Nach Einschätzung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Landtagsgrünen Christian Meyer geht der aktuelle Bauboom von großen Massentierhaltungsanlagen von Hühnern in Niedersachsen weit am Bedarf vorbei: “Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland ist innerhalb weniger Jahre auf über 110 Prozent angestiegen. Neue Tierfabriken dienen überwiegend dem entwicklungspolitisch bedenklichen Export in Drittländer.”
Wie aus einer jetzt vorliegenden Antwort der Landesregierung auf eine umfangreiche Anfrage der Grünen zur Entwicklung von Tierhaltungsanlagen in den einzelnen Landkreisen hervorgeht, wurden 2010 trotzdem insgesamt 80 neue Maststallbauten mit mehr als 30.000 Hühnern genehmigt. 2011 waren 140 weitere Hühnerfabriken zum Großteil im alten Regierungsbezirk Weser-Ems in Planung. Ein Grund für die Zunahme tierquälerischer Mastanlagen ist der massive Ausbau der Schlachtkapazitäten insbesondere durch den vom Land mit 6,5 Millionen Euro geförderten Schlachthof in Wietze. Dazu kommen Verschlechterungen beim Tier-, Umwelt- und Gesundheitsschutz der AnwohnerInnen. So ist Niedersachsen etwa mit 24 Prozent Spitzenreiter bei den schädlichen Ammoniakemissionen aus der Massentierhaltung. Auch die Grundwasserbelastung nimmt in einigen Regionen deutlich zu. Gleichzeitig fehlt eine klare Landesvorgabe für den zwingenden Einbau von Filtern in der Hühnermast. Außerdem wenden Landkreise den Brand-, Tier- und Gesundheitsschutz sehr unterschiedlich an, wie die Landtagsanfrage zeigt.
“So fordern nur 12 der 46 Landkreise und kreisfreien Städte die im Brandschutzrecht eigentlich vorgeschriebenen Tierrettungspläne im Genehmigungsverfahren. Die anderen verzichten rechtswidrig auf die Rettung von Tieren im Brandfall. Auch beim Gesundheitsschutz in Bezug auf bedrohliche Keime aus der Massentierhaltung handeln nur wenige Landkreise im Sinne der Bevölkerung”, kritisierte Meyer. So werden etwa die neuen Studien über massive Anwohnerbelastungen durch MRSA-Keime oder der zunehmende Antibiotikaeinsatz ignoriert.
Erfreulich ist nach Ansicht der Grünen aber, dass sich nur eine verschwindend kleine Minderheit von Landwirten trotz massiver Werbekampagnen überhaupt in die Lohnmästerei und Abhängigkeit von Agrarkonzernen begibt.
“Die Landesregierung muss sich jetzt endlich von der Privilegierung der industriellen Massentierhaltung verabschieden und eine Agrarwende für bäuerliche Strukturen, Tierschutz, Verbraucher und Kommunen einleiten”, so Meyer.
Die Landesregierung warne in ihrer Antwort mittlerweile selbst vor einer Hähnchenblase und vor massiven Überkapazitäten im Hähnchenmarkt. So weist sie “investitionswillige Betriebsleiter” angesichts der zunehmenden Überschüsse darauf hin, dass ein deutlicher Preisverfall drohe und “eine durchgehende Belegung der Mastställe nicht erfolgen kann, wenn die Marktpartner die Ware nicht annehmen können”.
Eine detaillierte Übersicht über den Stand der Stallbauten in den einzelnen niedersächsischen Landkreisen und die unterschiedlich strengen Regeln im Genehmigungsverfahren finden sie unter folgendem Link:
http://bit.ly/anfrage-stallbau

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Es ist völlig inakzeptabel, dass die Landesregierung und die Landkreise die industrielle Massentierhaltung nach wie vor unterstützen. Wider besseren Wissens wird am einmal eingeschlagenen, von der Agrarindustrie durch massive Lobbyarbeit unterstützten Kurs festgehalten. Ohne Rücksicht auf die betroffenen Bürger und die Umwelt, vom Leid der gequältzen Tiere einmal ganz abgesehen, dient die derzeitige Politik einzig und allein dem Gewinnstreben der Agrarindustrie. Das sich diese inzwischen durch Überproduktion in einem ruinösen Wettbewerb befindet, wird von der Politik völlig ausgeblendet. Alle Bürger, die diese irrwitzige Politik ablehnen sind aufgerufen, ihre Stimme dagegen zu erheben! Neben dem Engagement in verschiedenen Tierschutzorganisationen und Bürgerinitiativen bietet die am Samstag, den 21. Januar in Berlin stattfindende Großdemonstration “Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie” eine Möglichkeit, gegen den weiteren Ausbau der Massentierhaltung und für einen Umbau der Landwirtschaft zu demonstrieren.
Anmeldung unter: giselanaxera@t-online.de
Wer sich nicht wehr, hat schon verloren!