MÜDEN/FASSBERG. Zum Ratsbeschluss des Faßberger Gemeinderats hinsichtlich des Freundschaftsvertrages zwischen Spandau und Faßberg schreibt der Verkehrsverein Müden/Örtze e.V. einen offenen Brief zu den Auswirkungen der so genannten „Schnuckenwette 2018“.

„Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Manfred Franzen,
dem Verkehrsverein Müden/Örtze e.V. liegt es naturgemäß fern, Abstimmungen und Entscheidungen des Rates der Gemeinde Faßberg zu kommentieren oder gar zu bewerten, insbesondere auch dann nicht, wenn sie parteipolitisch motiviert sind. Aufgrund der Entscheidung des Gemeinderates jedoch, den Freundschaftsvertrag zwischen der Gemeinde Faßberg und der Stadt Spandau abzulehnen, haben wir uns im Vorstand entschlossen, einen offenen Brief an Sie als Ratsvorsitzenden, an den Gemeinderat insgesamt, an die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde aber auch an alle diejenigen zu schreiben, die sich an der diesjährigen Schnuckenwette beteiligt haben.

Ein sachlicher, nachvollziehbarer und belastbarer Weg hin zu dieser ablehnenden Abstimmung ist auch bei neutraler Betrachtung der Entscheidung nicht zu erkennen und auch der gebetsmühlenartige Hinweis auf einen demokratischen Prozess verliert zusehends an Glaubwürdigkeit, wenn offensichtlich Parteipolitik vor Sachpolitik gestellt wird.

Insbesondere bei der diesjährigen Schnuckenwette wurden im Vorfeld unzählige Ehrenamtsstunden investiert, haben Bürgerinnen und Bürger aus allen Ortsteilen monatelang Freizeit eingebracht und gearbeitet, um im Hinblick auf das große 70. Luftbrückenjubiläum, das übrigens bereits in diesem Jahr mit dem Beginn der Luftbrücke startet, und in 2019 seinen Höhepunkt finden wird, einen Meilenstein für die historische Verbindung zwischen Faßberg und Spandau mit seinem ehemaligen Flugplatz Gatow zu setzen. Dieses ehrenamtliche Engagement wurde nun mit dem Ratsbeschluß, dem sprichwörtlichen Federstrich, zunichtegemacht.

Sie stoßen die Menschen vor den Kopf, die sich für eine offensichtlich zukunftsweisende Initiative tatkräftig eingebracht haben. Gemeinsam mit dem Kuratorium „Faßberg: Militärluftfahrt, Weltraum und Heide“ war das Ziel dieser Veranstaltung, über das Alleinstellungsmerkmal „Luftbrückenmuseum Faßberg“ Aufmerksamkeit in Spandau und eventuell darüber hinaus zu erzeugen. Das dies nicht von heute auf morgen gelingen kann, dürfte allen Beteiligten und Unbeteiligten klar sein!

Gelungen ist das im ersten Schritt auf alle Fälle durch die Bereitschaft der beiden Wettpaten, Bürgermeister Helmut Kleebank und Bürgermeister Frank Bröhl, sich für diese Veranstaltung zur Verfügung zu stellen und mitzumachen. Sowohl in der Gemeinde Faßberg als auch im Bezirk Spandau ist unser Projekt mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Auch wenn dort bei dieser ersten Wette weniger Lose als in der Gemeinde Faßberg verkauft wurden, bedeutet es nicht, dass wir gescheitert wären. Auch die ersten Anläufe unserer Wette in Müden und Faßberg zwischen Bäcker Michael Hoffmann und Carl‐Wilhelm Kuhlmann gestalteten sich in den Anfängen zunächst schwierig. Es braucht halt Zeit und darf nicht nach nur einem Durchlauf negativ bewertet und abgestempelt werden!

‐ Sichtbar war der Erfolg unserer Schnuckenwette 2018 auch an den vielen hochwertigen Sachpreisen im Vergleich zu den Vorjahren.
‐ Sichtbar auch durch den höheren Verkauf an Schnuckenlosen ‐ allein in Berlin waren dies über 200 verkaufte Lose.
‐ Sichtbar auch durch eine sehr gute Medienbegleitung.
‐ Sichtbar auch durch eine gelungene Abschlussveranstaltung, nicht in Müden sondern
in der Oase im Ortsteil Faßberg.
‐ Sichtbar vor allem in der Bereitschaft aller Beteiligten, auch im kommenden Jahr
2019 die Schnuckenwette in der jetzigen Form zu wiederholen.

Wir würden die entstandenen und überaus positiven Verbindungen mit Spandau gerne vertiefen, um über die Kontakte zu einer Metropolregion, welche übrigens bereits vor der Wende einen wesentlichen Teil der touristischen Nachfrage ausmachten, für unsere Gemeinde zu nutzen und auszubauen.

Leider sehen wir uns nach dem vorliegenden Beschluss der Mehrheitsfraktion des Faßberger Gemeinderates nicht mehr in unseren Bestrebungen unterstützt, den Tourismus in Müden und damit in der Gemeinde insgesamt, zu stärken und voranzutreiben. Offensichtlich scheint auch unser Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, die nicht nur in einem touristischen Kontext stehen, sondern auch das dörfliche Gemeinschaftsgefühl stärken sollen, nicht mehr gewollt. Anders können wir uns diese Entscheidung nicht erklären, denn sie verschließt die Möglichkeit, kurz und mittelfristig auf das Potential einer Metropolregion zugreifen zu können! Solche Entscheidungen sind bei der Eröffnung neuer Märkte wenig hilfreich.

Eine neuerliche, positive Betrachtung des Ratsbeschlusses würde nicht nur politische Größe unterstreichen, sondern auch die allgemeine politische Blockade ein Stück weit auflösen. Anders wird es für uns als Verkehrsverein schwierig, unser derzeitiges Engagement auf diesem hohen Niveau weiterzuführen. Für uns alle steht die wirtschaftliche Prosperität und die touristische Weiterentwicklung der Gemeinde im Vordergrund unserer Arbeit. Dazu bedarf aber auch der Rückenstärkung und der entsprechenden innovativen Zielsetzung durch den Gemeinderat.

Herzliche Grüße
Paul Hicks
Sprecher
Verkehrsverein Müden/Örtze e.V.

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