WOLTHAUSEN. Der Bezirksvorsitzende des Bezirks Heide 1 im Anglerverband Niedersachsen, Jens-Uwe Schiemann sprach jetzt den Vereinsmitgliedern der Fischereivereine des SFV Wolthausen und des FV Eversen persönlich seinen Dank für die ehrenamtlich durchgeführte Renovierung des Bruthauses am Wolthäuser Örtzekanal sowie für die wochenlange, aufwendige
Betreuung der diesjährigen Bachforellenbrut durch Vereinsmitglieder des SFV Wolthausen aus. Sein besonderer Dank galt Dieter Rossmann, Mirco Freitag, Timo Palkh, Marcus Hoppenstedt und Finn Mengershausen, die sich „in hervorzuhebender Weise engagiert eingebracht“ hätten.

Die 100.000 Bachforelleneier im „Augenpunktstadium“ waren bereits vor einigen Wochen im renovierten Bruthaus aufgelegt worden. Nach dem Schlüpfen der Brütlinge und kurz vor der Aufzehrung ihres Dottersackes wurden sie jetzt an die neun Örtzevereine verteilt, die sie in ihren Pachtabschnitten in die Örtze aussetzten. Diese Maßnahme findet bereits seit vielen Jahren statt. „In der Natur würden sich bei ungünstigen Bedingungen, wie Sand- und Schlammablagerungen oder mechanische Einwirkungen auf das kiesige Laichhabitat, während der Brut- und Aufwuchszeit, die Überlebenschancen der dort eingebetteten Bachforelleneier und Brut, gegenüber der schützenden Aufzucht im Bruthaus, erheblich verringern“, hießt es von Seiten des Anglerverbandes Niedersachsen.

Die Fischereivereine an der Örtze seien dankbar über die vom Landkreis Celle weiter genehmigte, weitere Nutzung des Bruthauses, um somit der ihnen gesetzlich auferlegten Hegeverpflichtung jährlich nachzukommen. „Unser großes Anliegen ist es, den Bachforellenbestand aus einem Erbgutstamm der Heideforelle, in der gesamten Örtze nachhaltig zu sichern. Mit dieser für uns sehr kostenintensiven und zeitaufwendigen Maßnahme, sorgen wir aber auch gleichfalls für den Erhalt von z.B. Eisvogel,
Fischotter und anderer Lebensarten in der Nahrungskette im und am Gewässer“,  betont Jens-Uwe Schiemann.

Ob der Fortbestand dieser vielfältigen Nutznießer, für die sich die Vereine gleichfalls einsetzen, auch zukünftig gesichert werden könne, sei weiterhin sehr fraglich. Hier werde aufgrund der von der Politik geplanten Naturschutzgebietsverordnung und deren möglicher Auswirkungen auf die fischereiliche Nutzung, erheblicher Diskussionsbedarf bestehen, so Schiemann. Das festzustellende, zunehmende Aufkommen von Fraßfeinden wie Kormoran und Fischotter sowie landwirtschaftliche Einträge, bedingten einen  Lebensartenschwund und eine sogenannte Verbuttung und Verinselung, besonders aufgrund fehlender Durchgängigkeit des Fließgewässers.

Voraussetzung für einen gesunden, natürlich gegebenen Fisch- und Lebensartenbestand in einem Fließgewässer wie der Örtze, ist die Durchgängigkeit. Das Land Niedersachsen hat die Örtze als Referenzgewässer und Gewässer 1.Priorität eingestuft und die von der EU geforderte Durchgängigkeit laut Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), sollte eigentlich bis Ende 2015 erfolgen. Diese Terminvorgabe wurde auf 2027 verlängert. „Seitens des Landkreis Celle sind jedoch keine Maßnahmen zur Schaffung der Durchgängigkeit geplant“, so der Anglerverband. Die Örtze selbst verfüge auf zirka 60 km Gewässerlänge nur noch über eine Querverbaung, das Mühlenwehr in Wolthausen. Vom ehemaligen Eigentümer der Mühle sei in Eigeninitiative eine
Fischtreppe neben dem Mühlenrad gebaut worden, wobei der Nachweis des funktionierenden Auf- und Abstiegs von Wanderfischen seit Jahren ausgeblieben sei und auch nie von der zuständigen Genehmigungsbehörde, wie bei wasserbaulichen Maßnahmen anderorts üblich, eingefordert worden sei. „Trotzdem fließen finanzielle Steuermittel als Ausgleichszahlungen für den durch die Fischtreppe bereitgestellten Wasserabfluss“, so der Anglerverband Niedersachsen.

Die bislang oberhalb des Mühlenwehres nachgewiesenen, größeren Meerforellen und auch der gefangene Lachs, konnten und können auch zukünftig vermutlich nur bei extremem Hochwasser in den Oberlauf der Örtze gelangen, vermutet der Anglerverband. Eine Fischtreppe, wie sie in Wolthausen am Mühlenkanal gebaut wurde, könne immer nur als bauliche Notlösung anerkannt werden, denn auch der Austausch von Kleinstlebewesen sei dadurch verschwindend klein. Auch für die Kleinfische und Bachneunaugen stelle sie aufgrund der für sie zu starken Strömung ein kaum überwindbares Hindernis dar.

„Leider wurde zur Durchgängigkeit des Fließgewässersystems hier nicht die ökologisch beste, sondern die für den Landkreis Celle billigste Variante durch Mehrheitsbilligung des Kreistags Celle verfolgt, obwohl der Landkreis Celle selbst über ein  Örtze anliegendes Grundstück verfügt, auf dem ein für alle Lebensarten funktionierendes Rauhgerinne, bzw. eine Sohlgleite hätte entstehen können“, bedauert man von Seiten des Verbandes.

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