Die auffällige Größe des Grundstücks geht auf bedeutende frühere Besitzer und die Zusammenlegung von mehreren benachbarten Parzellen zurück. Der Bauplatz selbst war erst in den 1520er Jahren entstanden, als die vordem mit der Mauernstraße(!) abschließende Stadt nach Süden bis zum heutigen Stadtgraben erweitert wurde.
Die neuen Grundstücke waren eingespannt zwischen der alten Mauernstraße und der neu angelegten Bergstraße. Die neue Hauptadresse war die Bergstraße und damalige Gebäude an der Mauernstraße wurden ausdrücklich als „Rückgebäude“ bezeichnet. Im vorliegenden Fall wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts die Orientierung nach Norden geändert und die Gebäude an der Bergstraße seither als „Rückgebäude“ verzeichnet. Dahinter steckt eine durchgreifende Umplanung, die schließlich auch zur Gestalt des heutigen Hofs führte. Was war geschehen?
Das Grundstück gehörte in der Zeit des letzten Celler Herzogs Georg Wilhelm dem Juristen, Diplomaten und Staatsmann Weipart Ludwig von Fabrice (1640-1724). Dieser war vom letzten Celler Herzog Georg Wilhelm 1669 nach Celle berufen worden, von wo aus er zunächst als Diplomat tätig war, bevor er 1684 zum Geheimen Rat und Vizekanzler avancierte. Nach dem Ende der Celler Residenz trat v. Fabrice zwar 1705 in die Dienste von Kurfürst Georg Ludwig in Hannover, doch bestand seine Hauptaufgabe jetzt wesentlich in der Leitung der Celler Justizkanzlei. Aus dieser Position wurde er 1707 gemeinsam mit Paul von Püchler mit der Einrichtung eines Oberappellationsgerichts für das Kurfürstentum ein in Celle beauftragt. Fabrice erhielt 1708 die künftige Leitung, noch ehe das neue oberste Gericht unter ihm als Präsidenten 1711 – also vor genau 300 Jahren – die Tätigkeit aufnahm. Aus dem Oberappellationsgericht ging im 19. Jahrhundert das heutige Oberlandesgericht Celle hervor.
Wann genau v. Fabrice das Grundstück erwarb, ist unklar. 1680 wird es noch als „Sr. Durchlaucht Haus“, also herzogliches Eigentum, bezeichnet.2 Es ist angenommen worden, dass v. Fabrice das Anwesen um 1684 bei seinem Aufstieg zum Vizekanzler erhalten habe. Der prägende Umbau dürfte aber erst um 1705 (nach einer reichen Erbschaft oder noch später bei Berufung zum Gerichtspräsidenten erfolgt sein. Für diese relative Spätdatierung sprechen auch die Fachwerkformen des repräsentative Neubaus an der Mauernstraße, der Gestaltungsmerkmale des frühen 18. Jahrhunderts zeigt (rhythmische Fenstergruppen, aber noch Geschossvorkragung). Der breit gelagerte Bau ist untypisch im Celler Altstadtbild und war nur möglich durch Zusammenlegung zweier Parzellen, auf denen früher wohl typische Celler Giebelhäuser standen. Zur Erlangung einer Hofzufahrt ließ er zudem das alte Hauptgebäude an der Bergstraße abbrechen. Zierteile dieses Altbaus wurden in die Stirnfassaden der neuen Flügelbauten eingefügt: Die alten Schwellen-Schnitzereien an den Südfassaden zeigen Stilformen der 1530er-Jahre und dürften noch vom Wohnhaus des berühmten Celler Reformators Urbanus Rhegius stammen, das hier von Herzog Ernst dem Bekenner errichtet worden war.
So entstand auf der breiten Parzelle aus Vorderhaus und Seitenflügeln ein dreiseitig umschlossener Hof mit repräsentativer Zufahrt von Süden. Die Seitengebäude dürften als Stallungen und Remisen gedient haben.
Die heute bekannte Bezeichnung ‚Posthof’ rührt von der späteren Nutzung im 19. Jahrhundert, bei der die Hoffläche noch einmal vergrößert wurde. 1829 übernahm die Königliche Hannoversche Postverwaltung, die ihren Sitz zuvor ab 1740 nebenan an der Ecke zur Poststraße hatte (was die dortige Straßenbezeichnung erklärt), das Grundstück. Die Postverwaltung erwarb auch das östliche Nachbargebäude, brach dieses ab und verlängerte das barocke Fabrice-Palais um zwei Fensterachsen, wodurch die heute prägende Asymmetrie der Fassade entstand. Der Anbau ist durch die geringeren Dimensionen der Fachwerkhölzer und die überkreuzten Streben am Ostgiebel leicht erkennbar. Es blieb vor dem Giebel noch Platz für eine bis dahin nicht existierende Zufahrt von der Mauernstraße auf den Hof. Post und Posthof existierten an dieser Stelle fast 60 Jahre, bis zur Einweihung der neuen Kaiserlichen Reichspost am Schlossplatz im März 1888. Während der Postnutzung dürfte der Alte Posthof vor allem dem Postverkehrs gedient haben, wozu nicht nur der Umschlag von Briefen und Paketen gehörte, sondern auch die Abfertigung von Reiseverkehr mit Postkutschen.
Danach wechselte die Hofnutzung mit den Besitzern der drei angrenzenden Gebäude: 1888 Getreidehandlung Fritz Winkelmann, 1922 Buchdruckerei und Verlag der Niedersächsischen Landeszeitung, 1927 Motorrad-Werkstatt Brand, 1935/36 Deutsche Arbeitsfront der NSDAP, 1955 Hannoversche Presse.
Beim Neubau des ersten Karstadt-Kaufhauses von 1928 wandelte sich die bauliche Nachbarschaft gravierend, was sich bei dem noch großflächigeren Kaufhaus-Neubau von 1964 verschärfte. Bei Neu- und Umbauten am Ostflügel des Hofes ist leider wenig auf gestalterische Qualität Wert gelegt worden. Heute gehört das Areal des alten Fabrice-Palais und späteren Posthofs einem holländischen Immobilienfonds, der es an die Karstadt-Kaufhauskette für den Sitz der Filialdirektion und zwei kleine Geschäfte vermietet. Der Hof dient nur noch als Fußgängerabkürzung und wird zu Stadtfesten für Budenzauber genutzt.



