CELLE. Im Fünfjahres-Rhythmus traf sich bislang die ehemalige Klasse 13LG des Gymnasiums Ernestinum. Diesmal gab es jedoch einen besonderen Anlass, diesen Rhythmus zu unterbrechen: Vor genau 50 Jahren legten die Schülerinnen und Schüler im Altgebäude an der Magnusstraße ihre Reifeprüfung ab.

Wen wundert es, dass zu dieser Feier fast alle Ehemaligen (17) aus ganz Deutschland angereist waren. Einer kam nur für den ersten abendlichen Treff im Ratskeller und fuhr wieder nach Köln zurück: Die Entschuldigung „Meine Tochter heiratet“ ergab keinen Eintrag ins Klassenbuch. Schnell war die alte Vertrautheit wieder da, auch wenn man sich teilweise Jahrzehnte lang nicht gesehen hatte.

In großer Zahl nahmen die Goldenen Abiturienten am nächsten Tag auf den reservierten Plätzen im Forum des Gymnasiums an der Burgstraße Platz und konnten auch Mitschüler der Parallelklasse 13LE begrüßen. Als sie selbst 1968 im heutigen Beckmann-Saal ihre Zeugnisse entgegennahmen, hatten die silbernen und goldenen Abiturienten ihre Prüfungen 1943 und 1918 abgelegt..

Die „68er“ erinnerten sich an ihre eigene Abschlussfeier und konnten nachvollziehen, mit wie viel Plänen, Energie und Lebensmut die Abiturienten 2018 in ihren neuen Lebensabschnitt starteten. Reinhold Wilhelms ließ die letzten 50 Jahre Revue passieren und brachte die Zuhörer zum Schmunzeln, mit welchen Unzulänglichkeiten man damals zu kämpfen hatte. Zum Beweis zeigte er die damalige Abizeitung, mühsam mit einer mechanischen Schreibmaschine auf Matrize getippt und dann im Umdrucker vervielfältigt. „Mein Rechtschreibprogramm kennt das Wort Umdrucker gar nicht mehr und unterstreicht es als falsch.“

Diese Widrigkeiten seien aber gerade ein Ansporn gewesen, es besser zu machen, zu forschen und zu erfinden. Es gelte also, sich nicht auf dem Erreichten und den Lorbeeren auszuruhen. Wilhelms: „Es ist für Euch, liebe Abiturientinnen und Abiturienten wichtig, sich in eine Gesellschaft einzubringen, mitzutun, nicht nur zu konsumieren und sich um sich selbst zu kümmern.“ Deutschland habe eine ungeheuer große Zahl an Ehrenamtlichen und Celle liege als Stadt – was viele nicht wüssten – dabei an der Spitze in Deutschland.

Nach der Feier spazierten die Ehemaligen in kleinen Gruppen durch Celle und trafen sich am Abend bei einem Mitschüler zum Grillen um den Feuerkorb. Dabei sammelten sie 258 Euro zweckgebunden für die nächste Fahrt des Altgriechisch-Kurses.  Die Summe konnte der Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer des Ernestinums kurzfristig übergeben werden. Ihre eigene Klassenfahrt vor mehr als einem halben Jahrhundert war einst ebenfalls vom Förderverein bezuschusst worden. Ein interessanter Besuch von Kunst- und Bomann-Museum schloss den dritten Tag des Beisammenseins ab, bevor man die neuesten Handy-Nummern austauschte und wieder den z. T.  langen Heimweg antrat.

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