Fragwürdiges Regenwaldflair in Celle – Vierter Grüner Leguan eingeliefert

Die Kapazitäten des Reptilienraums im NABU-Artenschutzzentrum sind restlos ausgeschöpft. Mittlerweile vier Grüne Leguane müssen darin neben zahlreichen anderen Exoten untergebracht werden. “Es ist erschreckend wie herzlos einige Tierbesitzer sich ihrer Tiere entledigen und der Fall des erneut gefundenen Grünen Leguans macht dies wieder einmal besonders deutlich.”, so die Tierpfleger.

Quelle: NABU-Artenschutzzentrum, Joachim NeumannAm frühen Abend wurde das etwa sechzig Zentimeter große Tier an einem Wassergraben nordwestlich von Celle gefunden. Eine Spaziergängerin war mit ihren Hunden unterwegs, als sie die mittelamerikanische Echse im Gras entdeckte. Ohne zu zögern fing sie das Tier ein und brachte es zur Betreuungsstation nach Leiferde. Dort wird deutlich, welch großes Glück der Leguan hatte. „Noch längere Zeit bei Nachttemperaturen um 12 Grad hätte der aus dem tropischen Regenwald stammende, abgemagerte Leguan nicht überlebt“ so Bärbel Rogoschik Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums.

Der Grüne Leguan gehört zu den beliebtesten Terrarientieren, obwohl ihm in den meisten Fällen keine artgerechte Haltung ermöglicht werden kann. Was viele Käufer beim Anblick junger Leguane im Zooladen nicht ahnen, ausgewachsen können sie Längen von bis zu zwei Metern erreichen. Allerspätestens dann haben fast alle Besitzer nicht mehr den Platz das Tier vernünftig unterzubringen. Doch es sind nicht nur Platzansprüche, die eine artgerechte Haltung erschweren. „Hohe Temperaturen wie im Herkunftsland, für das Knochenwachstum wichtiges UV-Licht und eine anspruchsvolle Ernährung, all das sind Dinge über die sich ein Käufer vorher informieren muss, um das Überleben des Tieres nicht zu gefährden“ erklärt Rogoschik weiter.

Auch das Fundtier ist nicht nur durch das Aussetzen in einem denkbar schlechten Zustand, viele der Stacheln auf dem Rücken sind abgebrochen, ein großer Teil des Schwanzes ist mit mehreren Schichten schwarzer Häutungsreste überzogen und viele Narben alter Verletzungen zeugen von vermutlich schlechten Haltungsbedingungen. Laut CITES- Jahresstatistik 2008 wurden allein nach Deutschland etwa 15.000 Grüne Leguane legal importiert. „Das aktuelle Fundtier ist also nur eines von vielen und bei den Importzahlen machen wir uns Sorgen, wie wir in Zukunft die Unterbringung der steigenden Anzahl von Fundtieren bewerkstelligen sollen.“

Wer eventuell nähere Informationen zu diesem Tier geben kann, sollte sich unter der Telefonnummer 05373/6677 mit dem NABU-Artenschutzzentrum in Verbindung setzen.

Foto: Neuester exotischer Pflegling im NABU-Artenschutzzentrum, der Grüne Leguan aus der Nähe von Celle
Foto zum einmaligen, kostenfreien Abdruck unter Nennung des Autors
Quelle: NABU-Artenschutzzentrum, Joachim Neumann

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