Ollie für alle – Winsen skatet Celle davon
Dieses Battle hat Winsen gewonnen: Jahrelang wird in Celle um eine Skater-Anlage gerungen und gestritten. Rund 25 Jugendliche überlassen das Gerede lieber der Politik und packen einfach selbst mit an – unter ihnen auch einige Celler, die frustriert über 10 Kilometer Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Rund um Streetworkerin Britta Hesse wird seit Wochen gebaggert und gebaut – bereits in zwei Wochen soll die Erweiterung der Skater- und Dirt-Bike-Anlage stehen.
„Die jüngsten sind 12, ich bin mit 54 die älteste“. Hesse ist hauptamtliche Mitarbeiterin bei der MOWI (Hintergrund siehe unten) und versteht sich als Teil des Teams – und genau das motiviert die Jugendlichen. „Ich habe ganz einfach meinen Rat überzeugt, dass es Sinn macht, in die Jugend zu investieren. Ich kann nicht von ihnen erwarten, sich in 15 Jahren in der Gemeinde zu engagieren und die Geschicke des Orts zu lenken, aber ihnen jetzt keine Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Bau ist der einfachste Weg, Verantwortung zu lernen, indem sie das tun können, was sie wollen. Und meine Jungs und Mädchen wollen eben kein Tennis und Badminton spielen, sondern lieber Dirtbike fahren“, so Hesse.
Ohne Sponsoren geht das nicht, über die sich Hesse freut. Von der kostenlosen Musikanlage über LKW-Ladungen voller Lehm zum günstigen Kurs, geschenktes Holz oder einen Bauwagen, den sich die Jugendlichen durch Arbeit finanziert haben. Auch der Bauhof half auf der Baustelle am Rande von Winsen während der regulären Arbeitszeit. „Bürgermeister Dirk Oelmann unterstützt uns, wo er kann. Ich merke den Bürgermeisterwechsel, zumindest was die Jugendarbeit angeht, deutlich. Der macht sich richtig stark für sie“, lobt die Erzieherin ihren Chef.
Der 15jährige Tobias kommt aus der Kreishauptstadt und hilft in jeder freien Minute: „In Celle läuft ja nichts mehr. Sogar die Jugendlichen selbst hatten am Ende keine Lust mehr, sich zu engagieren. Aber hier lohnt es sich, denn hier passiert richtig was.“
Auch der bekannte Celler Künstler „Artes“ Jörg Pipirs engagiert sich in Winsen. „Ich habe schon mit anderen solche Anlagen gebaut – ohne das Engagement kommt man nicht weit. Wir brauchen aber noch immer jede Menge Unterstützung, z.B. noch zwei bis drei LKW voll Lehm, viel Holz und auch Schubkarren. Für jede finanzielle und ideelle Unterstützung wären wir dankbar.“
„Der Dirt-Trail kostet gerade mal 700 Euro“, weiß Britta Hesse. Geld sei weniger das Problem, sondern das Wollen. „Für ein Fußballfeld ist man eher bereit, Geld zu spenden. Zwei Tore beispielsweise kosten allein schon 3000 Euro, das ist ein akzeptierte Breitensport. Unsere Sportart ist eher ein Randsport, gilt unter Erwachsenen als gefährlich – aber er macht unseren Jugendlichen nun einmal Spaß.“
Bis zur endgültigen Fertigstellung der inzwischen gut zehn Jahren alten Anlage rechnen die Streetworker mit Gesamtkosten von weiteren gut 5000 Euro. Sie sind überzeugt, das am Ende zu wuppen. Artes: „Die Wahlen zeigten, dass Jugend in den Programmen der Parteien nicht vorkam. Hier in Winsen heißt es einfach: „Wir machen das.“”
P.S.: Peter zeigt euch den Basistrick “Ollie”
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Hintergrund
Seit Ende der 60er Jahre hat sich in Deutschland der Begriff und das sich ständig weiterentwickelnde Konzept der mobilen Jugendarbeit parallel zu Begriffen wie Straßensozialarbeit, Stadtteilarbeit und Gemeinwesenarbeit etabliert. Die mobile Jugendarbeit spricht ihre Zielgruppe im öffentlichen Raum an. Ausgangspunkt für intensive Beziehungsarbeit sind die Fähigkeiten und Ressourcen der Zielgruppe und nicht deren Defizite und Probleme. Die mobile Jugendarbeit bedient sich verschiedener Methoden, versteht sich als Drehscheibe und Vernetzungspool.
Neben kontinuierlichen Beratungsangeboten und Informationsvermittlung nimmt die mobile Jugendarbeit in akuten Notsituationen von Jugendlichen innerhalb der Zielgruppe ihre soziale Verantwortung wahr: Hilfe wird grundsätzlich niederschwellig und unbürokratisch durch sofortiges Reagieren und Aufklären zum Teil noch vor Ort bis hin zu sozialarbeiterischer Einzelfallhilfe und Weitervermittlung zu spezialisierten Sozialeinrichtungen angeboten.
Neben einer dichten und koordinierten Vernetzung wird zusammen mit Jugendlichen versucht, Unterstützer und Befürworter für ihre Anliegen zu gewinnen. Mobile Jugendarbeit hält Kontakt zu Entscheidungsträgern, Repräsentanten, Bewohnern, Schulen und jugendrelevanten Einrichtungen des Ortes und richtet den Focus auf die Interessen, Bedürfnisse und Probleme der Jugendlichen im öffentlichen Raum.
Die aufsuchende Straßensozialarbeit ist praktischer Ausgangspunkt in der mobilen Jugendarbeit. Dabei handelt es sich um ein In-Beziehung-Treten zu Jugendlichen im öffentlichen Raum. Der Kontakt erfolgt nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. Zielstellung ist, eine akzeptierte Teilnahme an jugendlichen Lebenswelten sowie nachfolgend eine Vertrauensbasis als Arbeitsgrundlage herzustellen. Dies ist oft ein Balanceakt zwischen größt-möglicher Zielgruppennähe und Niederschwelligkeit einerseits sowie Profes-sionalität und Transparenz als Jugendarbeiter/in andererseits.
Mobile Jugendarbeit leistet gezielt Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von praktizierender Lobbyarbeit. Sie ist eine Interessenvertretung für die Belange und Bedürfnisse der Zielgruppen sowie für die Jugendlichen an sich. Dies geschieht auf mehreren Ebenen. Öffentlichkeitsarbeit wird, unter Einbeziehung der Jugendlichen, nicht nur auf Gemeindeebene betrieben, sondern auch im Sinne praktizierender sozialpolitischer Lobbyarbeit darüber hinaus erweitert. Die Probleme und Sichtweisen der Jugendlichen sollen in ihren Zusammenhängen nach außen transportiert werden.
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Kommentare (1)
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Ein sehr positives Beispiel! Da können die Jugendlichen,Eltern und die Gemeinde Hambühren noch viel von lernen! Auch dort wünschen sich die Jugendlichen seit Jahren eine eigene Skateranlage. Nur so geht es: selbst zupacken, Sponsoren suchen und Verantwortung übernehmen. Ich möchte wetten, dass eine von den Jugendlichen selbst gebaute Anlage länger existieren wird als wenn die Gemeinde einfach eine gebaut hätte. So passen die Winser Jugendlichen sicher auch auf ihr neues Prunkstück auf…Klasse Aktion! Applaus nach Winsen…….