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Rekordtief Verkehrstote: Verkehrslagebericht 2011- Nur in CelleHeute: Alle Daten und Fakten

Allein im Januar dieses Jahres drei Verkehrstote. Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Kroll war schon beunruhigt, aber bis heute waren es die Einzigen. Im Vergleich zu den 70ern eine verschwindend geringe Zahl. Er mag sich nur ungern an seine Wochenend-Schichten erinnern: Über 90 Tote waren es noch 1978, davon die meisten eben am Wochenende. Bereits nach Einführung der Anschnallpflicht hat sich die Zahl der Unfalltoten nahezu halbiert. Der technische Fortschritt wie Airbags und Tempobegrenzungen haben die Zahl der Opfer Jahr um Jahr sinken lassen, bis sie 2011 auf einem historischen Tiefstand von acht sank.

v.l.: Jochen Rodenwaldt, Eckart Pfeiffer, Karl-Heinz Kroll

Insgesamt haben sich gut 10% weniger Verkehrsunfälle ereignet. Unfallursache Nummer 1 wie eh und je: Verletzung der Vorfahrt. Dabei ist inzwischen jeder vierte Unfall „garniert mit einer Flucht des Verantwortlichen“, so Kroll. Bei Wildunfällen käme man sogar auf ein Verhältnis von 1:3. 40% der Unfallflüchtigen käme man auf die Spur, vor allem bei größeren Schäden. In diesem Jahr möchte die Polizei die Aufklärungsquote steigern. „Unfallflucht ist eine Straftat und kann schon bei kleinen Schäden zum Führerscheinentzug führen“, mahnt Polizeipräsident Eckart Pfeiffer.

Die Unfälle werden bei der Polizei nicht nur registriert, sondern dienen in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis auch zur Analyse für Optimierungen im Verkehr. Ein schwerer Verkehrsunfall auf der Umgehungsstraße brachte die Erkenntnis, dass Nothaltebuchten fehlen. Diese werden auf der Bisherigen nachgerüstet und für den zweiten Bauabschnitt bereits eingeplant.

118 Unfälle wurden durch Alkohol und anderen Drogen verursacht. Während die Anzahl von 410 Vorfahrtsverstößen in den vergangenen drei Jahren nahezu konstant blieb, kann sich Kroll die erhebliche Abnahme der Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit nicht erklären. Waren es 2009 noch 359 Fälle und 2010 366 Mal die Ursache, in 2011 nur noch 162. Trotzdem bleibt hohes Tempo Ursache Nr. 1 mit Todesfolge.

Auch hier werden Gegenmaßnahmen entwickelt. Z.B. werden künftig auf der B3-Umgehung zwei stationäre Blitzer installiert. In vier Wochen habe die Polizei rund 2000 Verstöße gemessen bei Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h – erlaubt sind 100 km/h. Kroll legt Wert auf die Feststellung, dass weder Kommunen noch Polizei entscheiden, wo stationäre Blitzer installiert würden, sondern eine selbstständige Unfallkommission mit Experten aus verschiedenen Bereichen. „Der Bürger mag fluchen, aber die Zahlen geben uns recht“, so Kroll. Bisherige Starenkästen hätten deutlich zu Minderung an Unfällen geführt.

Mit 111 Kindern wurden gegenüber 2010 gut 20% mehr verletzt, unter ihnen sieben Schwerverletzte. Der Verkehrsexperte ist sicher: „Wenn Kinder richtig gesichert wären, dürfte es viel weniger Verletzte geben“. Kontrollen vor Kindergärten führten nicht selten zu einem ernüchternden Ergebnis.

Im vergangenen Jahr wurden 312 Radfahrer verletzt, deutlich mehr als 254 in 2010, aber nur 89 waren auch die Verursacher. Häufigste Ursache, weil Radfahrer in die falsche Richtung fahren. Allein in der Wittinger Straße stadteinwärts wurden deswegen sieben Radfahrer verletzt.

Eine „Risikogruppe“, in die gerne Fahranfänger oder Senioren gesteckt werden, kennt die Polizei Celle nicht. Im Gegenteil nutzen vor allem junge Fahrer das Fahrsicherheitstraining, das vom Landkreis mit 50 Euro gefördert wird. Das gesamte Jahr sei es ausgebucht. Pfeiffer: “Auch das begleitende Fahren ab 17 ist eine ausgesprochen gute Aktion.“ Gepaart mit der 0.0 Promille-Vorschrift für die Probezeit sei es ein Erfolgsmodell.

Mit 130 Unfällen sei ausgerechnet eine Art Nebenstraße die unfallträchtigste im Raum Celle: die Zugbrückenstraße. Auch Tempo 30 als „Lärmschutzmaßnahme“ habe nicht zu einer Verminderung geführt. „Man kommt eigentlich gut durch die enge Straße, auch mit 50 Sachen – aber wer sein Fahrzeug nicht im Griff hat, hat Probleme. Oft wird der Spiegel abgefahren, aber nicht selten fährt auch jemand hinten auf ein parkendes Fahrzeug“, weiß Kroll. Genau die Art von Unfällen, wo sich die Schuldigen gern mal vor der Polizei drücken, bis sie erwischt werden und den Führerschein los sind – für einen manchmal nur zweistelligen Schaden.

Unfallbericht 2011

 

 

 

 

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Peter Fehlhaber

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