“Rutsch gut rein!”

„Frohes Neues!“ „Rutsch gut rein!“ „Kann nur besser werden“ – wie oft haben Sie diese Wünsche in den vergangenen Tagen gehört und werden es noch die nächsten zwei, drei Wochen tun? Und Hand auf‘s Herz: Wissen Sie noch, wer Ihnen das alles gewünscht hat? Können Sie gar jeden aufzählen, dem Sie das zugesprochen haben?

SMS, Email, What‘sApp, Facebook und sogar persönlich – bei so vielen guten Wünschen kann 2012 nur ein Superjahr werden. Falls jemand zu wenig abbekommen hat, ich könnte Ihnen gern noch welche übertragen, für mich reicht‘s allemal. Rund 110 Millionen Euro haben die Deutschen dafür ausgegeben, um mit lautem Knall die bösen Geister aus 2011 zu vertreiben. Wer mit Aberglaube nicht viel am Hut hat, wird mit dem Feuerwerk das neue Jahr begrüßt haben. Und wer sich gar keine Gedanken darüber macht, wird‘s ja wohl wenigstens irgendwie geil finden. Warum sonst standen tatsächlich morgens um 5 die ersten Konsumenten vor Böller-Sonderverkaufsständen, um die besten abzubekommen.

110 Millionen, die dafür sorgen könnten, dass es manchem so gehen könnte, wie man es wünscht. Ehe Sie meine Gedanken auf eine falsche Spur führen – es ist natürlich naiv und milchmädchenhaft, so zu rechnen und ich gönne jedem sein Vergnügen bis spät in die Nacht, auch wenn jemand – wie ich eben im Chat erfahre- neben einer Frau aufwacht, deren Namen er nicht mehr weiß. Im Rausch das alte Jahr vergessen wollen und berauschend das neue beginnen – schwups, da sind sie dahin, die Neujahrsvorsätze. Sie werden wie ein Gaul alljährlich gesattelt, aber nur selten geritten.

Und die Uhr tickt weiter

Ich freue mich über jeden Neujahrsgruß, zumindest über die ernst gemeinten und wenigstens persönlich formulierten. In Zeiten von SMS-Flatrate können die anderen ehrlich gesagt auch ein wenig auf den inzwischen leeren Weihnachtssack gehen. Aber so lieb und innig und aus vollem Herzen ein Wunsch auch ausgesprochen werden kann: Er hat keinen, aber auch keinen, nicht mal einen klitzekleinen Einfluss auf das, was mir tatsächlich widerfahren wird, was „das neue Jahr“ so bringt. Und egal, wie viele Euro wir in die Luft schießen, noch einmal innehalten, auf‘s Jahr zurück schauen, Resümee ziehen, vielleicht gar eine Neujahrsandacht hören; den Sekundenzeiger kümmert‘s nicht. Er tickt einfach weiter…, tick, tack, tick, tack – so wie er es 2011 gemacht hat, das gesamte Jahr, und 2010, 2009, 2008… und: vielleicht auch 2012. Wir können nur nach hinten schauen und wissen nicht einmal, was die nächste Sekunde bringt.

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke, auch in den Medien. Übereinstimmend stellen sie fest, dass es besonders intensiv war mit historischen Ereignissen – mit dem arabischen Frühling, mit Fukushima, einem grünen Ministerpräsidenten, dem Tod Bin Ladens und einen Bundespräsidenten, der sich durch einen Kredit seinen eigenen verspielt. Auch die Region Celle hatte ihre Geschichten, räumte Anfang des Jahres zunächst mit einer auf und benannte Straßen um, baute einen großen Schlachthof trotz lauten Protestes, aber eben einer Minderheit, wählte einen Bürgermeister nach dem anderen, hatte seine Kommunalwahl mit ganz eigenen Gesetzen und ertrug Mordversuche und Morde.

Geschichte schreiben, das ist unser Auftrag und Sie helfen uns dabei – bis jetzt bereits über 11000 Mal. Von anfangs gut 300 Zugriffen täglich sind es inzwischen bis zu 5000 am Tag und es werden immer mehr. Dafür, für Ihre Treue und Ihren Zuspruch, möchten ich mich persönlich bedanken. Ohne gut vorbereitete und recherchierte Presseinformationen wäre dieser Umfang in einer quasi „Ein-Mann-Redaktion“ gar nicht möglich: gut 30 Artikel täglich, dazu sporadisch Podcast und TV in unseren neuen Rubriken nebst dem neuen Talk-Format aus dem Fürstenhof „Frühstück mit Fehlhaber“. Auch den treuen Gastautoren wie Torben Brandt oder Frank Erdmann und Pressereferenten vielen Dank.

Wir eben auf der Sonnenseite des Lebens

Last und bei Weitem not least ist alles nur möglich, weil uns Werbekunden unterstützen und, so hoffen und wissen wir, selbst davon profitieren. Kunden wissen sehr wohl zu erkennen und zu unterscheiden, wer mit der Zeit geht und Impulse setzt, während sich andere fragen, ob sich Internet tatsächlich durchsetzen wird.

Sie gehören als LeserIn dieser Zeilen eindeutig zu denen, die sich durchgesetzt haben. Sie gehören ganz automatisch zu den Gewinnern auf der Sonnenseite des Lebens. Sie haben einen Computer, damit automatisch Strom und ein Dach über dem Kopf. Sehr wahrscheinlich haben Sie eine Heizung und fließend Wasser, einen gefüllten Kühlschrank und vielleicht, so hoffe ich, sind Sie sogar gesund. Googlen Sie doch mal, wer das alles nicht ist und hat und staunen Sie auf‘s Neue.

Betrachten Sie Ihre Neujahrswünsche anschließend mal aus dieser Perspektive – dabei müssen Sie gar nicht erst an Afrika oder die Not in Asien denken. Vielleicht ist es ihr direkter Nachbar oder die Frau an der Kasse oder das vernachlässigte Kind im Innenhof, denen es mit einem freundlichen Lächeln in Ihrem Gesicht schon viel besser geht. „Carpe Diem“ – ein genau so ausgelutschter Spruch wie „Guten Rutsch!“ – aber nur der macht Sinn. Bill Gates hat ihn einst mit „where do you want to go today“ definiert: Jeden Tag aufs Neue erleben und die Chancen nutzen, die Ihnen das Hier und Jetzt bietet. 2012 mag dann ruhig kommen.

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2 Kommentare

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  1. SchauSchlau sagt:

    Den Spruch: “Einen guten Rutsch” finde ich abscheulich …

    Wer damit sein Geld verdienen kann, wird es anders sehen, das Rutschen.
    Z.B. der Chirurg, Autowerkstatt, etc.

    Lieber wünsche ich den Menschen: Festen, sicheren Stand unter beiden Beinen.

    Wie viele straucheln im Jahresübergang & haben dann lebenslange Folgen zu tragen ….

    So wünsche ich jedem Leser hier: sein täglich Brot.

  2. Pemo sagt:

    Aber liebe(r) SchauSchlau, da muß man doch mal nach der Herkunft gugeln:
    Wikipedia hat 2 Ansätze:
    a) den wohl scherzhaften Gebrauch des Wortes (rutschen) im Sinne von „reisen“ oder „fahren“
    b) aus dem hebräischen: Rosch ha schana tov, wörtlich „einen guten Kopf (Anfang) des Jahres“
    siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Guten_Rutsch
    Ihnen also einen guten Start in das laufende Jahr
    Gruß Pemo

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