Vertreter aus Politik, Stadt und Justiz sowie viele Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter feierten heute das 25jährige Jubiläum der Anlaufstelle Brückenbau. Das Projekt Brückenbau Celle e.V. ist eine Einrichtung der Freien Straffälligenhilfe in Celle und Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Landeskirche Hannovers. Unter den Gästen auch Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz, die zuvor dem OLG-Präsidententreffen bewohnte. 

25 Jahre Brueckerbau 30Ziel des Projekts ist es, Inhaftierten eine Brücke zurück in die Gesellschaft zu bauen und nach einer Haftstrafe straffrei zu bleiben. Die Suche nach Arbeit, Wohnung und die Bewältigung des Lebens in Freiheit wird ebenfalls unterstützt. Inhaftierten soll eine zweite Chance gegeben werden. Das Projekt hilft auch beim Aufbau eines neuen Umfeldes. Bereits während der Inhaftierung werden diese Ziele angestrebt und die Häftlinge mithilfe eines Programms auf das Leben in Freiheit vorzubereiten. „Miteinander leben lernen“ ist ein Motto des Projekts.

Mit Barbecue, Cocktails und Live-Musik feierten rund 100 Gäste das Jubiläum. Brückenbau wurde heute wörtlich genommen. Zwei Teams mussten in sieben Minuten eine Brücke aus Holzteilen aufbauen, was ihnen auch mit Mühe gelang. „Die Brücke zwischen einem Leben in Haft und einem Leben in Freiheit“, kommentierte Gerhard Schridde, Vorsitzender des Projektes Brückenbau das symbolische Spiel.

Bei diesem Fest standen auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Vordergrund. „Wir haben bereits zahllose kleine Brücken gebaut, die die Inhaftierten zurück in die Gesellschaft bringen. Dies baut vor allem auf dem Engagement der ehrenamtlichen Arbeit“, so Schridde.

Niewirsch-Lennartz freute sich in ihrem Grußwort darüber, dass „es vielen Häftlingen ermöglicht, wieder zurück in die Gesellschaft zu finden und das Schwarze Kreuz dabei das Projekt begleitet.“ 25-jähriges Bestehen des Vereins Projekt Brückenbau e. V. in Celle

Niewisch-Lennartz sprach in ihrem Grußwort den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Anlaufstelle für Straffällige ihren Dank für die engagierte Arbeit des bereits 1988 gegründeten Vereins aus. Der Verein besteht aus einem Projektleiter, einer Verwaltungsfachangestellten sowie 20 ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Niewisch-Lennartz: „Mein besonderer Dank gilt heute auch all den Ehrenamtlichen, die das Projekt und damit die Menschen, die ihre Hilfe benötigen und gern in Anspruch nehmen, tatkräftig unterstützen.“
Der Verein leistet so einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung von Straffälligen und deren Reintegration in die Gesellschaft. Die Landesregierung fördert Anlaufstellen für Haftentlassene landesweit mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Das Projekt Brückenbau e. V. in Celle wird vom Land Niedersachsen jährlich mit 54.640,00 € gefördert.

Die Ministerin hob abschließend die besondere Bedeutung des Vereins für die Haftentlassenen hervor: „Gerade bei Haftentlassenen, bei denen keine Bewährungs- oder Führungsaufsicht angeordnet wird, schließen Sie eine große Lücke in unserem System. Daher fördern wir Ihre Arbeit auch finanziell – und wollen dies auch in Zukunft noch verstärkt tun.“

Mehr als 100 Menschen in der JVA nutzen das Angebot zurzeit. Darunter fallen Beratung, Hilfe, Begleitung und Lebensgestaltung. Die Resozialisierung sei in letzter Zeit gesellschaftlich in den Hintergrund getreten, da eine gewisse Stigmatisierung auftritt. „Viele denken, einmal Sträfling, immer Sträfling. Dabei muss jedem die Perspektive auf Freiheit gewährt werden und wieder gesellschaftlich leben zu können“, meinte Schridde. Dies sei Aufgabe der Resozialisierung. 20 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen zurzeit das Projekt.

„Wir müssen Brücken von beiden Seiten aus bauen“, sagte Werner Cordes, Leiter der JVA Celle. Die JVA ermöglicht es den Häftlingen einen Abschluss nachzuholen und eine Ausbildung zu machen, damit sie in Freiheit wieder zurechtkommen. Auch seien die Besuchszeiten großzügig. Sport, Sozialtherapie und Antiagressionstraining stehen auf dem Programm der JVA. „Wir bauen ihnen Brücken, aber drübersteigen muss der Inhaftierte selbst“, so Cordes.

„Es wird deutlich, wie stark vernetzt wir sind“, freute sich Schridde, der heute das letzte Mal als Vorsitzender dabei ist. „Es gab auch schwierige Zeiten, aber am meisten freut es mich natürlich, wenn das Projekt Erfolg hat.“

Fotos: Peter Müller

Kommentare sind geschlossen.