FASSBERG. Als am 27. September 2003 die Deutsch-Französische Ausbildungseinrichtung TIGER, kurz DFAT, durch die damaligen Verteidigungsminister Dr. Peter Struck, und seine französische Amtskollegin, Michèle Alliot-Marie, in Faßberg in den Dienst gestellt wurde, ahnte noch niemand, dass sich diese Kooperation überaus positiv entwickeln würde. Der französische Anteil mit seinen gut 40 Soldatinnen und Soldaten und deren Familien haben nicht nur das kameradschaftliche Miteinander im Fliegerhorst verändert, sondern auch das gemeinschaftliche und soziale Leben in der Gemeinde überaus bereichert, so die Bilanz bei der feierlichen Veranstaltung am Mittwoch.

„Ich freue mich sehr, dass wir einen derart lebendigen deutsch-französischen Austausch in unserer Gemeinde haben. Das Miteinander ist von beiderseitigem Bestreben geprägt, die deutsch-französische Freundschaft weiter auszubauen und zu vertiefen“, freute sich der Bürgermeister der Gemeinde Faßberg, Frank Bröhl, in einer kurzen Stellungnahme. Eingeladen hatte der Kommandeur der DFAT, Lieutenant-Colonel Patrice Surace, der zu diesem feierlichen Anlass neben den Repräsentanten des Standortes Faßberg und vielen Ehrengästen auch Landrat Klaus Wiswe sowie die Bürgermeister der Gemeinden Südheide und Faßberg, Axel Flader und Frank Bröhl, begrüßen konnte. Darüber hinaus war der erste Kommandeur der DFAT, Oberst Michael Großmann, der Einladung an seine ehemalige Wirkungsstätte in Faßberg gefolgt.

„Nachdem vor 15 Jahren diese Ausbildungseinrichtung von den Verteidigungsministern der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik feierlich in Dienst gestellt worden war, entwickelte sie sich im Programm TIGER zu einer für die luftfahrzeugtechnische Ausbildung unverzichtbaren Einrichtung, ergänzend zum Deutsch-Französischen Heeresfliegerausbildungszentrum TIGER in Le Cannet des Maures, das die Ausbildung der Piloten sicherstellt“, unterstrich der Kommandeur der französischen Heeresfliegerschule (EALAT) Brigadegeneral Jean Bouillaud, der gemeinsam mit dem Kommandeur des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums in Bückeburg, Brigadegeneral Ulrich Ott, zu diesem feierlichen Appell angereist war.

Insgesamt wurden bisher über 3.600 Lehrgangsteilnehmer und Lehrgangsteilnehmerinnen ausgebildet. Neben deutschen und französischen Soldaten und Zivilangestellten wurden auch spanische Techniker an diesem Waffensystem geschult. Einen besonderen Dank richtete General Bouillaud an die Ausbilder beider Nationen, ohne deren Kompetenz und Engagement die Ausbildung an diesem hoch komplexen Hubschrauber nicht möglich wäre. Auch die Zukunft werde viele Herausforderungen mit sich bringen. So sei die Erneuerung der Simulationsmittel hierbei ein grundlegender Schritt auf dem Weg zur Sicherstellung einer noch effizienteren und bedarfsgerechten luftfahrzeugtechnischen Ausbildung, sagte Bouillaud. In Bezug auf die Integration unterstrich der französische General, dass in Faßberg eine neue Identität entstanden sei. „Hier zu dienen, bedeutet eine prägende berufliche und menschliche Erfahrung. Erleichtert wird dies durch das Engagement und die wohlwollende Aufmerksamkeit der Verwaltungs- und Militärbehörden der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Niedersachsen und der Gemeinde Faßberg, denen an dieser Stelle ausdrücklich gedankt sei“, betonte Brigadegeneral Bouillaud abschließend.

In einer kurzen Ansprache ging anschließend der Kommandeur des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums, Brigadegeneral Ulrich Ott, auf die geschichtliche Entwicklung dieser binationalen Ausbildungseinrichtung in Faßberg ein und betonte, dass diese als sichtbarer Ausdruck der deutsch-französischen Zusammenarbeit aber eine längere Historie als nur 15 Jahre habe. „Sie steht in direktem Zusammenhang mit dem bereits am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Pariser Elysee-Palast unterzeichneten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der – seinem Ort der Unterzeichnung entsprechend – als Elysee-Vertrag bekannt ist“. Die geschichtliche und vertragliche Entwicklung dieser bis heute andauernden Freundschaft mündete schließlich in der Entscheidung, neben der bilateralen Ausbildung der fliegenden Besatzungen des Waffensystems TIGER an der Ecole Franco-Allemande TIGRE im französischen Le Luc, ein gemeinsames Ausbildungszentrum für die luftfahrzeugtechnische Ausbildung für den TIGER im Bereich der damaligen Technischen Schule der Luftwaffe 3 (TSLw 3) in Faßberg aufzubauen.

Am 1. August 2002 traf der französische Aufstellungsstab ein, ab Oktober 2002 wurde die deutsche Inspektion aufgestellt und im Juli 2003 wurden die ersten französischen Soldaten des Stammpersonals mit ihren Familien bei einem offiziellen Empfang durch den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Faßberg, Werner Schlitte und den Kommandeur der TSLw 3, Oberst Erwin Lentz begrüßt. Als erster Kommandeur bekam damals der heutige Oberst Großmann das Kommando übertragen, der gemeinsam mit seinem französischen Stellvertreter Commandant Richard Ohnet, das Fundament einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte innerhalb und außerhalb des Standortes legen konnte.

„Für mich ganz persönlich ist dies ein Projekt, welches vorbildlich für weitere europäische Felder der Zusammenarbeit richtungsweisend ist! Ich wünsche der DEU/FRA Ausbildungseinrichtung TIGER auch für die kommenden Jahre den Willen, die Beharrlichkeit und das notwendige Fortune, diesen gemeinsamen Weg weiter zu beschreiben“, so General Ott abschließend. Während der Zeremonie wurden der ehemalige Kommandeur der DFAT, Oberstleutnant Rüdiger Eckert, und Bürgermeister Frank Bröhl, mit der „Médaille de la Défense National“, einer nationalen französischen Verteidigungsmedaille, für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft ausgezeichnet. Ein Empfang rundete dieses Deutsch-Französische Jubiläum auf dem Fliegerhorst in Faßberg ab.

Feierlicher Appell in den Abendstunden: Die Ehrenformation war mit dem Heeresmusikkorps Hannover, der Flaggenabordnungen und dem Ehrenzug zum 15-jährigen Bestehen der Deutsch-Französischen Ausbildungseinrichtung TIGER angetreten.

Oberstleutnant Jan Schumann, stellvertretender Kommandeur DFAT, mit Brigadegeneral Ulrich Ott, Brigadegeneral Jean Bouillaud und Lieutenant-Colonel Patrice Surace (v.l.). Foto: Carsten König, TAusbZLw

Text: Paul Hicks

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.