Der Verein betreibt den Kalandhof, eine Einrichtung für ehemals Wohnungslose, die in 50 Appartements leben und nur aufgenommen werden, wenn sie ihre Lebenssituation verändern wollen. 75 Prozent der Bewohner werden dauerhaft integriert. In den letzten 17 Jahren hat sich der Verein Herberge zur Heimat dem Thema Arbeit und Qualifizierung gewidmet. Der Verein ist alleiniger Gesellschafter der NAC GmbH, die es sich zur Aufgabe macht, vorwiegend benachteiligte Langzeitarbeitslose einzustellen bzw. junge benachteiligte Arbeitslose auszubilden, auch ehemals wohnungslose Menschen. Die NAC GmbH ist mit dem Wohnland, Schuhstraße und einem Cateringunternehmen am Markt tätig und erhält keine öffentlichen Förderungen außer personenbezogen für einzelne Arbeitslose, wie sie andere Firmen auch bekommen.
Zum Verein Herberge zur Heimat gehört ein Bereich, der über die EU gefördert wird. Hier werden im Verbund mit der Agentur für Arbeit, anderen Qualifizierungsbetrieben mit Wirtschaft und Handwerk in zwei Projekten ca. 70 benachteiligte Langzeitarbeitslose gefördert. In der NAC GmbH geht es ausschließlich darum, Menschen zu qualifizieren, Arbeitsplätze zu schaffen und diese zu sichern.
Die Verantwortlichen des Vereins haben für ihren Fachtag am 29. Oktober 2010 in der Hohen Wende 14 drei Referenten gewonnen. Als Gäste werden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Handwerk, Politik und Verwaltung eingeladen. Grußworte sprechen Ute Stahlmann, Abteilungsleiterin Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik – Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Dr. Susanne Schmitt – 1. Stadträtin in Celle und Herr Klaus Wiswe – Landrat .
125 Jahre Verein Herberge zur Heimat e. V. repräsentieren eine Entwicklung vom ursprünglichen diakonischen Konzept “Arbeit statt Almosen” hin zu einem modernen differenzierten Konzept der Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Themen Arbeit, Arbeitsmarkt und Qualifizierung von Menschen stehen somit traditionell im Mittelpunkt des Interesses und der Aktivitäten des Verein.
Dieser Tradition verpflichtet hält der Verein Herberge zur Heimat e. V. aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums keine aufwendige Rückschau, sondern widmet sich den Fragen und Herausforderungen der Zukunft.
In der Einladung heißt es: Im Rahmen eines Fachtages möchten wir gemeinsam mit Ihnen die Fragen zur Zukunft der Arbeit, der Zukunft des Arbeitsmarktes und der Zukunft der Qualifizierung erörtern und diskutieren. Moderiert wird der Fachtag von Daniel Eckardt – Landkreis Celle, Wirtschaftsförderung. Mit drei Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion will der Verein insbesondere die Situation und Herausforderung für die kleinen und mittleren Betriebe/Unternehmen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen und sich zukunftsfähigen Antworten annähern. Teilnehmer der Podiumsdiskussion: Corinna Feltz-von Einem – Geschäftsführerin Agentur für Arbeit Celle, Michael Zeinert – Hauptgeschäftsführer IHK Lüneburg-Wolfsburg, Stephan Kassel – Stadtrat Celle sowie die Referenten.
Das Thema “Celle im Wettbewerb der Besten – Qualifizierung als Erfolgsfaktor” ist nach Angaben des Vereins hoch aktuell. Nach einer Projektion des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung soll nach seinen Berechnungen die Unterbeschäftigung in 15 Jahren nur noch bei 1,5 Millionen liegen. Unternehmen sollen demnach nicht mehr ausreichend qualifiziertes Personal finden, deshalb sei die Arbeitsmarktpolitik der Zukunft vor allem Bildungspolitik.
Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Steigende Veränderungsgeschwindigkeit, zunehmende Wissensintensität in Prozessen, Systemen und Strukturen, der demografische Wandel, die technologische Entwicklung, Internationalisierung und Globalisierung sowie zunehmende Komplexität sind nur einige Schlagwörter. Dies hat Konsequenzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie für die Gesellschaft. Fachliche Kompetenz allein reicht heute nicht mehr aus. Die nachhaltige Sicherung von Beschäftigungsfähigkeit ist gefragt.
Frau Prof. Dr. Jutta Rump lehrt internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein. Sie ist Mitglied der Hochschulleitung und leitet das Institut für Beschäftigung und Imployability. Ihr Forschungsschwerpunkt, insbesondere auch für die Bosch-Stiftung ist derzeit die Zukunft der Erwerbsarbeit.
Unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung des Arbeitskräfte-Nachwuchsmangels, der Globalisierung, wachsender Beschleunigung und steigender Veränderungsgeschwindigkeit, der Teilhabe von Frauen, des Bedeutungszuwachses an Wissen und Kompetenz zeigt Frau Prof. Dr. Rump die Veränderungen der Arbeit und Herausforderungen der Zukunft auf.
Prof. Dr. Rump wird zu Imployability, Management, Personalpolitik im Zuge des demografischen Wandels, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Komplexitätsmanagement, Electronic Mobility, Wissensmanagement und Lebensphasen orientierte Personalpolitik referieren und Trends und Konsequenzen für die Unternehmenspolitik aufzeigen.
Dr. Thomas Specht ist Geschäftsführer der BAG Wohnungslosenhilfe
Mit Blick auf benachteiligte Arbeitslose und deren Möglichkeiten und Notwendigkeit auf Teilhabe am Arbeitsmarkt spannt Specht in seinem Referat den Bogen von Arbeitslosigkeit zu Integration in den Arbeitsmarkt. Er wird deutlich machen, dass für viele Wirtschaftsbereiche gerade die adäquate Qualifizierung der arbeitslosen Menschen nach SGB II ein nicht zu unterschätzendes Arbeitskräftepotenzial bedeutet.
Heinz Jeschke, Unternehmensberater, referiert zum Thema “Zukunft der Qualifizierung”
Ausgehend von einer Bestandsaufnahme und vor dem Hintergrund der eingeschränkten Finanz- und Personalressourcen kleiner und mittlerer Betriebe, nimmt Jeschke den zunehmenden Qualifizierungsdruck in den Blick und beschreibt die Herausforderungen, Aufgaben und Möglichkeiten der Zukunft.

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