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Neue Serie: “Celle von hinten” – Innenhöfe erzählen

„Das sieht ja schön bei Ihnen aus, so habe ich Celle ja noch nie gesehen!“ So oder ähnlich entfährt es nahezu jedem, der uns in den Redaktionsräumen besucht. Man muss schon etwas genauer hinschauen, um uns zu finden.

Das ehemalige Antik-Café Alex – (2011)

Eigentlich eins der vielen „ganz normalen“ Fachwerkhäuser in der Celler Schuhstraße mit der Nummer 6, Parkplätze vor der Tür, derzeit Leerstand im Vorderhaus. Doch wer den Weg durch den schmalen Gang in den Innenhof wagt, wird überrascht; nicht nur von einem weiteren Fachwerkhaus, das man von der Straße aus kaum sehen kann, sondern auch von einem Hof – auf den ersten Blick einer von vielen, aber auf dem zweiten mit einer ganz eigenen Geschichte. Celles Höfe, meist stiefmütterlich behandelt, oft als Fahrradabstellplatz oder Mülleimerstation (aus Platzgründen meist entschuldbar) missverstanden, haben Geschichte erlebt und Geschichten zu erzählen. Wir möchten mit der neuen Serie „Celle von hinten“ bisher unentdeckte historische Schätze beleuchten und heben. Untermauert mit dem Fachwissen des Stadtdenkmalpflegers Dr. Eckart Rüsch sind wir sicher, dass auch Sie hier und da Ihr „Aha“- und „Oha“-Erlebnis haben werden.

Parallel zur Such- und Bilderrätselserie, bei der Sie mit offenen Augen Preise gewinnen können, schauen wir nun hinter die historische Fachwerkkulisse und laden Sie wöchentlich auf eine kleine Zeitreise in die bis zu 500jährige Geschichte unserer Altstadt ein. Kommen Sie mit?

Schuhstraße 6 – Der Alex-Hof

"Momo"

Nicht nur das große Gebäude und der Hof überraschen die Besucher – beeindruckt zeigen sie sich auch durch die Stille nur wenige Meter von der Straße entfernt: kein Auto, kein Altstadtfest, keine nächtliche Randale dringt akustisch in diese kleine Oase der Ruhe mitten in der Innenstadt. Passend zu dieser Kulisse hat sich vor wenigen Wochen Monika von Moller direkt am Hof mit „Momo“ niedergelassen, um “aus edlen Stoffen und einfachen Schnitten schicke Kleidung zu nähen”, so die neue Nachbarin. Der von Michael Ende übernommene Buchtitel kommt nicht von ungefähr: Von Moller verspricht „immer Zeit für ein Gespräch bei einer Tasse Tee“ und versucht, auch im Geschäftsleben die Uhr für einen kurzen Augenblick anzuhalten. Ihre meist weiblichen Kunden wissen das zu schätzen und da ist es wieder… „das sieht ja schön aus bei Ihnen“.

Die ältere Baugeschichte des Grundstücks ist unbekannt. Vom jetzigen Vorderhaus weiß man immerhin über die Fassadeninschrift das Baujahr 1691 und die damaligen Besitzer, das Ehepaar Peter von der Lipp(e) und Ges(ch)e Faerbers. Von der Lippe soll im Korn- und Eisenhandel tätig gewesen sein; die Familie war noch Eigentümer bis 1735. Auch später sind als Eigentümer hauptsächlich Kaufleute überliefert. Das Grundstück war ehemals größer und reichte bis zum Nordwall und ist erst 1861 abgetrennt worden. Heute befindet sich dort die alte Schmiede der Familie Aufderheide.

Tischlerei Alex (Abb. 1) – (vor 1982 – Foto: Werner Alex)

Hinterm Vorderhaus liegt ein Hof auf gesamter Grundstücksbreite. Diese Breite ist eine große Seltenheit in der Celler Altstadt, weil üblicherweise ein Seitenflügel direkt ans Vorderhaus anschließt – so wie man das bei unseren Nachbarn vom Haus Nr. 7 kennt, so dass nur ein schmaler Hofstreifen übrig bleibt. Die hier besondere Situation hat einen zumindest optisch großzügigen Zusammenhang von drei benachbarten Höfen ergeben. Das war nicht immer so. Denn das hinten auf dem Grundstück stehende Rückgebäude aus dem 18. Jahrhundert diente bis 1961 als Werkstatt der Tischlerei Alex. Der zugehörige Wirtschaftsbetrieb hatte zu allerlei An- und Einbauten geführt.

Die auf dem Stadtplan-Ausschnitt von 1898 gezeigte vollständige Überbauung des Hofes dürfte allerdings ein Zeichenfehler sein. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts aber haben Außentreppen und Materialschuppen das Bild des Innenhofes bestimmt (Abb. 2). Ein Wachstum war für die Tischlerei in diesem engen Hof nicht möglich. Der rückwärtige zweite Hof war damals als Lager vollständig überdacht. Größere Werkstücke mussten umständlich über das Nachbargrundstück Nordwall 61 durch eine seitliche Luke in das Tischlereigebäude gehievt werden.

Tischlerei-Rückgebäude mit eham. Aufgang (Abb. 2) – (vor 1982 – Foto: Werner Alex)

Nach der Auslagerung der Tischlerei Alex an die Braunschweiger Heerstraße lag der Hof in der Schuhstraße 6 lange brach, bis Werner Alex zusammen mit den Architekten Schuhwirth & Erman aus Hannover 1978 den Plan zu einer Fußgänger- und Ladenpassage durch das ganze Quartier bis zum Nordwall entwickelte. Als man sich aber mit den benachbarten Eigentümern nicht einigen konnten, begann Alex dennoch sein Projekt, baute das Vorderhauses 1982 um (Architekt I. Niehaus, Celle) und schuf dort einen breiten Durchgang, den er fortan als „Alex Passage“ bezeichnete. Der Durchgang bekam sein Ziel erst 1994 mit dem Umbau der alten Tischlerei zum „Alex Antik Café“. (Abb. 1) Das mit Antiquitäten auf drei Geschossen eingerichtete Café war gerade auch im Sommer wegen der lauschigen Hof-Atmosphäre beliebt und hatte leider 2007 geschlossen.

Aber es gibt bereits Pläne, Haus und Hof wiederzubeleben – und Handwerker sind dabei, diese umzusetzen, während wir es uns in der zweiten Etage gemütlich gemacht haben, um von hier aus die Serie fortzuschreiben. Was unten entsteht, bleibt aber noch unser kleines Geheimnis. Sobald wir es lüften, laden wir Sie gern auf ein Glas Wein ein.

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Über den Autor

Peter Fehlhaber

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