Wiswe zu vermeintlichem Lohndumping bei Rothkötter – Meyer bleibt bei Vorwürfen

Der Celler SPD-Landtagsabgeordnete Rolf Meyer kritisiert die Firma Rothkötter aufgrund Dumpinglöhne für Mitarbeiter im Wietzer Schlachthof. CelleHeute.de veröffentlichte dazu auch eine entsprechende Stellenausschreibung. Landrat Klaus Wiswe hat sich daraufhin heute an alle Dezernenten und Kreistagsmitglieder gewandt. In seinem Schreiben heißt es, ungekürzt und unkommentiert:

“Aus gegebenem Anlass (Rückfragen von Kreistagsabgeordneten) und aufgrund der medialen Berichterstattung am heutigen Tage möchte ich Sie über die tatsächliche Situation bei der Firma Celler Land Frischgeflügel GmbH in Wietze informieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 340 Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig bei der Firma Celler Land Frischgeflügel GmbH beschäftigt. Innerhalb der sechsmonatigen Probezeit erhalten diese Mitarbeiter 9,50 € / Stunde. Nach der Probezeit werden 10,56 € / Stunde gezahlt. Zusätzlich hat das Unternehmen mit dem Personaldienstleister Randstad eine Kooperation abgeschlossen, um für die Abarbeitung von Spitzen in der Produktion 30-40 Arbeitnehmer zu suchen, die bei der Firma Celler Land Frischgeflügel GmbH im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung von Randstad arbeiten. Diese Mitarbeiter werden mit 8,22 € / Stunde vergütet. Sollten diese Mitarbeiter eine ordentliche Arbeitsleistung erbringen, übernimmt Celler Land Frischgeflügel diese als sozialversicherungspflichtige Angestellte und zahlt den o.g. Lohn.

Nach dem Zuwendungsbescheid ist das Unternehmen verpflichtet, 250 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einzustellen und die Lohnstruktur vom Betriebssitz in Haren auch in Wietze einzuhalten (dort werden auch 9,50 € in der Probezeit und 10,56 € danach gezahlt).

Es bleibt daher festzuhalten, dass die Stammbelegschaft mit 10,56 € / Stunde vergütet wird und der Anteil der Stammbelegschaft am gesamten Mitarbeiterstamm zurzeit knapp 90% beträgt. Weiterhin sind schon 90 Mitarbeiter mehr eingestellt worden, als nach dem Zuwendungsbescheid notwendig.

Ich hoffe, dass diese Information zur Sachaufklärung beiträgt.”

Meyer will das so nicht stehen lassen. In einem umgehende Antwortschreiben heißt es, ebenfalls ungekürzt und unkommentiert:

“Sehr geehrter Herr Landrat,

wie man den Unterlagen der Jobbörse der Agentur für Arbeit entnehmen kann, hat Randstad zweimal Stellen ausgeschrieben: einmal zu 7,79 €/Std (4 von 45 gemeldeten Stellen: Lebensmittelhygiene, Qualitätskontrolle) und eine weiteres Mal zu 8,22 €/Std (6 von 45 Stellen: beladen, entladen, verpacken). Die Stellen sind auf 6 Monate befristet und beinhalten Schichtarbeit.
Ich bin nicht der Meinung, dass ein Lohn von 7,79 € pro Stunde bei Schichtarbeit angemessen ist. Bei 160 Stunden je Monat entspricht das einem Bruttoverdienst von 1246,40 €. Und um welche Arbeitspitzen soll es denn gehen, wenn den Beschäftigten nach ihrer Aussage gesagt wird, bei „guter Arbeit“ würden sie anschließend übernommen?

Aus meiner Sicht bedeutet dieses Vorgehen etwas anderes: den anderen Mitarbeitern wird signalisiert, dass 10,56 € besser nicht in Frage gestellt werden sollten. Zum Vergleich: bei 160 Stunden im Monat sind das 1689,60 € brutto. Kann eine Familie auf Dauer –ohne Aufstockung– davon leben ?

Weil ich diese Vorgehensweise nicht in Ordnung finde, und da unterscheide ich mich von Minister Bode, nenne ich das Ausbeutung.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Meyer, MdL”

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5 Kommentare

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  1. k.schaefer sagt:

    es dürfte bekannt sein, dass diese branche billiglöhner beschäftigt, ansonsten wäre es kaum möglich gegen die konkurrenz zu bestehen.
    man kann als arbeitgeber auch anonym bleiben bei arbeitsvermittlern so dass aussenstehende gar nichts mitbekommen und was ist das eigentlich für eine anzeige auf dieser seite: bi-wietze.de
    und wenn so etwas, so eine ungeheuerliche tierquälerei, verbunden mit einer enormen umweltbelastung und medikamentenzufuhr der verbraucher für jemanden ein 6er im lotto darstellt, demonstriert er wessen geistes kind er ist und als politiker völlig untragbar ist. im übrigen wurde diese machart von peta ganz klar als organisierte kriminalität bezeichnet – im zusammenhang mit wiesenhof, deren produkte seither von den schweizer discountern nicht mehr gekauft werden.

  2. Pro Animal sagt:

    Gäbe es den Zuwendungsbescheid nicht, liegt die Vermutung nahe, dass das gesamte Lohnniveau niedriger liegen dürfte. Abgesehen davon entsprechen 10,56 € brutto dem garantierten Mindestlohn in Frankreich.
    Durch die erhaltene Finanzspritze aus öffentlichen Geldern mußte Rothkötter für die Festangestellten diesen “Spitzenlohn” zusagen. Es ist beruhigend, dass Wesjohan, Rothkötter & Co. nicht mehr zur Ruhe kommen.
    Das Thema zieht immer grössere Kreise, wie gestern in der ZDF-Reportage um 18 Uhr zu sehen war.
    Für alle, die diese hochinteressante Sendung verpasst haben der Hinweis auf diesen Beitrag in der Mediathek unter:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1465778/ZDFreportage:-Kampf-in-der-K%C3%BCche

    Es liegt an jedem Kunden selbst, ob er Produkte kaufen will, die unter grausamen, tierquälerischen Bedingungen entstanden sind. Die Gefahren durch MRSA, massiven Antibiotikaeinsatz, gefährliche Bioaerosole, Grundwasserverseuchung und Verunreinigung von Luft und Boden kommen hinzu!
    Ohne Gewürze ist das Produkt nicht essbar! Kein Wunder!!!

  3. Hofnarr2011 sagt:

    Erstmal eines vorweg, sehr geehrte/r Pro Animal,

    ich bin zwar durchaus auch eher der Meinung, lieber mehr Qualität als nur viel Masse, aber…

    jetzt mal realistisch geblieben:

    kann sich die Masse der Bürger/innen diese Qualität allen Ernstes leisten ?
    Doch wohl nur unsere Normalbürger ausraubende Elite ;)

    Oder wer kann sich ein vegetarisches 7-Gänge Menue für 125,00 Euro leisten, geradezu lächerlich !
    Und ganz ehrlich, bei diesem Vorzeige Gourmet-Koch Hoffmann möchte ich gar nichts essen wollen.
    Der leckt sich die Finger, kratzt sich die Birne vor laufenden Kameras bei der Zubereitung seiner Gourmet-Mahlzeit, nee danke…
    Und woher wissen wir, ob der Boden seines Anbau-Gartens und das Beregnungswasser schadstofffrei ist ?

    Etwas weltfremd scheinen die Eltern aus der Kreuzberger Schule zu sein, die wohl für 2,00 Euro ein Gourmet-Essen verlangen und Probe essen machen. Wahrscheinlich können die meisten von denen nicht mal selbst anständig kochen, aber sich ein Urteil erlauben. Würde mich mal interessieren wie die aus so bescheidenen Mitteln (2,00 Euro) vernünftiges Essen hinbekommen und auch noch Personal davon bezahlen möchten (?)

    Die freilaufenden Schweine von Herrn Schweisfurth vom Gut Hermannsdorf waren allerdings ein echter Lichtblick und super sympathisch. Vielleicht sollten sich Grundstückseigentümer überlegen eigene Tiere zu halten und auch eigenen Obst- und Gemüseanbau zu betreiben, um uns selbst zu versorgen. Das ist zwar bestimmt sehr zeitaufwändig, aber bei der ausgiebigen Freizeit, die viele Menschen (teils) mit unwichtigen Dingen verschwenden, eventuell mal eine sinnvolle Aufgabe, um zukünftig gesünder zu leben.

    Programm der heutigen Politik scheint aber (indirekt) zu sein :
    die Menschen mit schlechten Produkten krank zu machen, damit die Pharma-Branche und Ärzte profitieren.
    Pflegedienste und Heime bekommen ebenso ständig Nachschub.
    Alzheimer kommt immer häufiger und früher zum Ausbruch. Diabetes nimmt weiter zu.
    Alles Ergebnisse aus schlechter Ernährung, teilweise staatlich subventioniert (Massentierhaltung).

    Geschäft mit einer immer mehr (künstlich) erkrankten Gesellschaft nennt man das wohl…

  4. Christian Brandes sagt:

    Wenn die Subventionspolitik endlich nach Art der Haltung und nicht nach Menge der Tiere und ausreichender Lobby ausgerichtet wäre, dann könnten sich viel mehr Leute Fleisch aus artgerechter Haltung leisten. Auch ich kann mir kein Sieben Gänge Menü für 120 Euro leisten, und bin trotzdem in der Lage mich vegetarisch zu ernähren.

    Gruss, Christian Brandes

  5. Pro Animal sagt:

    Sehr geehrter Hofnarr,
    Sie haben ihre Frage doch schon selbst beantwortet.
    Die Masse der Bürger kann sich preisgünstig und qualitativ hochwertig ernähren! Es fehlt allerdings, und da gebe ich Ihnen Recht, die Kenntnis darüber, wie man so etwas macht. Das 7-Gänge Menue für 125,00 € zeigt doch nur, dass Spitzengastronome in ihrem Segment auf traditionelle, nicht industriell erzeugte Produkte zurückgreifen und das es nicht immer Fleisch sein muß! Den Sonntagsbraten gab es eben nur am Sontag und nicht an jedem Wochentag!
    Der Preis-/Kostendruck zwingt angeblich zum Verzehr minderwertiger Lebensmittel. Wer sich jedoch bewusst ernährt und nicht jeden Tag ein Stück Fleisch auf dem Teller haben muss, kann sich preiswerte und qualitativ hochwertige Lebensmittel leisten! Wenn ca. 30 Prozent der Lebensmittel allein im Haushalt vernichtet werden (vom Regal in den Abfalleimer) zeigt as doch, dass an unserem Verhalten etwas nicht stimmt. Es ist meiner Meinung nach ein wichtiges Bildungsziel, die Schulkinder dementsprechend zu unterrichten. Die Kenntnis über den Einkauf und die Zubereitung gesunder, qualitativ hochwertiger Produkte/ Mahlzeiten ist leider verlorengegangen. Hier besteht absoluter Bildungsbedarf und der sollte so früh wie möglich beginnen. Wir sollten von den Politikern fordern, diesen Bildungsbedarf endlich zu decken!

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