Wietze im Krimi – Tulpen aus dem Schlachthof

Unfall, Freitod oder Mord? Und das direkt im Haus von Martin Spranger, Mölzes (Gelegenheits-)Detektiv. Elena, die junge Lehrerin, die zur Miete bei ihm wohnte, ist jedenfalls tot. Als die Polizei auch ihn verdächtigt, kommt Spranger nicht umhin, selbst zu ermitteln. Die Suche nach einem Motiv bleibt nebulös – Eifersucht, Rache?

Elena hatte anscheinend Kontakte zu militanten Tierschützern, die gegen einen Geflügelschlachthof protestieren und Aktionen gegen den Bau von Mastställen planen. Aber kann, wer Tiere schützen will, Menschen töten? Als fast ein zweiter Mord passiert, wird klar, dass Elenas Netbook die Spur zum Mörder weisen könnte. Aber es ist gestohlen. Was macht die darauf befindlichen Informationen so brisant? Für wen sind sie gefährlich?

Cornelia Sziget gelingt auch in ihrem zweiten Celle-Krimi eine spannende Suche nach Mörder und Motiv. Martin Spranger kommt in Kontakt zu Schülern von Elena, die gegen den Bau von Geflügelmastställen anscheinend mehr machen wollen, als nur Flugblätter zu verteilen. Und die Tote? Sie hat, wie sich herausstellt, Informationen gesammelt zum Wietzer Geflügelschlachthof. Dabei geht es um »Moral Hazards« in der Geflügelbranche, wobei sich hinter dem »moralischen Wagnis« nicht mehr verbirgt als die Versuchung, in gesetzlichen Grauzonen Extragewinne zu erzielen. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, gilt es zu enträtseln.

Die Geschichte lebt daneben auch vom Lokalkolorit. Da die Autorin erneut nicht verrät, warum Celle bei ihr Mölze heißt, sei es hier enthüllt: Der Maler und Dichter Fritz Grasshoff, der den kreativsten Teil seines Lebens in Celle verbrachte, nannte die Stadt in seinem einzigen Roman genau so. Und nach seinem »Helden« Heinrich Blaue hat Sziget dann die Stiftung benannt, die mit ihrem Gebäude in der Zöllnerstraße einen kleinen Nebenschauplatz liefert und für »Einheimische« unschwer als RWLE-Möller-Stiftung zu enträtseln ist.

Viel hat sich aus Martin Sprangers Selbständigkeit als Privatdetektiv, die im ersten Krimi (»Unbekannt verzogen«) vor allem als Verlegenheitslösung gegenüber Anforderungen der Arbeitsagentur entstanden war, nicht entwickelt. Mehr beschäftigt ihn inzwischen sein individueller »ökologischer Fußabdruck«. So ist sein Blick auf die ihn umgebende kleine Welt weiterhin die eines Außenseiters. Und dass in der großen Welt alles zunehmend aus den Fugen gerät, lässt sich eben mittlerweile auch vor der eigenen Haustür mitbekommen.

Kurzum: Cornelia Sziget knüpft mit einer vertrackten Geschichte und zum Teil bekanntem Personal an ihren ersten Roman an. Mit dem Themenfeld Ernährung und Tierethik lässt sie aktuelle Diskussionen einfließen. So kann der Krimi über das (ent-)spannende Lesevergnügen hinaus sogar die eine oder andere Gesprächsanregung geben.

Cornelia Sziget: Tulpen aus dem Schlachthof. Ein Celler Regionalkrimi. (edition winterwork) Borsdorf 2011. ISBN 978-3-86468-026-7. 254 S. 12,90 Euro.

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