HANNOVER. Die SPD-Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat heute Mittwoch in der Plenarsitzung des Niedersächsischen Landtags die neuesten Zahlen zur Entwicklung Ganztagsschule vorgestellt: „Mittlerweile verfügen rund 65 Prozent der niedersächsischen Schulen über ein Ganztagsangebot. Das bedeutet, dass mehr als 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Land von einem solchen Angebot profitieren“, so der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Politze.

„Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Ministerin Heiligenstadt zum kommenden Schuljahr die Einrichtung von weiteren 74 Ganztagsschulen im ganzen Land genehmigt hat, die diese Quote noch weiter erhöhen werden. Neben den Schülerinnen und Schülern, denen die Ganztagsschule viele Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer Interessen ermöglicht, profitieren davon vor allem die Familien in Niedersachsen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird durch den Ausbau der Ganztagsangebote deutlich erleichtert, da die Betreuung der Kinder auch am Nachmittag gesichert ist“, betont der SPD-Bildungsexperte.

Der Ganztag sei eines der wichtigsten Projekte im Rahmen der Zukunftsoffensive Bildung, die die rot-grüne Landesregierung in dieser Legislaturperiode umsetzt. Mit einem Mitteleinsatz von rund 1,5 Milliarden Euro in Jahren 2017 bis 2021 setze man hier einen deutlichen bildungspolitischen Schwerpunkt.

Zu den heute von Kultusministerin Heiligenstadt vorgestellten neuen Zahlen zu Ganztagsschulen in Niedersachsen erklärt der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried:

„Kultusministerin Heiligenstadt scheitert mit ihrem Versuch, sich für den Einsatz von Lehrkräften im Ganztagsangebot am Nachmittag feiern zu lassen. Die traurige Wahrheit an unseren Schulen ist ein flächendeckender Lehrermangel im Pflichtunterricht am Vormittag. An vielen Schulen in Niedersachsen fällt Pflichtunterricht in Mathematik, Deutsch und Englisch aus. Rechnerisch können im laufenden Schuljahr bei der aktuellen Unterrichtsversorgung von nur 98,9 Prozent etwa 600.000 Unterrichtsstunden an den allgemein bildenden Schulen im Land nicht erteilt werden, weil Lehrkräfte fehlen.

Die angebliche ‚historische Dimension‘ beim Ganztagsausbau, die die Ministerin heute herbeireden wollte, lässt sich mit einem einfachen Blick in die offizielle Statistik widerlegen:
In der CDU-Regierungszeit wurde die Zahl der Ganztagsschulen in Niedersachsen mehrmals verdoppelt. Von 299 Schulen in 2004 auf 655 Schulen in 2008, dann erneut auf 1.311 in 2011. Rot-Grün steigerte die Zahl von 1.580 Schulen in 2013 auf 1.816 Schulen in 2017. Das ist eine Steigerung von lediglich 15 Prozent.
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Teilnahme am Ganztagsangebot öffentlicher Schulen wurde in der CDU-Regierungszeit allein im Zeitraum 2005 bis 2010 mehr als verdoppelt, nämlich von 14,1 Prozent auf 31,1 Prozent. Rot-Grün steigerte diesen Anteil in den letzten Jahren um gerade einmal 10 Prozentpunkte, von 42,0 Prozent in 2013 auf nunmehr 52,3 Prozent in 2017. Von ‚historisch‘ kann dabei wirklich keine Rede sein.“

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