Plant Niedersachsen Zensur? “Mediencharta Niedersachsen” sorgt für Irritationen

ozkan-aygulNiedersachsens Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan (CDU), hat gemeinsam mit dem Round Table Hannover eine „Mediencharta für Niedersachsen“ entwerfen lassen. Diese löste unter Journalisten und Politiker teilweise heftige Empörung aus.

Die Unterzeichner sollen sich verpflichten, „den Integrationsprozess in Niedersachsen nachhaltig zu unterstützen“. Laut Medienberichten habe das Ministerium verlangt, dass Journalisten “künftig   über Sachverhalte und Herausforderungen beim Thema Integration verstärkt berichten und informieren;   dabei eine kultursensible Sprache anwenden;   die interkulturelle Öffnung fördern;   ihre interkulturelle Kompetenz verstärken und  Projekte hierfür initiieren und künftig journalistisch begleiten.”

Journalisten sprechen von Zensur und Einmischung des Staates in die Berichterstattung. Auch Politiker sind empört: “Die von Ministerin Aygül Özkan geplante Sprachregelung für kultursensible Sprache mag gut gemeint gewesen sein, aber die geplante gemeinsame Absichtserklärung zwischen Medien und Ministerium geht gar nicht”, sagte der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Stefan Wenzel. Es sei schlicht unzulässig, wenn ein Ministerium versuche, eine Sprachregelung für Journalisten vorzugeben. Die grundgesetzlich garantierte Pressefreiheit lasse solche Eingriffe nicht zu.

Wenzel: “Frau Ministerin Özkan kann für Integration werben. Das Kabinett könnte ebenso wie die CDU-Landtagsfraktion eine Selbstverpflichtung beschließen. All das ist denkbar.” Aber eine schriftliche Vereinbarung mit den Medien gehe am Ziel vorbei. Gefragt sei vielmehr eine überzeugende und glaubwürdige Integrationspolitik und ein sensibler Umgang mit Flüchtlingen, sagte Wenzel. Auch die harte Abschiebepolitik des Innenministeriums müsse dabei endlich einer Revision unterzogen werden.

Pikant sei zudem, dass die Sprachregelung für die Medien offenbar nicht mit der Staatskanzlei abgestimmt worden sei. Wenzel forderte Ministerpräsident David McAllister und Ministerin Aygül Özkan auf, das Projekt einer verbindlichen Sprachregelung zu beerdigen.

Özkan selbst rudert inzwischen zurück und sieht die Charta nur als “Diskussionsgrundlage”. Die Ministerin wörtlich:

„Wir wollen den Round Table „Integration“ in Niedersachsen als eine Plattform für den Austausch zwischen Migranten, Verwaltung, Politik und Wirtschaft etablieren. Integrationspolitik erstreckt sich auf alle Lebensbereiche von der Bildung über Arbeit, Wirtschaft, Soziales, Gesundheit bis hin zur Kultur und zum Sport. Im Rahmen des Round Table „Integration“ sollen die verschiedenen Facetten der Integration unter Einbindung der jeweiligen Fachressorts behandelt werden. Der „Round Table Integration“ soll zu einer festen Einrichtung der niedersächsischen Integrationspolitik werden. Wir wollen gemeinsam mit wichtigen Entscheidungsträgern neue Lösungsansätze diskutieren. Den Auftakt zu den künftig regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen bildet der Round Table „Integration und Medien“.

Die Medien haben mit ihren Programminhalten und ihrer Berichterstattung einen erheblichen Einfluss auf die Integrationsprozesse in unserem Land. Verschiedene Medienvertreter haben uns in der Vergangenheit ihr Interesse an einem Runden Tisch zu diesem Thema signalisiert.

Deshalb wollen wir bei unserem ersten Round Table mit den Medienschaffenden Antworten auf die Frage finden, mit welchen Themen und Formaten Menschen mit Migrationshintergrund noch besser erreicht werden können. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Ideen wie gemeinsame Seminare und Fachkonferenzen.

Wie der Name Round Table schon ausdrückt: Wir möchten den Medien als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe begegnen. Die Charta war und ist als eine erste mögliche Diskussionsgrundlage für den 16. August gedacht. Unsere Fachabteilung hat diesen Entwurf erarbeitet und verschickt, damit wir am 16. August alle eine gemeinsame Gesprächsbasis haben. Der Text der Mail, mit dem der Entwurf versandt wurde, macht diesen vorgesehenen Abstimmungsprozess allerdings nicht deutlich. Insofern verstehe ich die Irritation und möchte klarstellen: Nichts liegt mir ferner, als die Unabhängigkeit der Medien in irgendeiner Form zu berühren.“

Die noch von Ex-Ministerpräsident Christian Wulff berufene Aygül Özkan hatte schon einmal, noch vor Ihrer Vereidigung, für Schlagzeilen gesorgt. Die Forderung nach Verbannung religiöser Symbole aus Klassenzimmern nahm sie nach Protesten auch in ihrer eigenen Partei zurück.

Insgesamt erscheinen sowohl Aufregung als auch Klarstellung zweifelhaft – denn es ist längst Praxis, beispielsweise Verantwortliche und Intendanten der öffentlich-rechtlichen Anstalten nach Parteienproporz auszuwählen – eine Verquickung aus Politik und Medien ist Alltag (Beispiele: www.echo-online.dewww.dwdl.de , www.CelleHeute.de). Eine Zeitung als Sprachrohr von Parteien ist offensichtlich kein Celle-spezifisches Problem.

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4 Kommentare

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  1. Thomersch sagt:

    Ich finde diesen Regulierungswahn ja einfach nur noch scheußlich. Es existieren ja bereits Gesetze, die vor Diskriminierung und Diffamierung schützen, da braucht es – meiner Meinung nach – keine Ausbremsung jeglicher Meinungsäußerung.
    Die Vorzeigeministerin scheint aber heftige Probleme mit den Parteistrukturen zu haben, da sie ansonsten “ihr Ding” durchziehen würde und nicht zurückrudern müsste. Das sagt einmal etwas über sie selbst aber auch über die CDU aus.

  2. Edgar Trummer sagt:

    Liebe Leute !
    In welchem Tollhaus leben wir eigentlich im Deutschland von 2010 ?
    Und dieses haben wir u.a. unserem neuen Bundespräsidenten zu verdanken.
    Dieser scheint seine Partnerinnen nur nach Aussehen auszusuchen und nicht nach Qualifikation. Seine Frau wegen einer hübscheren (Geschmacksache) und jüngeren verlassen (als Katholik). Eine Ministerin in ein Amt gebracht um das Christentum und die Presse zu vergewaltigen ! Also wirklich, sind die Deutschen schon so mit Medikamenten ruhig gestellt, daß kaum mehr Widerstand kommt ?
    Statistiken werden bei Kriminalität und Arbeitslosigkeit geschönt.
    Hartz4er werden demnächst zum Umzug in 25qm Wohnungen gefercht, warum nicht gleich in ein Dixie-Klo ! Leute, die die Wahrheit ansprechen über diesen kranken und kriminellen Staat werden denunziert. Es ist einfach kaum noch auszuhalten. Wann werden wir endlich eine Volksvertretung bekommen, die ihrem Amtseid nachkommt und zum Wohle des Deutschen Volkes und seinen Bewohnern dient ! All das vermisse ich bei unseren derzeitigen Selbstbedienern.
    Man könnte noch so vieles schreiben über unsere selbsternannten “Experten” aus Politik, Banken, Wirtschaft etc., allein es hilft nicht, da diese an ihrer Selbstbedienungsmentalität auf Kosten der Steuerzahler ungeniert festhalten !
    “Wasser predigen und Sekt sau…”
    Mittlerweile sagt selbst der Linke Klaus Ernst: “Wir predigen Wein und trinken ihn auch !”
    Irgendwann wird das Pulverfass hochgehen…
    MfG aus Celles Mitte
    eddy

  3. J. Hey sagt:

    Ahoi,
    ich habe das Gefühl das immer weniger Politiker das GG kennen. Sonst hätte das Bundesverfassungsgericht nicht soviel Probleme mit den neuen Gesetzen. Diese Dame kennt anscheinend nicht den Artikel 5, Absatz 1 des GG, sonst wäre sie nicht auf so eine Idee gekommen.

    Dieser Artikel regelt die Informationsrechte sowie die Pressefreiheit. Ich frage mich häufig wer oder was sucht die Politker/in aus? Wie kommen sie nach oben? Was zeichnet sie aus? Das Ja sagen kann es ja wohl nicht alleine sein.

    Bis dann
    LG von J.Hey

  4. klausi sagt:

    Ahoi, Frau oder Herr J.Hey !

    Kann mich meinen Vorkommentatoren nur anschliessen.
    Die Dame kennt weder das GG, nioch will sie danach handeln. Sie ist schlicht aus einem anderen Kulturkreis und möchte den Koran und andere Sitten und Gebräuche in diesem unseren Lande verbreiten. Wenn die Bürger bzw. die “Volksvertreter” nicht langsam eingreifen, dann sehe ich aber sehr schwarz und das trockene Pulverfass bald hochgehen.
    Hoffentlich muss es dazu nicht kommen und es gibt ein Erwachen im Land der super toleranten Christen !
    Gruss
    klausi

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