Wanka eröffnet Krieg-Ausstellung im Kunstmuseum
Über 120 Quadratmeter Farblandschaft auf 25 großformatigen Leinwänden vereint die Ausstellung „Prachtstücke!“ im Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon. Das vielgestaltige Auf und Ab zwischen krustigen Gebirgsmassen aus Acrylfarbe, energischen Pinselspuren und sacht gehauchten Farbnebeln ist charakteristisch für die Malerei von Dieter Krieg.
Krieg (1937-2005) gehört zu den eigenwilligsten und stärksten Persönlichkeiten der deutschen Gegenwartskunst. Bereits 1978 bespielte er den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig und trat eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf an. Zeit seines Lebens wurde Krieg mit vielen Auszeichnungen geehrt und sogar posthum erhielt er den Preis der Cologne Fine Art. In diesem Jahr wäre der Künstler 75 Jahre alt geworden. Das Kunstmuseum Celle nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, Krieg mit einer Sonderausstellung seiner Meisterstücke zu würdigen. Die Ausstellung vereint Werke aus den Beständen der Sammlung Robert Simon und der Stiftung Dieter Krieg in Stuttgart.
Im Gegensatz zu den vergangenen Großausstellungen in Bonn (2006) und Stuttgart (2008) liegt der Schwerpunkt nicht bei den bekannten seriellen Wort-Bildern des Künstlers. Mit einer exquisiten Auswahl ausdrucksstarker Großformate steht in Celle das Gegenständliche in Kriegs Kunst im Mittelpunkt.
„Ich grübele nicht über den Stoff, sondern ich erfahre ihn durch das Malen.“, so beschrieb der Künstler selbst seinen Umgang mit den Motiven. Mit ganzem Körpereinsatz und oft unkonventionellen Malwerkzeugen tastete sich Krieg an seine Bildgegenstände heran. Aus der Nahsicht wirken ganze Passagen wie abstrakt. Gerade in den großformatigen Gemälden zeigt sich Krieg als experimentierfreudiger Erforscher der Möglichkeiten und Grenzen von Malerei. Seine Bilder laden ein, die spannungsvollen Gegensätze zwischen Klüften, Brocken, Graten und Ebenen aus Farbe im imaginären Nachvollzug des Entstehungsprozesses mit dem Blick zu erwandern.
Mit mehr Abstand zur Leinwand rückt die Malerei hingegen in die Nähe einer rauen Spielform der Pop-Art: Was Dieter Krieg per Blow-up-Verfahren sattleuchtend in Szene setzt, sind oft banale Gegenstände der Alltagskultur. Bierdeckel, Würste, Hähnchenschenkel, Putzeimer, Blumentöpfe und treu blickende Dackelköpfe plusterte er auf zu grandiosen Bild-Monumenten. Für den spannungsvollen Bruch sorgt sein nach wie vor singulärer Malstil. Statt den Objekten zu huldigen, stellte Krieg sie in Frage: Er kratzte sie an, brach sie auf, raubte ihnen Erdung und Schwerkraft und holte so fremde Seiten des Vertrauten an die Oberfläche.
Die Ausstellung „Prachtstücke! Malerei von Dieter Krieg“ im Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon läuft vom 24. Juni bis zum 7. Oktober 2012. Sie wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen.Zur Eröffnung am 24. Juni, 11.30 Uhr, sprechen Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, sowie Klaus Gerrit Friese, Vorstand der Stiftung Dieter Krieg in Stuttgart.
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