CELLE. Bisher haben wir die Geschehnisse rund um den Neumarkt-Kreisel und Nordwall-Umbau mehr oder weniger in unserem Facebook-Auftritt mit einem Augenzwinkern begleitet – aber inzwischen nehmen die Vorgänge derart widersprüchliche und kuriose Züge an, dass wir das Thema in unsere Hauptausgabe hieven und ernsthafter beleuchten müssen.

Auf Nachfrage von CelleHeute seien die Fußgängerüberwege aus Kostengründen nicht angetastet und stattdessen Metallgitter errichtet worden – so der bekannte Erklärungsversuch der Stadt. Daraufhin hagelte es massenweise Hohn und Spott in unserem Facebook-Kanal und dem der Stadt Celle. Nun sollen die „Zebrastreifen“ abgefräst werden. Welchen Sinn die Zäune dann noch machen? Darauf antwortet die Verwaltung nicht.

Ursprünglich wurden die Fußgängerüberwege nur wegen der Baumaßnahme Hehlentorstraße gesperrt. Nun, nachdem diese beendet ist, muss der Nordwall als neue Begründung herhalten. Es scheint insgesamt kein Konzept für den Kreisel zu geben – allein die Zebrastreifen-Possen sprechen Bände. Auch die Fokussierung auf den Autoverkehr erschwert eine sachliche Bewertung; „Die Fahrradfahrer können doch, wie die Fußgänger, andere Möglichkeiten nutzen“, empfiehlt z.B. Ratsherr Anatoli Trenkenschu. Welche genau? Das sagt er nicht. CDU-Ratsherr Heiko Gevers ist überzeugt, dass sich die Verkehrsplaner wieder verrechnet hätten und drückt es etwas diplomatischer aus. Insgesamt sollen „gefühlte Werte“ und „Beobachtungen“ die Aussagen untermauern, dass der Verkehr nach Absperren der Fußgängerüberwege flüssiger fließe – jedenfalls aus Sicht des „bürgerlichen Lagers“. SPD-Linke machen gegenteilige Beobachtungen. Über Sachfragen entscheidet ganz offensichtlich wieder einmal das Parteibuch, konkrete Messungen gibt es nicht.

Im März will die Stadt das Konzept zum Ausbau des Nordwalls der Politik vorstellen – wieder einmal, letztmalig vor vier Jahren:

Nordwall-Umbau in Celle – (Wie) geht es weiter?

Die Kosten seien der Politik insgesamt nicht bekannt. Wie das sein kann? Das weiß niemand. Auf der Suche nach Antworten stellten wir Politik und Verwaltung konkrete Fragen. Nur drei Parteien waren in der Lage, konkret zu antworten. CDU und SPD beschränkten sich auf allgemeine Statements, die dennoch bei genauer Betrachtung teilweise aufhorchen ließen.

Wir fragten die Politik:

1. Laut CZ sollen die Zebrastreifen nun doch abgefräst werden. Uns wurde gesagt, das sei zu teuer. Wissen Sie, was nun gilt?
2. Kennen Sie die Kosten für die Maßnahmen rund um Installation und mutmaßlicher Deinstallation der Fußgängerüberwege? Falls nein, sind Ihnen diese egal?
3. Halten Sie 7500 Euro Bepflanzungskosten auf wenigen Quadratmetern angesichts der Haushaltslage für angebracht? Würden Sie diese auch privat investieren?
4. Sind aus Ihrer Sicht Fahrradfahrer und Fußgänger auch Verkehrsteilnehmer oder ausschließlich Autofahrer?
5. Während man Fußgänger durchaus zutrauen kann, entweder die Ampel zu nutzen oder, da rechtlich ohnehin erlaubt, den Kreisel halt ohne „Zebrastreifen“ überqueren können – wie sollen Ihrer Ansicht nach Fahrradfahrer legal von der Hafenstraße links in den Neumarkt oder von der Mühlenstraße in die Hafenstraße abbiegen können?
6. Gibt es belastbare, d.h. gemessene Werte, dass der Verkehr ohne Fußgängerüberwege flüssiger fließt, wie behauptet wird? Falls nein, sind „gefühlte Werte“ tatsächlich Grundlage für Entscheidungen aus Rat und Verwaltung?

Die schnellste Antwort kam vom Fraktionsvorsitzenden der AfD, Anatoli Trenkenschu.
Er macht deutlich, dass vor allem die Kosten der Politik nicht bekannt seien.

1. Die Kosten dafür sind uns nicht bekannt. Wir haben aber kein Verständnis dafür, dass die Verwaltung nun die Zebrastreifen abfräsen möchte mit der gleichzeitigen Ankündigung, sie wieder aufzubringen, wenn die Ausbaumaßnahme am Nordwall, die sie noch dieses Jahr beginnen möchte, abgeschlossen ist. In diesem Falle ist es allein sinnvoll, die Zebrastreifen, wie derzeit geschehen, gelb abzukleben und den Zugang nur solange zu versperren, bis die Gesamtbaumaßnahmen Neumarkt/Nordwall abgeschlossen sind.

2. Auch diese Kosten sind uns nicht bekannt. Hier handelt es sich um Steuergelder, daher kann uns das grundsätzlich nicht egal sein, unabhängig davon, wie hoch die Ausgaben sind. Die AfD sieht die zunehmende Steuergeldverschwendung in unserem Land mit wachsender Sorge. Stellvertretend für solche Projekte kann man den Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 benennen. Deshalb halten wir es auch für inakzeptabel, die Zebrastreifen jetzt für ein Übergangsintervall wieder abzufräsen, um sie später wieder aufzubringen.

3. Hier wäre es aus unserer Sicht angebracht, die abschließende Bepflanzung zurückzustellen, bis das Gesamtkonzept für den Neumarkt/Nordwall steht. Eine Bepflanzung an sich ist aber zur Reinigung der Luft und als Habitat für Insekten sinnvoll. Sie darf nur den Verkehr nicht behindern.

4. Natürlich sind die Fahrradfahrer und Fußgänger auch Verkehrsteilnehmer und bei der Planung müssen diese auch ausreichend berücksichtigt werden. Es darf aber nicht grundsätzlich alles auf Kosten der Autofahrer gehen und bei den Autofahrern handelt es sich nicht nur um Privatpersonen – den Eindruck versuchen die Vertreter einiger Parteien zu vermitteln – sondern natürlich auch um ÖPNV mit dem gesamten Schülerverkehr, Rettungsdienst, Polizei usw. Bei der Planung solcher Verkehrskonzepte müssen alle ausreichend berücksichtigt werden, um Fehlplanungen, wie jetzt hier bei uns in Celle, zu vermeiden. Selbstverständlich müssen allerdings bei einer solchen Hauptverkehrsader Autos den Vorrang genießen.

5. Die Fahrradfahrer können doch, wie die Fußgänger, andere Möglichkeiten nutzen. Auch bei Zebrastreifen handelt es sich um reine Fußgängerüberwege.

6. Ob die Verwaltung solche Werte besitzt, entzieht sich unseren Kenntnissen. Grundsätzlich sehen wir aber schon, dass die Entscheidung einer gewissen Logik folgt, und haben hierzu auch bereits viel positive Resonanz aus der Bevölkerung vernommen.

Eine noch zu lösendende Ursache des Rückstaus am Kreisel ist darüber hinaus aber auch der Parkplatz hinter dem Ärztehaus, der von der Hafenstraße angefahren wird. Ist dieser belegt, geht dessen Schranke nicht auf und die Autos stauen sich vor ihr bis in den Kreisel. Hier könnte ggf. eine Ampel an der Schranke helfen, die deutlich erkennbar rot leuchtet, wenn der Parkplatz belegt ist, und die Besucher zugleich darauf hinweist, auf dem Schützenplatz zu parken.

Joachim Falkenhagen von der FDP geht davon aus, dass noch keine Entscheidungen vorliegen:

„1. Nein. Ich gehe davon aus, dass ein Rückbau der Fußgängerüberwege im zuständigen Fachausschuss vorgestellt wird und hofft weiterhin auf die Ost-Umgehung.

2. Angesichts der kritischen Haushaltssituation müssen wir jede Mittelverwendung hinterfragen. Ich gehe davon aus, dass die Kosten für einen Rückbau der Fußgängerüberwege ebenfalls im Fachausschuss vorgestellt wird.

3. Nach meiner Erinnerung sind die Kosten für die Bepflanzung in den Mitteln enthalten, die der Rat im Haushalt für die Maßnahme „Ausbau Neumarkt“ beschlossen hat. Es wären also keine Mehrkosten. Im Übrigen ist der neugestaltete Neumarkt eine Visitenkarte für die Stadt Celle. Den Kreisel „ungepflegt“ oder „ungestaltet“ zu lassen wäre im Hinblick auf die Außendarstellung gegenüber Touristen ein Fehler. Aber selbstverständlich haben auch bei knapper Haushaltslage unsere Celler Bürger einen Anspruch darauf, in einer gepflegten Heimatstadt zu leben. Wir wären froh, wenn endlich auch die seit Jahren brachliegende Rathsmühle einer Nutzung zugeführt werden würde. Dann wäre der Neumarkt endlich fertiggestellt.

4. Diese rhetorische Frage ist selbstverständlich mit Ja zu beantworten. Aber auch den Autofahrerinnen und Autofahrern muss ermöglicht werden, dass sie ohne Schikanen zu ihrem Ziel kommen. Und jeder unnötige Stau stellt sich Arbeitnehmern und Handwerkern in den Weg, produziert damit Kosten und vergeudet Zeit. Im Übrigen könnten Fahrradfahrer in der Innenstadt auch ungefährdeter vorankommen, wenn der überörtliche Verkehr über die Ostumgehung abfließen würde. Dann würden auch die durch den Stau am Neumarkt produzierten Abgase entfallen. Aber dies verhindern gerade diejenigen, die auch Abgase und Feinstaub beklagen.

5. Indem sie die Kreiselfahrbahn benutzen. Die Fußgängerüberwege hätten sie ohnehin nicht nutzen dürfen.

6. Wir fühlen deutlich, dass die Sperrung der Fußgängerüberwege dazu geführt hat, dass die Staus auf der Straße reduziert worden sind. Ob „gemessene“ Werte vorliegen, kann ich nicht sagen.“

Iris Fiss von den Unabhängigen sind die Kosten nicht egal, sie kennt sie aber nicht. Als Kompromiss schlägt sie vor, wenigstens einen Überweg zu behalten.

„1. Unserer Fraktion liegen keine Zahlen vor, was die Höhe der Zahlungen in Bezug auf Abfräsen der Zebrastreifen betrifft. Wir wüssten auch gerne, was wir an Zuschüssen zurückzahlen müssten, falls der Zebrastreifen entfernt wird. Die Kosten sind uns natürlich nicht egal. Wenn alle Vereine und Organisationen zur Haushaltskonsolidierung beitragen sollen und wir das Sparen ernst nehmen, können uns die Kosten auch nicht egal sein.

2. Eine vernünftige Bepflanzung halten wir grundsätzlich für wünschenswert, aber auch hier müssen die Ausgaben in einem angemessenen Rahmen bleiben. Hier können ja auch die Ortsräte aus ihren Mitteln etwas zur Verfügung stellen, um ihre Ortsteile etwas „schöner“ zu gestalten. Ich bin nun ein absoluter Gartenfreund und ziehe einige meiner Blumen auch selber, um den finanziellen Rahmen nicht zu teuer werden zu lassen. Also würde ich immer auch privat investieren, sei es Geld oder Zeit.

3. Verkehrsteilnehmer sind alle: Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer. Hier müssen alle auch mal nicht nur an sich denken, sondern etwas mehr Rücksicht untereinander aufbringen. Das würde uns schon weiterbringen.

4. Was die Fahrtrichtung für Radfahrer anbelangt: Es gibt eindeutige Fahrtrichtungen, die laut Verkehrsordnung einzuhalten sind. Immer mit dem fließenden Verkehr, also nicht links und nicht gegen die Verkehrsrichtung. Leider beherzigt dies nur fast keiner mehr und da sind wir in Celle auch sehr großzügig. Es wäre sinnvoll, die beiden Spuren (Allerbrücke – Richtung Hafenstraße) bis in den Kreisel beizubehalten und die erste Spur als Abbiegerspur in die Hafenstraße zu nutzen. Notfalls muss man sich da, mit Eigentümern einigen.

5. Zu Hauptverkehrszeiten (7:30 – 8:15 Uhr und 17:00 -19:00, freitags um die Mittagszeit) hat sich der Verkehr bis hin zum Telefunkengelände zurückgestaut, als der Zebrastreifen noch installiert war. Dies ist auch nicht gefühlt, sondern Tatsache. Ich fahre diese Strecke fast jeden Tag zu den besagten Zeiten und stand regelmäßig im Stau. Dazwischen sind aber auch Phasen wo es besser und zügiger läuft. Wenn Ferien sind, ist es auch etwas entspannter. Meine Entscheidungen mache ich schon, zum Teil, von der praktischen Erfahrung abhängig, aber natürlich bin ich auch immer für Sachargumente offen.

6. Wie gesagt, ich würde zwei Spuren bis zum Kreisel führen und den Zebrastreifen dort entfernen. Wir haben ja eine Ampelanlage mit Fußgänger-Überweg. Den Zebrastreifen bei der Fahrschule und Gericht (also der zweite) würde ich lassen. Ich meine ,dies müsste die Situation schon entlasten.“

Die SPD zieht es vor, nicht konkret zu werden und speist unsere Anfragen mit einem allgemeinen Statement ab. Dabei beruft sie sich ausgerechnet auf den ADAC, jene Experten, denen sie in anderen Verkehrsfragen wie „Tempo 30“ jede Kompetenz absprach.

Reinhold Wilhelms, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion zitiert aus einem Flyer des ADAC (Der Kreisverkehr) aus dem Jahre 2014: „Daher empfiehlt der ADAC, innerorts grundsätzlich an allen Zu- und Ausfahrten Fußgängerüberwege (Zebrastreifen) anzulegen.“

Dementsprechend wurde der Kreisel mit den Fußgängerüberwegen gebaut und diese wurden auch von Behindertenverbänden immer wieder gefordert. Im Zuge der Baumaßnahme Hehlentorstraße wurden dann zwei Überwege gesperrt – angeblich nur für die Bauphase. Die ist jetzt lange beendet und nun hat sich das Rathaus die Begründung Nordwall einfallen lassen, um die Sperrung weiterhin begründen zu können. Wenn man sieht, dass zur Durchsetzung einer solchen Sperrung jetzt Zäune notwendig scheinen, stellt man gleichzeitig fest, dass sich sehr viele Nutzer offensichtlich nicht an die vorläufigen Maßnahmen gehalten haben und man sieht, dass Überwege genau dort stark gefragt sind.
„Deutlich macht diese unabgestimmte Aktion allerdings zudem, welchen Stellenwert in dieser Stadt das Auto gegenüber dem Fußgänger immer noch genießt,“ so SPD-Fraktionsvorsitzender Patrick Brammer.

Durch die Sperrung der Überwege habe sich die Verkehrssituation vor Ort kaum geändert, sie werde auch durch Zäune nicht besser. Der Kreisel mit allem Drumherum ist gebaut mit Blick in die Zukunft nach Fertigstellung des Nordwalls. Die Stausituation wird sich erst danach relevant verbessern. Da die Zäune so wenig gegen das Verkehrsaufkommen leisten werden wie die provisorischen Sperrungen, sollten die Zebrastreifen im Sinne der Fußgänger weiterhin genutzt werden können.

Reinhold Wilhelms abschließend: „Die SPD-Fraktion hat sich übrigens immer für einen Kreisel in Höhe des OLG eingesetzt, weiter weg von der bestehenden Ampel. Leider konnten wir uns damit nicht durchsetzen.“

Auch Heiko Gevers von der CDU vermeidet konkrete Antworten, aber „beneidet“ uns, dass wir beim Thema Stadtentwicklung zwischen Augenzwinkern oder Ernstnehmen wählen könnten. „Im Rat haben wir diese Wahl nicht“, so Gevers, und erinnert:

„Der Rat nimmt den Ausbau am Neumarkt von Beginn an ernst. Am 6.7.2011 fordert der Rat einstimmig (!) bei zwei Enthaltungen die Verwaltung auf, ein Konzept für die Bau eines Kreisels am Neumarkt zu entwickeln und vorzulegen. Am 14.06.2012 teilt die Verwaltung zu einer Bürgeranfrage in der Ratssitzung mit, dass die Förderfähigkeit des Projekts gegeben sei und mit einer Förderung ab 2014 gerechnet werden könne. Am 16.6.2015 entscheidet der Verwaltungsausschuss mit einer (!) Gegenstimme und einer Enthaltung die Vergabe der Bauarbeiten gemäß vorgelegtem Plan. Der Bau beginnt im Juli 2015. Am 10. August 2016 weiht Oberbürgermeister Mende den Kreisel ein.

Dann kommt der Alltag. Im Ernst. Der ganzheitliche Verkehrsfluss für Autos, Radfahrer und Fussgänger, den die Verkehrsplaner errechnet hatten, läßt sich nicht realisieren, der Stau des Autoverkehrs führt zu großen Problemen für alle. Ohne Augenzwinkern.

Der neue Oberbürgermeister handelt; seine Verwaltung weist er an, das Problem zu lösen. Zunächst kurzfristig, damit der Autoverkehrsstau ein Ende findet. Somit werden die problematischen Zebrastreifen außer Gefecht gesetzt, der Autoverkehr kann durch Celle wieder fließen. Eine Quadratur des Kreise(l)es ist allerdings nicht möglich, die Fussgänger und Radfahrer müssen nun bis zur endgültigen Ausbau der Nordwall und des Neumarkts die langbestehende Überquerung beim Ärztehaus wieder aufsuchen.

Aber Halt! Da war doch noch was! Jetzt gibt es auch noch Grünes auf dem Kreisel! Und es kostet auch noch (Förder)geld! Und wer ist dagegen? Hoffentlich nicht dieselben, deren Antrag auf mehr insektenfreudliches Grün im Stadtbild im nächsten Ausschuss für Umwelt, Verkehr und technische Dienste behandelt werden wird. Wie die Quadratur dieses Kreise(l)es aussehen soll, ist mir auch noch nicht klar. Die Vorstellungen aller selbsternannten „Verkehrsexperten“ helfen hier mit Sicherheit nicht. Aber die Vorstellung, alle Autos, alle Fussgänger und alle Radfahren könnten auf allen Neumarkt-Flächen in allen Richtungen alle gleichzeitig Vorfahrt genießen würde das Chaos vollenden.

Ja, das war mit Augenzwinkern. Realität ist nämlich auch eine Qualität, nicht nur im Ernstfall.“

Torsten Schoeps von der WG / Die Partei ist offenbar seit längerem resigniert und bleibt wie gewohnt wortkarg:

1. Nach meinem Kenntnisstand wird abgefräst. Die Zäune für 4000 Euro sind somit „vernichtete Steuergelder“.
2. s.o.
3. nie im Leben
4. alle gleichermaßen
5. das ist auch mir ein Rätsel
6. offensichtlich reichen gefühlte Werte in diesem Falle aus.

Bernd Zobel von Bündnis 90 / Die Grünen beklagt mangelnde Informationen und hält die Brache auf dem Kreisel für keine gute Lösung. Außerdem würden Radfahrer zu illegalem Handeln genötigt.

1. Alle bisherigen Maßnahmen sind von der Verwaltung ohne Information oder Abstimmung mit den
Fraktionen erfolgt.

2. Über die Höhe der Kosten wurden wir nicht informiert.

3. Die Grünen hatten sich in der Vergangenheit für den Einsatz von Kreiselkunst eingesetzt. Leider ohne Erfolg. Die Gestaltung von Kreiseln prägt auch mit das Erscheinungsbild einer Stadt. Eine Brache ist keine Alternative. Eine Bepflanzung ist daher eine Zweitlösung. Das Totschlagargument Haushaltslage lassen wir nicht gelten.

4. Die Maßnahmen erfolgen lediglich aus Autofahrersicht. Es sind aber alleV erkehrsteilnehmerInnen zu berücksichtigen. FahrradfahrerInnen, die den Radweg benutzen müssen, werden zu verkehrswidrigen Verhalten angeregt oder zu Umwegen gezwungen.

5. Gefühlte Werte sind keine belastbare Grundlage für Entscheidungen. Es wird Zeit, dass das Verwaltungshandeln in den politischen Gremien diskutiert wird.

Behiye Uca – BSG / Die Linke hält die Fokussierung auf den Autoverkehr für die „eigentliche Katastrophe“ des Neumarkt-Kreisels. Blinde und Sehbehinderte würden auf direktem Kollisionskurs in die Metallzäune geleitet.

1. Nein. Die Verwaltung hat die Ratsfraktionen nicht informiert.

2. Nur aus der Presse. Wir haben diesen Aspekt jetzt in einer Anfrage an die Verwaltung thematisiert.

3. Leider lassen sich Bepflanzungskosten im öffentlichen Raum nicht mit privater Gärtnerei vergleichen. Es wäre allerdings – wie bei vielen anderen Ausgaben – sinnvoll, wenn die Verwaltung den Bürgerinnen und Bürgern erläutern würde, warum manche Maßnahmen – wie auch diese – so viel Geld kosten wie sie kosten.

4. Ja. Selbstverständlich ist das die eigentliche Katastrophe beim Kreisel. Es gibt eine klare „Normierung“, die bei Kreiseln im innerstädtischen Verkehr Zebrastreifen vorschreiben. Wer einen Kreisel haben will, muss also Zebrastreifen in Kauf nehmen. Die Begründung hierfür ist schlicht und einfach die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehrmerinnen und -teilnehmer.

5. Zebrastreifen an innerstädtischen Kreisel sind „Vorschrift“, u.a. weil Untersuchungen ergeben haben, dass Fußgängerinnen und Fußgänger Umwege von mehr als 50 Metern vermeiden. Dass muss man nicht gut finden, aber aus dieser „Erfahrung“ bestimmte Regelungen zur Verkehrssicherheit zu treffen, ist nicht falsch. Genau deshalb übrigens werden Fußgängerinnen und Fußgänger jetzt mit einem Zaun an der Querung am Kreisel gehindert. Die Situation für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer ist ein schlechter Witz und verträgt sich überhaupt nicht mit dem Ansatz, eine fahrradfreundliche Stadt werden zu wollen.

6. Der Rat hat zu dieser Frage keine Entscheidung getroffen, sondern die Verwaltung hat an diesem Kreisel die Politik immer wieder mit ihren Maßnahmen überrascht. Verständlich war die Regelung vielleicht durch die Ausnahmesituation der Sperrung der Hehlentorstraße und zwar deshalb, weil der Busverkehr – vom Neumarkt kommend – in die Katzensteinstraße einbiegen musste. Die jetzige Begründung mit der Gegenläufigkeit des Nordwalls ist in der Tat aus unserer Sicht nur „gefühlt“. Der Kreisel war unseres Erachten von vornherein überflüssig, und dies nicht nur weil wir die geplante Gegenläufigkeit des Nordwalls für eine kleine Katastrophe halten, die den Zielen der Stadtentwicklung an dieser Stelle diametral zuwiderlaufen. Die Begründung für den Kreisel ist luxuriöser Quatsch. Bis zu Kreiselbau hat es eigentlich ganz gut geklappt. Da die Parkplätze auf der Allerinsel nicht mehr, sondern weniger werden, wird der Verkehr sich unterm Strich auch nach der Bebauung kaum verändern.

Außerdem weiß jede Cellerin und jeder Celler, dass will er oder sie die Allerinsel in Richtung Nord-Ost verlassen, die Ausfahrt über die Biermannstraße die bequemere und bessere Alternative ist. Kurzum: der Kreisel war und ist überflüssig wie ein Kropf. Aber: Da es ihn jetzt gibt, kann man nicht so tun, als ob es kein Kreisel wäre, und Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer faktisch zu verkehrswidrigem Verhalten „zwingen“. Und noch gravierender ist, dass über das Bodenleitsystem blinde und sehbehinderte Fußgängerinnen und Fußgänger aktuell auf direktem Kollisionskurs in die Metallzäune „geleitet“ werden.

Die Verwaltung geht davon aus, dass sich alles bessern wird, wenn der Nordwall ausgebaut ist. Sie beruft sich auf Planungen der Verkehrsplaner, die laut Gevers schon beim Kreisel nicht geklappt haben. Woher sie die Hoffnung nimmt, ist offen.

– Wie handfest ist die Aussage, dass Fördergelder zurückgezahlt werden müssten, wenn Zebrastreifen entfernt werden? Wer hat die Frage gestellt und wer hat sie beantwortet?
– Falls Zebrastreifen entfernt werden, kommen die Zäune dann auch wieder weg?
– Abschließend: Gibt es irgendein handfestes Konzept für den Verkehr in diesem Bereich?

Die Antwort ebenfalls eher allgemein: „Der Neumarkt-Kreisel ist ein Bauabschnitt der Gesamtmaßnahme ‚Äußerer Ring‘. Bei der aktuellen Verkehrslage ist er mit den beiden Fußgänger-Überwegen gen Innenstadt allerdings nicht optimal ausgelegt. Das wird sich mit Beginn des nächsten Bauabschnitts, dem gegenläufigen Ausbau des Nordwalls, ändern.

Mit Sanierung der Hehlentorstraße haben wir die Überwege provisorisch gesperrt. In Folge haben unsere Fachleute den Bereich regelmäßig beobachtet und dabei eine wesentliche Verbesserung festgestellt. Das Ergebnis zeigt, dass sich die verkehrliche Lage entspannt hat. Harburger Berg, Mühlenstraße und im weiteren Verlauf auch die Hannoversche Straße wurden deutlich entlastet. Kurz gesagt: Es läuft flüssiger!

Zur Verkehrssicherung haben wir – wie bei der Eröffnung der Hehlentorstraße angekündigt – die provisorischen Baustellenabsperrungen entfernt und durch Zäune ersetzt. So soll sichergestellt werden, dass Radfahrer und Fußgänger die stillgelegten Überwege nicht nutzen. Anfang dieser Woche werden auch die Zebrastreifen abgefräst. Wir haben diese Maßnahme gewählt, da sie wesentlich kostengünstiger ist, als den Bereich komplett zurückzubauen.

Aktuell sind wir mit dem Fördergeber im Gespräch und verhandeln über einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn am Nordwall. Im März werden wir, wie bereits avisiert, das Konzept zum Ausbau des Nordwalls der Politik vorstellen. Die Stadt ist bereit, in diesem Jahr mit den Arbeiten zu beginnen. Die endgültige Entscheidung dafür liegt allerdings beim Land Niedersachsen, welches die Fördermittel bereitstellt.

Das Aufstellen der Zäune am Kreisel ist nur eine temporäre Maßnahme. Mit dem gegenläufigen Ausbau des Nordwalls wird die Situation am Kreisel deutlich entlastet. Daher werden nach Abschluss der Arbeiten die Zäune entfernt und die Fußgängerüberwege wieder aktiviert.Grundsätzlich ist die Förderfähigkeit nicht infrage gestellt. Über Details wird in Folge gesprochen.“

6 Antworten zu “*2. Aktualisierung* Dauerbaustellen Neumarkt-Kreisel, Nordwall & Co. – Nichts Genaues weiß man nicht”

  1. Jochen Barth sagt:

    Da gibt es doch tatsächlich Politiker im Rathaus, die sich Sorgen um das Erscheinungsbild der Stadt gegenüber Touristen machen. [„… eine Visitenkarte für die Stadt Celle. Den Kreisel „ungepflegt“ oder „ungestaltet“ zu lassen wäre im Hinblick auf die Außendarstellung gegenüber Touristen ein Fehler.“ ]
    Wär doch mal eine gelungene Maßnahme den „Mülleimer-Brunnen“ am Ende der Zöllnerstrasse zu leeren. Da schauen aus Neugier viele Touristen rein und bekommen eine Visitenkarte der Stadt.
    Ich schäme mich für einen solchen Zustand.
    Aber wie sagte doch unser OB: „Celle kann mehr“.

  2. Joachim Falkenhagen sagt:

    Sehr geehrter Herr Barth,
    ich habe die Stadtverwaltung über Ihre Beobachtung informiert. Für künftige Fälle rege ich an, dass Sie sich direkt an die Stadtverwaltung über die Homepage der Stadt Celle wenden (www.celle.de), damit die Stadt einen guten Eindruck hinterlässt.

    Mit freundlichen Grüßen – Joachim Falkenhagen

  3. Joachim Falkenhagen sagt:

    Eine Ergänzung zu meiner oben wiedergegebenen Stellungnahme:
    Ich habe mir den Kreisel vor Ort noch einmal angesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass in dieser Situation etwas für Fahrradfahrer getan werden muss. Die Verwaltung ist aufgefordert, hier Lösungen umzusetzen.

    • Peter Fehlhaber sagt:

      Vielleicht sollten auch andere Entscheidungsträger diesem Vorbild folgen und den Kreisel einfach mal vor Ort anschauen? Wir müssen nicht immer recht haben, aber manche Antworten vom Schreibtisch aus sind schon sehr befremdlich und realitätsfern.

  4. Iris Fiss sagt:

    Ich habe mich gestern auch nochmal direkt vor Ort umgeschaut
    und die Situation ca. eine halbe Stunde beobachtet. Es ist für alle Verkehrsteilnehmer
    eine unbefriedigende Situation, aber am schlechtesten kommen tatsächlich die Fahrradfahrer
    davon. Ich meine aber auch, dass mein Vorschlag , den ersten Zebrastreifen wegzunehmen und dafür den Ampelübergang zu nutzen und den zweiten Zebrastreifen (Fahrschule/Gericht)zu öffnen, sinnvoll.
    Iris Fiss

  5. Iris Fiss sagt:

    Ich war gestern nochmal ca. eine halbe Stunde vor Ort. Es ist für alle Verkehrsteilnehmer unangenehm, aber für die Fahrradfahrer am schlimmsten. Ich bin immer noch der Meinung, dass man den 1. Zebrastreifen wegnehmen und den Ampelübergang nutzen sollte. Den 2. Zebrastreifen (Fahrschule/Gericht)könnte man freigeben.

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