Rhythmen des Lebens widerspiegelt. Dabei scheint die Wertschätzung für diese Rhythmen integraler Bestandteil der menschlichen Psyche zu sein.

Musik schenkt Ruhe und Trost

Der Zustand des Erlebens „großer Musik“ ist dabei dem eines Kleinkinds – vielleicht dem unsterblichen Kleinkind in uns selbst – sehr nahe. Unser gesamter Organismus strebt damit einer Zustandsform entgegen, deren Wurzeln weit älter sind als die unseres Intellekts. D.h. der Intellekt bekommt die Möglichkeit, zu ruhen bzw. innezuhalten in seinem ständigen gedanklichen, vermutenden und entscheidenden ´Galoppieren´. Eine solche Ruhepause erquickt aber nicht nur den Intellekt, sondern das gesamte Nervensystem. Einem vom Denken häufig ausgelösten Unglücksgefühl gilt es hiermit, ein gewisses Maß an Glücksgefühl entgegensetzen zu können. Denn sind eine Zeit lang die Zügel des Intellekts dem nicht denkenden Sein übergeben, erfährt das sehnende Kleinkind in uns vorübergehend Erleichterung, womit auf jeden Fall einem höheren persönlichen Wohlbefinden gedient ist - ziehen doch in der Musik, wenn auch nur für Augenblicke, alle unsere geheimen Wesensregungen wie ein vertrautes und doch gleichzeitig ewig fernes Paradies an uns vorüber. Damit vermag die Musik uns Menschen zwar nicht von den Widrigkeiten des Lebens zu erlösen, aber doch immerhin auf eine wunderschöne Art und Weise zu trösten.

Autor: Dr. Peter Mayer – Myro

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