Rund 30 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern besuchten Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende im Neuen Rathaus. Sie nehmen am so genannten “PASCH” (Partnerschulen) des CJD (Christenlichen Jugendorfes) Celle teil und sind noch bis Ende Juli in Celle. Durch Schulpartnerschaften kommen Schüler/innen aus aller Welt nach Deutschland. Im Gegenzug reisen deutsche Schüler/innen für eine Austauschbegegnung weltweit an ihre Partnerschulen. Sie nehmen in den Schulen am regulären Unterricht teil und erleben so den Schulalltag und das Leben in ihren Gastfamilien.
Nachdem Mende in einem kurzen Vortrag über Celles Stadtgeschichte und Sehenswürdigkeiten referierte, nutzten die Gäste im “Celle-Saal” des Neuen Rathauses die Gelegenheit, den Oberbürgermeister mit Fragen zu durchlöchern. Die anfängliche Schüchternheit wich einer immer persönlicher werdenden Neugier, deren Beantwortungen auch CelleHeute-Lesern durchaus neue Einblicke geben könnten. Die Schüler wurden somit quasi zu “Gastreportern”, hier das Interview in Auszügen:
Wovon träumen Sie?
Für Celle träume ich von einer Feuerwehrakademie in Scheuen. Es gibt bereits erste Vorstellungen und Gespräche und ich würde mich freuen, wenn das eines Tages Wirklichkeit wird.
Was ist das gute an Ihrem Job?
Dass ich keine Monotonie im Beruf habe. Ich kann gestalten, und das macht Spaß.
Waren sie schon einmal im Jugenddorf?
Ja, ich habe es vor gut einem halben Jahr besucht. Ich finde das Jugenddorf eine spannende Einrichtung, die mir sehr gefallen hat – wo ich das Gefühl habe, dass das für junge Menschen ein Super-Ort ist.
Haben Sie Freizeit?
Gott sei dank auch – man muss dafür sorgen, dass man Freizeit hat, auch wenn man einen Beruf ausübt, der viel Zeit beansprucht. Man muss Freiräume finden, um wieder zu sich selbst zu kommen. Nur dann ist man in der Lage, auch einen schweren Job vernünftig auszuüben. Ich brauche Zeit zum Lesen, zum Spazierengehen, zum Laufen, um mit neuen Ideen und neune Gedanken meinen Tätigkeiten nachzugehen – aber ich muss das streng organisieren.
Haben Sie einen Hund?
Ich habe 14 Jahre einen Hund gehabt. Im Moment haben wir einen Kater. Vorteil ist: Mit dem muss man nicht rausgehen, das macht er allein. Aber das ist gleichzeitig Nachteil, denn so wird man nicht mehr gezwungen, an die frische Luft zu gehen.
Was essen Sie am liebsten?
In Anbetracht der Temperaturen: Ein leckeres Schokoladen- und Vanilleeis. (Erntet an dieser Stelle viel Zuspruch der Schüler)
Was ist schwer in Ihrem Beruf?
Gemeinsam zu motivieren, eine Sache in den Vordergrund zu stellen und nicht sich selbst. Wenn man die Stadt entwickeln will, geht das nur, wenn jeder nachgibt. Oft ist es so: Wenn einer was sagt, sagt der andere aus Prinzip was dagegen – das muss man überwinden, man muss gemeinsam was nach vorne bringen, das ist ein schwieriger Prozess.
Wie finden Sie Celle? (Mende ist in Münster geboren und lebte in Kassel)
Sehr schön. Hier lohnt es sich zu leben und zu wohnen.
Ist das nicht störend, als Oberbürgermeister einer Partei anzugehören?
Ich fühle mich für die ganze Stadt verantwortlich, ich bin der Sache verpflichtet. Ich entscheide mich auch mal anders als die SPD und komme so auch in einen Konflikt. Aber man muss sich soweit befreien können, dass man sich unabhängig von der Partei macht. Das gilt aber für alle Bürgermeister, egal aus welcher Partei. Ich bin nur dann gebunden, wenn die Mehrheit im Rat mir bestimmte Aufträge gibt – z.B. derzeit die Prüfung des Gedo-Projektes. Das habe ich nicht entschieden, aber ich muss das jetzt machen.
Haben Sie Kinder?
Ich habe drei Kinder, 2 Töchter und einen Sohn. Die beiden großen sind aus dem Haus. Die jüngste hat noch zwei Jahre Schule vor sich.
Mercedes oder BMW?
Audi. (Ebenfalls viel Zustimmung)
Wie viele Sprachen sprechen Sie?
(lacht) Ich versuche, deutsch zu beherrschen. Ich kann ein wenig englisch. Meine Frau spricht eine Palette von Sprachen, meine Tochter noch mehr – aber bei mir hat’s nicht gereicht, ich musste mich mit Jura beschäftigen. Aus eigener Erfahrung sage ich Ihnen darum: Lernen Sie Sprachen – es ist viel wert, wen man in jungen Jahren dazu die Gelegenheit hat.
Was denken Sie über Türken?
Das ist eine sehr offene Frage. Ihre Generation kommuniziert miteinander, egal wo man lebt. Meine Tochter hat im Urlaub Menschen aus Amerika und der Türkei kennen gelernt. Vor 30 Jahren wären diese Kontakte kaputt gegangen. Heute schreibe ich eine Email und kann sie aufrecht erhalten. Ich glaube, dass die Frage, woher man kommt, keine Rolle mehr spielt – weil man miteinander ganz viele Dinge teilt. Ähnliche Kleidung, ähnliche Musik, ähnliche Kultur. Von daher wird es Veränderungen geben, das werden Sie stärker als ich erleben. Man muss vor allem eins sein: offen und neugierig auf die Traditionen der einzelnen Länder und bereits sein, sie zu akzeptieren.
HINTERGRUND
Im Februar 2008 rief das Auswärtige Amt die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) ins Leben. Die Initiative stärkt und verbindet ein weltumspannendes Netz von rund 1.500 Partnerschulen mit besonderer Deutschlandbindung. Bei jungen Menschen soll damit nachhaltiges Interesse und Begeisterung für das moderne Deutschland und die deutsche Sprache geweckt werden – insbesondere in den Schwerpunktregionen Asien, Naher und Mittlerer Osten sowie in Mittel- und Osteuropa.
Das Auswärtige Amt koordiniert die Partnerschulinitiative und setzt sie gemeinsam mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Goethe-Institut, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz um.
Der Deutsche Bundestag hat die Initiative von Beginn an unterstützt und ihre Bedeutung für die schulische Arbeit im Ausland mit der Entschließung „Deutsches Auslandsschulwesen stärken und weiterentwickeln“ hervorgehoben.
PASCH ist mit anderen Initiativen der Auswärtigen Kultur und Bildungspolitik vernetzt, etwa dem Freiwilligendienst „Kulturweit“, der Außenwissenschaftsinitiative und der Initiative „Deutsch – Sprache der Ideen“.
Das Netz von deutschen Auslandsschulen und Schulen in den nationalen Bildungssystemen der Partnerländer, die das Deutsche Sprachdiplom bzw. qualifizierten Unterricht in Deutsch als Fremdsprache anbieten, wird gestärkt und erweitert. Wir wollen lebendige, langfristige Bindungen zu Deutschland aufbauen und die Schulen, ihre Lehrkräfte sowie Schüler anregen, sich untereinander auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Deshalb unterstützt die Initiative die Schulen mit einem breit gefächerten Maßnahmenangebot .
Die Partner
„Schulen: Partner der Zukunft“ ist eine Initiative des Auswärtigen Amts in Zusammenarbeit mit:
Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
Die ZfA fördert in enger Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und den Bundesländern weltweit 135 Deutsche Schulen im Ausland sowie 825 nationale Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz anbieten.
Goethe-Institut
Das weltweit tätige deutsche Kulturinstitut fördert über seine Institute und die Betreuung von rund 500 Partnerschulen die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein umfassendes Deutschlandbild.
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Der DAAD ist als gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen eine Mittlerorganisation der Auswärtigen Kulturpolitik, der Hochschul- und Wissenschaftspolitik sowie der Entwicklungszusammenarbeit im Hochschulbereich. Er agiert im Rahmen von PASCH an der Schnittstelle zum Studienstandort Deutschland.
Pädagogischer Austauschdienst (PAD)
Der PAD ist seit 1952 als einzige staatliche Einrichtung im Auftrag der Länder für den internationalen Austausch und die Zusammenarbeit im Schulbereich tätig.
Was bietet PASCH Schulen, Lehrern und Schülern?
Personelle Unterstützung und Ausstattung
• Deutsche Lehr- und Fachkräfte unterstützen die Partnerschulen
• Schulen erhalten Lehrmaterial und technische Geräte
Beratung und Qualifizierung
• Deutschlehrer nehmen an Fortbildungen teil und können an Schulen in Deutschland hospitieren
• Schüler beteiligen sich an Kulturprojekten und Wettbewerben und stärken damit ihre Fähigkeit, Deutsch anzuwenden
• Entscheidungsträger aus dem Bildungsbereich werden zu Informationsreisen nach Deutschland eingeladen
• Ministerien werden bei der Entwicklung moderner Curricula für den Deutschunterricht und Schulen bei der Auswahl von Lehrwerken beraten
Sprach- und Studienstipendien
• Schüler nehmen an Jugendkursen in Deutschland teil
• Besonders begabte Schüler werden zu einem Deutschlandaufenthalt eingeladen
• Qualifizierte Absolventen erhalten ein Stipendium, um an einer Hochschuleinrichtung in Deutschland zu studieren
Vernetzung
• Schüler und Lehrer können sich über www.paschnet.de vernetzen und ihre Sprach und Fachkenntnisse verbessern
• Schulen werden beim Aufbau von Partnerschaften und Schüleraustausch mit Schulen in Deutschland unterstützt
• Partnerschulen vernetzen sich im Hinblick auf ein späteres Studium ihrer Absolventen mit deutschen Hochschulen
www.paschnet.de ist die zentrale interaktive Kommunikations-, Lern-, Arbeits- und Informationsplattform des PASCH Netzwerkes.
Die Webseite gliedert sich in vier Teilbereiche, die in Inhalt und Umfang auf ihre jeweilige Nutzergruppe abgestimmt sind:
Informationsbereich
Der Bereich bietet allgemein zugängliche Informationen über die beteiligten Institutionen und ihre Aktivitäten. Eine interaktive Weltkarte gibt einen Überblick über die Partnerschulen. Schulen präsentieren sich, Wettbewerbe und Projekte werden vorgestellt.
Lehrerzimmer
Lehrkräfte finden weiterführende Materialien für den Unterricht, können sich im Bereich Sprache, Methodik und Didaktik fortbilden und sich im CommunityBereich mit anderen Lehrern austauschen.
Schülerbereich
Themen aus Deutschland zu interessanten Schwerpunkten wie Musik, Film, Literatur werden für Schüler aller Sprachniveaus präsentiert. Dazu Informationen zu aktuellen Ereignissen, sowie Wettbewerbe und Projektvorschläge, Spiele und Übungen zur Verbesserung der Deutschkenntnisse. Im CommunityBereich können Schüler untereinander Kontakte knüpfen.
Lernplattform
In virtuellen Kursräumen werden z.B. schul- und länderübergreifende Projekte durchgeführt, Fortbildungen und Seminare in Gruppen unter Anleitung sowie zum individuellen Selbstlernen angeboten.
Quelle: Auswärtiges Amt

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