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Kommentar „Schlachthof Wietze als Erfolgsgeschichte“

Die am 02. Januar in der CZ veröffentlichte und nach seiner Einschätzung „durchwachsene Jahresbilanz“ des Landrates Klaus Wiswe hat mich überrascht.

Seine Aussagen zum Schlachthof in Wietze sind dabei besonders hervorzuheben.
Seine leider nicht von großer Fach- und Sachkompetenz zeugende Erkenntnis, dass 95 Prozent der Menschen keine Vegetarier sind und das Fleisch irgendwo produziert werden muss ist ebenso erhellend, wie die Feststellung, dass wir die schärfsten Tierschutzbestimmungen in der EU haben und das darüber hinaus der Rothkötterbetrieb unter extremer Beachtung aller gesetzlichen Vorgaben (wie denn sonst?) arbeitet. Aus Sicht des Landrates ist also alles in bester Ordnung, es besteht kein Handlungsbedarf. Die andauernde und sich verstärkende breite Diskussion über eine gravierende Verbesserung unserer Tierschutzgesetzgebung ist ihm wohl entgangen. Das sich im Hinblick auf die Ernährung ein breiter Bewusstseinswandel in der Gesellschaft vollzieht, ist ihm anscheinend auch noch nicht aufgefallen.

Gab es vor Inbetriebnahme des Schlachthofes in Deutschland gravierende Versorgungsengpässe bei Hühnerfleisch? Ist dem Landrat nicht bewusst, dass wir in der EU eine Überproduktion von Geflügelfleisch haben und das der Ausbau weiterer Kapazitäten nur das Ergebnis eines ruinösen Verdrängungswettbewerbs der konkurrierenden
Industrieunternehmen ist?
Ist dem Landrat nicht bekannt, dass ein stetig steigender Anteil des hier produzierten Geflügelfleisches in den Export nach Afrika, Asien und Lateinamerika geht und dort die einheimische Landwirtschaft massiv behindert bzw. zerstört?
Interessieren den Landrat die mit dem weiteren massiven Ausbau von Hühnchenmastställen verbundenen negativen Auswirkungen für den Landkreis Celle nicht? Kennt er nicht die Gefahren, die mit der industriellen Massentierhaltung verbunden sind (z.B. MRSA, Verseuchung des Grundwassers, der Böden und der Luft)?

Die vom Landrat geforderte Freude über die in Wietze geschaffenen ca. 400 Arbeitsplätze und die Aussicht auf weitere ca. 400 Arbeitsplätze will sich bei mir nicht einstellen, da er über die Ausgestaltung dieser Arbeitsplätze in Bezug auf Anstellungsdauer, Lohnhöhe und Sozialleistungen nichts gesagt hat. Die darüber bereits kursierenden Angaben stimmen mich überhaupt nicht hoffnungsfroh, sie bewirken eher das Gegenteil.

Die von ihm genannten Zahlen, Fakten, Argumente haben mich auch deshalb so erschreckt, da sie sehr deutlich machen, wie der Landrat die Intelligenz der Bürger einschätzt.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er seine Aussagen zu diesem Thema ernst nimmt.
Die Frage mag erlaubt sein, ob er mit seinem massiven Einsatz für den Konzern nicht vielmehr einen nahtlosen Wechsel von der Politik in die Wirtschaft vorbereitet. Beispiele hierfür gibt es ja inzwischen genügend.

Wolfgang Weuster

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