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Tischtennis: TuS Celle gegen TTC Hagen

Keine Zeit zum Verschnaufen bleibt den unverdrossenen jungen Kämpfern aus Celle nach den harten Auseinandersetzungen am vergangenen Wochenende in Borsum und Dortmund. Bereits am kommenden Sonntag, den 30.01. um 11.00 Uhr gibt in der Halle der Altstädter Schule der TTC Hagen sein Stelldichein.

“All inclusive” heißt das Paket, welches die Spieler des TuS Celle seit Beginn ihrer ersten Zweitligasaison emotional durchleben. Stand man zu Beginn der Hinserie aufgrund furioser Leistungen lange Zeit an Platz zwei der Tabelle der 2.Bundesliga Nord, findet man sich nunmehr dort als Drittletzter wieder. Die jungen Wilden wollten die Liga mit all ihren Facetten kennenlernen, und zumindest dieses Ziel ist nunmehr erreicht. “Erfahrungen sammeln” hieß seinerzeit das Zauberwort, nunmehr heißt es “Punkte sammeln”. Ob jedoch ausgerechnet der TTC Hagen, der seinerseits aufgrund der bisher abgelieferten bärenstarken Leistungen noch zurecht mit dem Meistertitel liebäugelt, hierfür der richtige “Ansprechpartner” für die Celler Spieler ist, bleibt abzuwarten. Die Liga insgesamt ist ausgeglichen wie nie zuvor. Jeder kann Jeden schlagen und niemand würde wohl zu viel Wetteinsatz auf den Ausgang eines Einzels, geschweige denn des gesamten Punktspieles, wagen.

Fakt ist, das Celler Team hat neues Selbstvertrauen getankt. Fakt ist aber auch, dass der von Manager Dieter Lorenz als ehrgeiziges Ziel anvisierte 6.Tabellenplatz noch nicht erreicht ist und deshalb weitere Zähler hinzu müssen. “Wenn nicht jetzt an Heimes statt, wann und wo dann?” Spielertrainer Hermann Mühlbach weiss : “Wir sind unseren einmaligen Fans in der Halle der Altstädter Schule noch etwas schuldig. Zwar haben wir es beim letzten Heimspiel gegen Köln nicht an Spannung und Dramatik fehlen lassen, jedoch blieb das “Happyend” damals leider aus”.
“Diesmal soll es anders werden”, hofft er und fährt fort : “Keiner von unseren treuen Fans soll sein Kommen bereuen. Wir werden wieder alles geben. Arne und ich sind im oberen Paarkreuz zum Punkten verdammt. Erik und Lars haben mir versprochen, in der Mitte nicht nur gut zu spielen, sondern sich die Seele aus dem Leib zu schreien, damit ja keiner der Zuschauer dem kurzen Dornröschenschlaf erliegt. Schließlich wollen die Beiden sich als Publikumslieblinge immer tiefer in die Herzen ihrer Fans spielen. Na und außerdem heißt ja auch Erik nicht umsonst mit Familiennamen Schreier, bzw. Schreyer. Im unteren Paarkreuz werden wir bis zuletzt mit der Aufstellung pokern, um unsere Gäste noch zusätzlich zu verunsichern. Dem Publikum bleibt es ehedem gleich, welcher der vier „alten Celler“, Alex, Richard, Falco oder Pascal schlussendlich den Sack für Celle zumacht.”

Wie man sieht, ist seit dem überraschenden Sieg am vergangenen Wochenende in Borsum das Ego der Mannschaft wieder in Takt und eine bullische Grundstimmung unverkennbar. Doch wie setzt sich das Hagener Team, welches das Hinspiel gegen Celle glasklar mit 9:3 gewann, zusammen? Und werden diese Spieler die ihnen von Celle angedachte Suppe auslöffeln oder vielmehr kräftig versalzen? Die erste Frage lässt sich folgendermaßen beantworten:

Hagens Nummer eins und Aushängeschild ist der junge Ungar Daniel Kosiba, der schon jetzt zu den stärksten Spielern der Liga zählt und als einer der ganz wenigen Akteure in der Lage ist, auch in der 1. Bundesliga erfolgreich zu bestehen. Dies belegen seine fulminanten Siege des letzten Jahres auf internationalem Parkett über keine geringeren Gegner, wie den Japaner Seiya Kishikava, die Dänen Finn Tugwell und Allan Bentsen, den Spanier Marc Duran, den Kroaten Andrej Gacina, den Deutschen Bastian Steger, die Schweden Jens Lundqvuist und Pär Gerell sowie den Koreaner Oh Sang Eun.

Schon allein Kosiba´s wegen lohnt sich also der weiteste Weg nach Celle, denn sein Spiel ist eine Augenweide, auch wenn es wohl ausgerechnet gegen ihn für die heißhungrigen Celler Spieler nicht mehr als einen Blumentopf zu gewinnen geben wird.

Ganz anders sieht es dann gegen die drei nachfolgenden Hagener Akteure aus. Diese scheinen durchaus “knackbar” zu sein, gleichwohl auch sie aus bilanztechnischer Sicht den Hausherren überlegen sind. Doch manchmal, aber nur manchmal lügen halt auch Bilanzen. Thomas Brosig, Hagens Nummer zwei, ist so ein Spieler. Er kommt mit der Empfehlung einer positiven Bilanz und wenn es bei ihm “läuft”, schlägt er u.a. die wohl teuersten Spitzenspieler der Liga aus Dortmund oder die Asse aus Berlin. An nicht so guten Tagen hadert er aber auch gern mal mit sich selbst und gibt sein Spiel dann gegen vermeintlich schwächere Spieler hin. Hier gilt es für Celle, den Hobel anzusetzen.

Die erst siebzehnjährige Nummer drei der Hagener, der Serbe Dragan Subotic, gilt unter Kennern der Szene als Rohdiamant mit besten Zukunftsperspektiven. Ganze drei Spiele gab er in der Hinrunde ab und gegen Celle gar nur einen einzigen von sieben Sätzen. Ob er sich in der Celler “Höhle des Löwen” resistent oder eher dünnhäutig gegen “Löwengebrüll” erweist, bleibt abzuwarten. Als äußerst soliden Spieler kann man die Nummer vier der Gäste, Jens Berkenkamp bezeichnen. Auch er tritt selbstredend mit einer positiven Bilanz an und dürfte sich immun gegenüber Geräuschen aus Kampfgetümmel erweisen.

Im unteren Paarkreuz sollten die Platzhirsche aus Celle “Nägel mit Köpfen” machen. Hier bleibt, anders als darüber, zu hoffen, dass die bisherigen Bilanzwerte stimmen. Andreas Fejer-Konnert kommt als Nummer fünf der Hagener sozusagen schon als Routinier der Mannschaft angereist und verfügt somit reichlich über jenen Schatz, der den einheimischen Spielern noch fehlt: Erfahrung. Es wird hochinteressant zu sehen, wie weit er damit seine ungestümen Gegner zu ärgern vermag. Mit Pierre-Luc Theriault bietet an Nummer sechs der Gäste, ein Kanadier den Einheimischen die Stirn. Bleibt zu hoffen, dass er dies erfolglos tut.

Fürwahr, es wird ein Drahtseilakt für die Jungen aus Celle, dieses überaus kompakte Hagener Team ernsthaft in Gefahr zu bringen. Am Sonntagnachmittag werden wir wissen, wer wem die Suppe versalzen hat und wer dann mit “leichten Verdauungsstörungen” zurückbleibt.

Text: Peter Mühlbach, Fotos: Herbert Gade
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