Sehr geehrter Herr Seidler,
ich beziehe mich auf Ihre Anzeige im Mitteilungsblatt vom 21. April 2011.
Wenn den Bürgern von Hambühren eine Straße von ca. 3,1 Millionen aufgezwungen wird, die sie nicht haben wollen und viele auch nicht bezahlen können, so empfinde ich das nicht nur als einen Skandal, sondern das ist schon ein Skandal von ganz besonderer Größe und Schwere.
In Ihrer Anzeige sagen Sie, ich zitiere: „ Als Bürgermeister möchte ich mit Ihnen im Gespräch bleiben, ihre Anregungen und Ideen aufnehmen, ebenso wie Ihre Sorgen, Nöte und Bedenken.“ Als stellvertretender Bürgermeister und Verantwortlicher für die Finanzen der Gemeinde Hambühren, haben Sie anscheinend versäumt, diese großen Sorgen, Nöte und Bedenken der Bürger wahrzunehmen, sonst wäre dieses wahnwitzige Straßenprojekt nie gebaut worden. Diese maßlose Verschwendung von unseren Steuergeldern hat nun extrem tragische Folgen: Einige von unseren Mitbewohnern stehen fassungslos vor einem Schuldenberg, den sie wahrscheinlich nicht bezahlen können. Wie können Sie uns nun weismachen, dass Sie als Bürgermeister das tun wollen, was Sie als Finanzexperte versäumt haben zu tun? Und all das, obwohl die Bürger vehement gegen dieses unsinnige Projekt protestiert haben?
Mich erfüllt mit allergrößter Unruhe und Sorge, dass in Ihrer siebenjährigen Tätigkeit bei der Gemeinde Hambühren der Schuldenberg von einer recht moderaten Summe von Euro 150.000 auf ca. Euro 7 Millionen gestiegen ist. Mit anderen Worten: Die Finanzen der Gemeinde sind außer Kontrolle. Wahrscheinlich ist die wirkliche Schuldenlast bis zum Jahresende wesentlich höher.
Ich möchte nun einige Bemerkungen zu der „Podiumsdiskussion“ der Celleschen Zeitung machen. Mir ist unverständlich, wie solch eine fragwürdige, meiner Meinung nach, „Podiumsdiskussion“ in dieser Form überhaupt stattfinden konnte. Wir, die Bürger von Hambühren, bestimmen, wer welche Fragen an die Kandidaten für den Posten des Bürgermeisters von Hambühren stellen kann und nicht die Cellesche Zeitung. Sie, die Kandidaten, hätten uns zu einer Vorstellung und anschließenden OFFENEN Diskussion einladen sollen, die CZ hätte nur die Rolle des unabhängigen Berichterstatters übernehmen dürfen. Wir hatten nun die recht unerfreuliche und nicht akzeptable Situation, wobei die CZ bestimmte, wo es lang ging. Mit schweren Folgen.
Es musste zum Eklat kommen. Ich vertrete die Ansicht, dass das enorme Schuldenproblem ganz oben auf der Agenda hätte stehen müssen. Ich wartete und wartete, es wurde über alles geredet nur nicht über die leeren Kassen und der enorme Schuldenberg der Gemeinde. Endlich durften wir, die „Untergeordneten“ Fragen stellen. Meine Frage war an Sie gerichtet. Wenn ich mich recht erinnere, erklärte ich in wenigen Worten, dass während Ihrer Amtszeit die Schulden von 150.000 Euro auf 7 Millionen Euro gestiegen sind, ich erwähnte den unsinnigen, technisch nicht einwandfreien und teuren Straßenbau und stellte die Frage, wie hoch die jährlichen Zinslasten für unsere Schulden wären. Da wurde das Mikrofon abgestellt.
Auf dem Podium tat man so. als existierte ich nicht und man redete einfach so weiter. Es dauerte einige Minuten, mich von dieser unerhörten Beleidigung und Erniedrigung zu erholen. Ich ließ nicht locker und nach einigem hin und her mussten wir erfahren, dass sich die jährlichen Zinszahlungen auf 370.000 Euro belaufen.
In China und Russland verschwinden die Menschen, die ihre Meinung äußern oder unbequeme Fragen stellen. In Hambühren werden die Mikrofone abgestellt.
Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind wahrscheinlich die höchsten Güter in einer Demokratie. Diese Meinungsfreiheit wurde, man kann es sich nicht vorstellen, ausgerechnet von Vertretern der Celleschen Zeitung an jenem Abend mit den Füßen getrampelt.
Und Sie, her Seidler, sahen zu und ließen es geschehen. Dieser Vorfall ist eine Schande für Sie, die Cellesche Zeitung und alle die daran beteiligt waren. Mit diesen unseriösen und perfiden Mitteln sind keine Wahlen zu gewinnen.
In Ihrer Anzeige bezeichnen Sie sich als „KOMPETENT“, „ZUKUNFTSORIENTIERT“ und „BÜRGERNAH“. Mit Verlaub, das sind so die üblichen vollkommen bedeutungslosen und leeren Lieblingsschlagwörter und Phrasen einiger unserer bedeutungslosen und leeren Politiker die kein Mensch mehr glaubt.
Ich werde Sie nicht wählen.
Hochachtungsvoll