CELLE. Hier das Resümee der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Celle, Bianka Lawin, zum 3. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Niedersachsen:

Jede zweite berufstätige Frau im Landkreis Celle sitzt in der Teilzeitfalle: „Der Wert ist laut des aktuellen Gleichstellungsatlasses, der jetzt veröffentlicht worden ist, um weitere zehn Prozent gestiegen. Teilzeitarbeit führt für die betroffenen Frauen in die Altersarmut. Deshalb muss es eine Hauptaufgabe sein, mit besserer Betreuung für Kinder in Krippen und Kita mehr Frauen Vollzeitarbeit zu ermöglichen.“

Das niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Niedersachsen hat am 8. März 2017 den regionalisierten „3. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Niedersachsen“ vorgelegt,  der auch Veränderungen im Zeitverlauf seit der Veröffentlichung des ersten Gleichstellungsatlas 2009 aufzeigt. Er ist weitgehend am Deutschland-Atlas angelehnt und dient der Standortbestimmung, an welcher Stelle die Gemeinden und Kreise in Niedersachsen gleichstellungspolitisch stehen. Erneut wird in den vier Bereichen Partizipation, Bildung und Ausbildung, Arbeit und Einkommen, Lebenswelt durch Indikatoren die gleichstellungspolitische Lage in den niedersächsischen Landkreisen, kreisfreien Städten, der Stadt und der Region Hannover veranschaulicht. Der Atlas eröffnet die Chance, von denjenigen Kommunen zu lernen, die auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung schon ein gutes Stück vorangekommen sind. Zugleich wird sichtbar, wo weitere Schritte im Wettbewerb um den Standortfaktor Gleichstellung vonnöten sind.

Die Gleichstellungsbeauftragte Bianka Lawin fasst die Ergebnisse für den Landkreis Celle wie folgt zusammen: „Wie bereits nach den Kommunalwahlen 2016 festzustellen war, ist der Frauenanteil an den Mandaten in den kommunalen Vertretungen vor allem in den Gemeinden zurückgegangen, allerdings steht der Landkreis Celle im Vergleich zu den anderen Landkreisen Niedersachsens mit 32,8 % relativ gut da. Jedoch muss weiterhin eine paritätische Verteilung angestrebt und durch gezielte Ansprache gefördert werden. In den 46 Landkreisen und kreisfreien Städte, der Region und Landeshauptstadt Hannover haben nur zwei Frauen Verwaltungsspitzenpositionen.

Unsere Bildungspolitik geht immer noch nicht genügend zielgerichtet mit dem Phänomen der Bildungsverlierer Jungen vor. 68,4 % von Schulabgängern ohne Schulabschluss sind Jungen und dieser Anteil ist um  4,3% gestiegen. Auch bei den Schulabgängern mit Hauptschulabschluss liegen die Jungen mit 59,9% vorn und dieser Anteil ist um 6,6% gestiegen. Bei den Abiturienten ist der Anteil von Jungen um 4,7% zurückgegangen und beträgt lediglich 43,6%. Allerdings gibt es für die berufsbildenden Schulen des Landkreises Celle ein positives Ergebnis: Hier ist der Anteil von männlichen Abiturienten um 12,4% gestiegen. Unsere Bildungspolitik ist somit nach wie vor ein grundlegendes Thema und sollte endlich vorrangig  bearbeitet werden. Ebenso erforderlich ist auch die Betrachtung der derzeit schwindenden Jugendarbeit in unseren Gemeinden, die als sogenannte „freiwillige Leistung“ zunehmend den Einsparungen zum Opfer fällt.

Die „Teilzeitfalle“ war unser Thema für den diesjährigen Frauentag am 8. März 2017, denn Teilzeit ist eine frauentypische Beschäftigungsform, weil Frauen nach wie vor die haushaltsnahen Dienstleistungen übernehmen und Angehörige betreuen und pflegen. Dass diese Beschäftigungsform in Altersarmut führt, ist inzwischen traurige Gewissheit. Im Landkreis Celle  ist der Anteil von Teilzeitarbeit bei Frauen leider weiter um 10,8% gestiegen. Das bedeutet bei einem Gesamtwert von 51,4%, dass mehr als jede zweite Frau nur in Teilzeit arbeitet. Insofern sind die Möglichkeiten der flexibleren Arbeitszeitgestaltung, sowie die Einrichtung von Telearbeit, als auch Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Angehörige nach wie vor Herausforderungen für Arbeitgeber und die Kommunen. Die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahre ist durch die Einrichtung von Krippen um 19,7% gestiegen und beträgt insgesamt 27,8%. Also auch hier ist der Bedarf deutlich zu erkennen.

Die Väterbeteiligung lässt sich statistisch gesichert nur an dem Bezug von Elterngeld messen. Hier beträgt die Quote für den Landkreis Celle lediglich 26,2%, deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt in Niedersachsen von 31,9%. Diese niedrige Quote erklärt sich durch den ländlich strukturierten Raum, aber leider auch dadurch, dass Väter die Besserverdiener in Familien sind. Vor allem in Beratungen stellt sich diese Problematik dar, weil sich immer mehr Väter eigentlich eine Elternzeit wünschen, die aber finanziell nicht vereinbar ist. Auf den Spitzenplätzen der Väter, die Elterngeld beziehen, liegen hier mit 41,4% Braunschweig und weitere typische Studentenstädte.

Auch bei den sozialen Berufen sind Männer in der deutlichen Minderheit: der Anteil von Männern mit erzieherischer Tätigkeit mit Kindern in Tageseinrichtungen beträgt im Landkreis Celle nur 3,1%. Ein Hauptgrund dürfte hier die schlechte Bezahlung sein, was vornehmlich frauentypische Berufe betrifft.

Die Langzeitarbeitslosenquote im Landkreis Celle ist erfreulicherweise bei Frauen um 8,6%  und bei Männern um 4,5% zurückgegangen. Allerdings bilden Frauen in Niedersachsen mit einem Anteil von 59% in der Gruppe „Zuarbeiter/-in/Helfer/-in“ die Mehrheit, bei dem Anforderungsprofil der „Expertin“ mit 42%  und „Spezialistin“ mit 40% die Minderheit. In Korrelation mit den hohen Bildungsabschlüssen von Mädchen sind diese Entwicklungen nur mit der nach wie vor schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besonders ist qualifizierten Berufsgruppen zu begründen.

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