*2. Aktualisierung* 73,5 %: Das sind die Pläne von Hambührens neuem Bürgermeister Carsten Kranz

Politik Von Redaktion | am So., 16.06.2019 - 20:42

HAMBÜHREN. Deutlicher kann ein Votum kaum ausfallen: Mit 73,5 Prozent ist Carsten Kranz zum neuen Bürgermeister von Hambühren gewählt worden. Sein Kontrahent Andreas Ludwig konnte trotz prominenter Unterstützung im Wahlkampf nicht gegen den allgemeinen Trend der Bundes- und Kreis-SPD punkten und unterlag mit deutlichem Abstand. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,8 Prozent.



Der 46-jährige Feuerwehr Ortsbrandmeister ist ein Polit-Neuling, hat sich aber im Wahlkampf als engagierter Zuhörer gezeigt. Der Parteilose besuchte viele Ausschuss- und Ratssitzungen, um sich über die Themen zu informieren, die Hambühren bewegen. Ob Plakate hängen oder Homepage betreiben - der Einzelkämpfer hatte zwar ein Unterstützter-Team, aber keine Profis wie seine Konkurrenz von CDU und SPD.

Gegenüber CELLEHEUTE erklärt Kranz: "Ich bin doch ziemlich überrascht, dass das Ergebnis mit 73,5 % so deutlich ausgefallen ist. Aus dieser Warte betrachtet sehe ich mich, meine Themen, meine faire Art Wahlkampf zu führen und dabei immer authentisch geblieben zu sein auf jeden Fall bestätigt. Ich werde jetzt erst einmal ganz normal bei der Lebenshilfe weiter meine Arbeit machen und alles abarbeiten was erforderlich ist, um das Kapitel Wahlkampf endgültig abzuschließen. Bis zur Amtseinführung werde ich mich mit meinen zukünftigen Aufgaben vertraut machen, die Gemeindepolitik aufmerksam verfolgen und schon mal den einen oder anderen Akzent setzen. Anfang Juli ist schon der nächste Unternehmerstammtisch geplant, der diesmal im Hotel zur Heideblüte in Ovelgönne stattfinden soll. Ich bin ja momentan auch noch Ortsbrandmeister in Hambühren und werde gemeinsam mit meinem Stellvertreter Sebastian Gerull und meinem bereits gewählten Nachfolger Alexander Weber weiter die Amtsübergabe vorbereiten. Allerdings wird im Juli auch erst einmal Zeit für Urlaub mit der Familie sein, um zu regenerieren und neue Kraft zu tanken."

Was Kranz mit Hambühren vorhat, verriet er bereits im Wahlkampf CELLEHEUTE - hier noch einmal:

Thema Straßenverkehr/ Straßenausbaubeiträge
Viele Bürger wünschen sich innerörtlich mehr Verkehrsberuhigung durch Tempo 30- Zonen oder rechts vor links- Regelungen. Besonders auf der Allensteiner Straße, der Ostlandstraße und am Wacholderweg könnte die Situation durch verkehrsberuhigende Maßnahmen deutlich verbessert werden. Auch eine Lärmreduzierung sollte durch innerörtliche Tempolimits oder verkehrsberuhigende Maßnahmen möglich sein. Die Straßenausbaubeitragssatzung muss abgeschafft und der Unterhalt der Gemeindestraßen aus dem laufenden Steueraufkommen finanziert werden. Straßen sind Allgemeingut und werden von allen genutzt. Die rechtzeitige Sanierung oder Reparatur von Gemeindestraßen und der öffentlichen Infrastruktur muss durch das Straßenunterhaltungsmanagement gewährleistet werden.

Eine Umgehungsstraße für Hambühren bzw. Oldau/Ovelgönne ist meiner Ansicht nach nicht realisierbar und wird vom Land auch nicht finanziert werden. Das Land Niedersachsen stellt nur Mittel für den Erhalt der Landesstraßen zur Verfügung, nicht für den Neubau. Allein das Planfeststellungsverfahren und die darauf folgenden Klagen vor einem theoretischen Baubeginn würden Jahre wenn nicht Jahrzehnte dauern. Bestes Beispiel ist die B3 Ostumgehung. Bis so etwas in Hambühren durch wäre, ist die A7 Baustelle längst Geschichte und die Verkehrslage normalisiert sich wieder. Wer glaubt, den Wald von Oldau bis Fuhrberg durch eine Straße teilen und zerstören zu können, ist ein Träumer und denkt auch nicht im Sinne der Erhaltung unser aller Lebensgrundlage. Ich unterstütze selbstverständlich die Umsetzung des Lärmaktionsplanes im Hinblick auf bauliche Lärmschutzmaßnahmen oder Tempolimits in stark belasteten Bereichen z.B. bei Nacht.

Thema Haushaltskonsolidierung
Bei allem Wünschenswerten muss man immer den Haushalt der Gemeinde im Blick behalten und versuchen, die Ausgaben zu verringern, um Steuererhöhungen zukünftig vermeiden zu können. Der finanzielle Spielraum ist bei 90% Pflichtaufgaben im Haushalt und knapp 11 Mio. Euro Schulden nicht sehr groß. Es bleibt abzuwarten, was die Reform der Grundsteuer für unsere Gemeinde bedeutet. Ich trete dafür ein, die Hebesätze zukünftig durch Ratsbeschluss so anpassen zu lassen, dass die Bürger nicht höher belastet werden als jetzt und hoffe darauf, dass Hambühren nicht zu den Verlierern der anstehenden Grundsteuerreform zählen wird. Die Gemeinde muss den Bürgern allerdings auch sagen, dass bei den anstehenden Investitionen in Gewerbeflächen, Kindergärten, Schulen, Feuerwehren und Straßen viele Millionen Euro erforderlich sein werden und man nicht ausschließen kann, dass zukünftig doch wieder Steuererhöhungen erforderlich sein könnten. Das den Bürgern nicht zu sagen, wäre unehrlich. Finanzielle Abenteuer zur Realisierung von Luftschlössern sind mit mir nicht zu machen.

Thema digitale Infrastruktur/Gewerbegebiet/Wirtschaftsförderung
Die SVO möchte gern das Gewerbegebiet mit Glasfaser versorgen und ich rate allen interessierten Hambührenern sich bei der SVO schon jetzt als Interessent für einen Glasfaseranschluss registrieren zu lassen. Das Glasfasernetz muss möglichst flächendeckend in allen Hambührener Ortsteilen ausgebaut werden. Eine zweite Chance, durch einen anderen Anbieter für Glasfasertechnik werden wir z.B. für Oldau wahrscheinlich nicht bekommen, sollte die Vorvermarktung dort scheitern und nicht mindestens 40% aller Haushalte mitmachen.

Eine großzügige Erweiterung des Gewerbegebietes „Kleine Häg“ nach Süden und Südosten mit kleinen und mittleren produzierenden und innovativen Betrieben würde den Wirtschaftsstandort Hambühren stärken. Dafür muss die Gemeinde mit den Eigentümern der Flächen endlich verhandeln und versuchen diese aufzukaufen. Wirtschaftsförderung zählt zu den fünf Top-Produkten der Kommunalpolitik. Ich habe da viele Ideen, die ich gern gemeinsam mit Rat, Verwaltung und den Betrieben vorantreiben will. Uns fehlt hier ein vernünftiges Standortmarketing (USP: Unique Selling Proposition) – ein Alleinstellungsmerkmal, welches uns von den anderen Gemeinden eindeutig abhebt. Auch dafür habe ich schon zahlreiche Ideen in Bereitstellung.

Besonders dankbar sollte die Gemeinde in diesen Tagen den ideenreichen einheimischen Geschäftsleuten sein, die unser altes Einkaufszentrum an der Ostlandstraße seit einigen Jahren wieder mit Leben erfüllen und beweisen, dass es Menschen mit guten Geschäftsideen in Hambühren gibt. Bürger wie diese müssen durch die Gemeinde motiviert werden, ihre Ideen auch zukünftig in die Tat umzusetzen.

Selbstverständlich muss man viel in die Bestandspflege der Betriebe investieren und durch Besuche und Gespräche rechtzeitig erkennen, in welche Richtung wir uns entwickeln sollten. Zuviel möchte ich allerdings noch nicht verraten. Gute Ideen werden leider sehr gern kopiert.

Thema Unterstützungsangebote und Jugendarbeit
Wir brauchen viel mehr Vernetzung der bereits vorhandenen Angebote für Jugendliche, Familien, Senioren und Singles, um ein starker Familienstandort zu bleiben. Die Neukonzeption der offenen Jugendarbeit muss so schnell wie möglich voran getrieben und das Familienbüro gestärkt werden. Ein Jugendbeirat sollte endlich geschaffen werden, um das Demokratieverständnis der Jugend zu fördern und um deren Belange in den Gemeinderat einzubringen. Leider ist ein solcher Jugendbeirat in Hambühren schon zweimal abgelehnt worden, jedoch lasse ich mich davon nicht entmutigen. Ein neues Jugendzentrum zu bauen halte ich bei der momentanen Haushaltslage nicht für realistisch. Es sollte aber möglich sein, dafür passende Räumlichkeiten zunächst anzumieten, um die Jugendlichen weg von den Bushaltestellen zu bekommen. Die Jugendarbeit der Vereine muss zukünftig weiter finanziell unterstützt werden. Der fertig in der Schublade liegende Skatepark könnte erneut Thema werden, um auch für die Jugend endlich mal ein Highlight zu schaffen. Ein Dirt-Bike und BMX- Parcours ist auch notwendig, denn im Moment nutzen viele Hambührener Kinder das Regenrückhaltebecken am Ostlandkreisel dafür und sind durch den Straßenverkehr gefährdet.

Thema Kinderbetreuung und Schule
Die verlässliche Betreuung unserer Kinder in Tagespflege, Krippe, KiTa und Grundschule muss auch zukünftig sichergestellt bleiben und mit Augenmaß ausgebaut werden. Diesen Standortfaktor müssen wir auch zukünftig mit viel Geld subventionieren. Denn auch mit einer Erhöhung dieser Gebühren arbeiten wir dort nicht kostendeckend. Ich setze mich dafür ein, dass auch an den Grundschulen bereits Schulsozialarbeiter tätig werden, um die Lehrer bei den vielen zusätzlichen Aufgaben, die z. B. durch die Inklusion und Migration entstehen, zu unterstützen.

Ein weiterführendes Schulangebot vor Ort wäre für mich sehr wünschenswert und würde durch Rat und Verwaltung mit Sicherheit voll unterstützt werden, sollte der Kreistag das für die Schulanlage Versonstraße beschließen. Winsen hat da meiner Ansicht nach momentan die klar besseren Karten z.B. für ein Gymnasium, weil in Winsen eine wesentlich bessere Infrastruktur wie die große und ausbaufähige OBS, einen neuen Busbahnhof, Schwimmbad, Sporthallen und bald ein neuer Sportpark mit Jugendzentrum vorhanden sind. Zudem hat Winsen sieben Kreistagsabgeordnete, die sich für den Ausbau ihres Schulstandortes stark machen. Das ist für mich absolut verständlich und deshalb muss Hambühren in Sachen Schule auf dem Teppich bleiben. Vergessen wir nicht, dass die Schulanlage in der Versonstraße einst eine dreizügige Hauptschule bis Klasse neun war, die dann zu einer Haupt- und Realschule erweitert wurde. Einigen ist die OBS Winsen mittlerweile zu groß und anonym geworden, um für unsere Kinder ein optimales Lernumfeld zu bieten. Ich wünsche mir für Hambühren grundsätzlich eine überschaubare Oberschule bis Klasse 10, in der unsere Kinder fit gemacht werden für den Einstieg ins Berufsleben oder dafür, im Anschluss auf eine gymnasiale Oberstufe zu wechseln bzw. eine sonstige weiterführende Schule besuchen zu können.

Aber: Zur Zeit nutzt der Landkreis Celle die Schulanlage für die Sprachheilschule, welche zuletzt in Klein Hehlen in einem vom Landkreis Celle von der Stadt Celle angemieteten Gebäude untergebracht war und auf Grund eines Brandschadens nach Hambühren verlagert werden musste. Es ist zu erwarten, dass die Sprachheilschule nun dauerhaft in Hambühren bleibt, da dem Landkreis als Schulträger das Gebäude ja gehört und so auf Dauer Steuergelder gespart werden.

Thema Bauen, Wohnen, Lebensqualität und Barrierefreiheit
Wir brauchen in Hambühren mehr barrierefreie Wohnmöglichkeiten für Senioren und behinderte Menschen sowie mehr bezahlbare Mietwohnungen in zentraler Lage. Dafür werde ich Investoren suchen und motivieren, hier tätig zu werden. Nur neue Baugebiete für Einfamilienhäuser schaffen nicht unbedingt eine bessere Bevölkerungsstruktur und decken auch nicht den echten Bedarf ab. Um vor allem die jungen Menschen hier vor Ort zu halten, muss in dieser Hinsicht einfach ein besseres Angebot kleiner bezahlbarer Wohnungen geschaffen werden. Dafür muss die Politik klar sensibilisiert werden. Prinzipiell bin ich zunächst für eine Nachverdichtung der bestehenden bebauten Bereiche und die Erschließung bereits teilerschlossener Gebiete wie jetzt an der „Neuen Grenze“.

Wir brauchen aber auch jetzt schon kleine „Leuchtturmprojekte“ zur Steigerung der Wohnqualität. Bereits im letzten Jahr habe ich vorgeschlagen, den Spielplatz „Eichkamp“ zu einem Bürgerpark aufzuwerten, um einen zentrumsnahen und attraktiven Treffpunkt für Jung und Alt in Hambühren 2 zu schaffen. Ein machbares und finanzierbares Projekt, bei dem sich die Bevölkerung sehr gut mit einbringen kann. Wir brauchen in den Ortsteilen mehr Abfallbehälter und in der Bevölkerung mehr Sinn für Sauberkeit und Ordnung. Die Gemeinde Hambühren sollte in Kooperation mit dem Bauhof und den Vereinen regelmäßiger zu Umweltschutzaktionen wie „Hambühren räumt auf“ aufrufen.

Selbstverständlich mache ich mich auch für den Erhalt unseres Strandbades und das kostenlose Badevergnügen stark. Die Förderung von Tourismus und Kultur ist mir ebenfalls wichtig. Ich wünsche mir hier auch mal eine Kunstausstellung, ein Musikfestival oder mehr Theateraufführungen. Es fehlt auch eine attraktive Einkehrmöglichkeit für Fahrradtouristen am Allerradweg und vielleicht geht da zukünftig in Oldau etwas. Auch für den Pferdesport könnte man sicher mehr Möglichkeiten bieten. Ich möchte zukünftig mehr aus unserer schönen Gemeinde herausholen und gern dazu beitragen dass die Menschen hier auch zukünftig sagen: „Hambühren – hier lebe ich gern“.

 

Grafik: Landkreis Celle

https://celleheute.de/hambuehren-muss-in-die-stichwahl/