Die von der Celler Kreisgruppe des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und dem Ev.-luth. Kirchenkreis Celle initiierte Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der industriellen Landwirtschaft am Beispiel der Geflügelzucht be deutlich gemacht, dass Tier- und Naturschutz und die Interessen einer bäuerlich strukturierten Landwirtschaft sich nicht gegenseitig ausschließen – im Gegenteil: Die Kehrtwende weg von einer zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft könnten die Tier- und Umweltschützer und die Landwirte nur gemeinsam schaffen.
Der Bundesvorsitzendes des BUND, Prof. Hubert Weigert, der gestern im Schulzentrum Burgstraße das Eingangsreferat vor 180 interessierten Besuchern hielt, plädierte für eine nachhaltige Landwirtschaft, die eine regional orientierte, artgerechte Tierhaltung favorisiert, dem Klima- und Wasserschutz sowie der globalen Verantwortung Rechnung trägt und eine bäuerlich strukturierte Landwirtschaft fördert.
Während der anschließenden Podiumsdiskussion ebnete der Umweltbeauftragte der Hannoverschen Landeskirche Reinhard Benhöfer, der die Moderation übernommen hatte, schon mit seiner Eingangsfrage den Weg zu einem konstruktiven Gespräch. „Eigentlich müssten sie nach dem Vortrag von Herrn Weigert laut applaudieren!“, so sprach Benhöfer den Vertreter der Landwirtschaftskammer, Henning Pieper, und Jürgen Mente vom Celler Landvolk an – und diese pflichteten ihm bei. Tatsächlich stehen sich die Positionen der konventionell arbeitenden Landwirte und der Tier- und Umweltschützer nicht unversöhnlich gegenüber. Auch Pieper und Mente forderten vor allem in der Geflügelzucht eine Neuorientierung zum Wohl der Tiere und der Landwirte, die, so sagte ein Besucher während der Pause, doch durch das Diktat der Futtermittelproduzenten und der großen Handelsketten zu „Sklaven auf ihren eigenen Höfen“ würden.
Tier- und Umweltschützer, so resümiert Pastor Uwe Schmidt-Seffers vom Kirchenkreis das Podiumsgespräch für sich, sind nicht die spinnerten und realitätsfernen Ökos, als die sie oft hingestellt werden, und auch die konventionell arbeitenden Landwirte sind nicht die skrupellosen Wirtschafter, denen das Interesse an ihren Tieren fehlt. Insofern habe diese Veranstaltung zu einer weiteren Annäherung der Positionen geführt, die vielleicht, so Schmidt-Seffers, zu viel stärkeren Vernetzung führt. Jedenfalls konnten die Besucher der Veranstaltung miterleben, wie sehr Landvolkvorsitzender Mente von einem neuartigen Schweinemaststall in der Celler Region schwärmte, der unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten wegweisend sein könnte. Dass in der Celler Region die Hähnchenmastställe aus dem Boden schießen würden, hält Jürgen Mente nach wie vor für unrealistisch, weil das schon die regionalen Bedingungen – 60% beträgt der Waldanteil im Landkreis – nicht hergäben. An der Reaktion des Publikums auf diese Einschätzung konnte man schließen, dass ein Großteil der Zuhörer dieser Prognose keinen Glauben schenken kann.
Angela Müller von der Ev.-luth Landeskirche Bayern legte den Fokus ihrer Ausführungen auf die Eiweißproduktion in Südamerika. In Argentinien und Brasilien würden dem europäischen Verlangen nach billigen Futtermittel sowohl der Regenwald als auch der dortigen kleinbäuerlichen Landwirtschaft zum Opfer fallen – die hochsubventionierten Schlachtabfälle in der Geflügelzucht würden nach Westafrika exportiert und die dortigen Märkte zerstören. Diese zerstörerischen globalen Aspekte der Tierproduktion in Europa, so die Vertreterin der kirchlichen Initiative „Mission EineWelt“, dürften bei der Diskussion in Deutschland und Europa nicht vernachlässigt werden.
In seinem Schlusswort betonte Reinhard Benhöfer, dass man in Zukunft nicht allein darauf setzen könne, dass sich das Verhalten der Konsumenten im Supermarkt verändere; gesetzliche Regelungen und modifizierte europäische Standards in der Subventionierung der Landwirtschaft müssten politisch durchgesetzt werden. Im April, so Benhöfer, wird sich auch die Landessynode der Hannoverschen Landeskirche mit dem Thema Geflügelzucht beschäftigen: Die Kirchengemeinde Wietze hat eine Stellungsnahme zu diesem Thema eingefordert.

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