Pannenhilfe mit Herz – Abschleppdienst Jordan feiert Jubiläum

Wirtschaft Von Anke Schlicht | am So., 30.08.2020 - 09:21

CELLE. Das Telefon klingelt gefühlt minütlich, auf dem Betriebsgelände in Westercelle herrscht Umtriebigkeit. Es ist noch mehr los als üblich: Ein großes Fest mit spektakulären Events wie einem Überschlagssimulator oder Kranvorführungen steht ins Haus. Doch Anja und Maik Jordan nehmen sich Zeit, um ein wenig zu berichten über den Start ihrer Firma „Abschleppdienst Jordan“, der gestern zehnjähriges Jubiläum feierte - mit einem großen Fest, Feuerwehr- und Sicherheitsvorführungen, Kinderhüpfburg und Musik mit "Jonah and the Tree". 

Das Geheimnis ihrer Ruhe und Gelassenheit offenbart sich nach und nach während des Besuches in Gesprächen mit Kunden, Mitarbeitern und den beiden Inhabern selbst: Dieser Betrieb wird von Menschen geführt, für die ihr Beruf Berufung ist. „Es macht einfach Spaß, zur Arbeit zu kommen“, sagt Maik Jordan, was bei ihm wenig überrascht. „Immer, ein Leben lang“, antwortet der gelernte KfZ-Mechaniker auf die Frage, ob der Umgang mit Autos sein Traumberuf sei. Bei seiner Frau war das anders. „Ich hab‘ mal Zahnarzthelferin gelernt“, erzählt sie. Die Wietzern ist hineingewachsen ins Metier, mittlerweile ist der Hof mit einem riesigen Fuhrpark an Schleppern und einem Kran ein gewichtiger Teil ihres Zuhauses, auch wenn zunächst sie diejenige war, die ihrem Mann ein wenig die Flügel stutzte, weil seine Pläne von der Selbständigkeit ihr zu hochfliegend erschienen. Aber wenn er sich dann durchsetzte, zog sie mit. „Das erste Jahr haben wir alles alleine gemacht“, berichtet Maik Jordan. 

Ein Celler Abschleppunternehmen schloss die Tore, das war im Jahr 2010 die Chance für das Paar. Für mehr als ein bis zwei Firmen der Branche besteht keine Nachfrage. Die Jordans füllten die Lücke, starteten mit einem Wagen, inzwischen sind es elf Schlepper, 15 Mitarbeiter und eine Zweigstelle in Lehrte. „80 Prozent der Autohäuser in Celle haben wir unter Vertrag“, erzählt der 42-Jährige. Er stammt aus Lehrte, die Nähe beider Kleinstädte zu Hannover hat seinen Aktionsradius von vornherein mitbestimmt, und so laufen zwei Fahrzeuge für zwei VW-Autohäuser mit voller Auslastung in der Landeshauptstadt. 

„Weil ich Qualität geliefert bekomme und alles immer funktioniert“, begründet der Betreiber von „Alex-Garagen“ in Hannover, Alexander Meier, seine Zusammenarbeit mit dem Celler Abschleppdienst. Meier kommt während der Jubiläumsvorbereitungen vorbei und wird in gewohnter Weise bedient, von Hektik keine Spur. Er ist einer der zahlreichen Wegbegleiter während der vergangenen zehn Jahre, bei denen sich das Ehepaar Jordan mit dem Hoffest bedanken möchte, weil „sie die Treue gehalten haben und viele, gerade aus unseren Familien, uns sehr geholfen haben“, blickt Anja zurück. Einige Freunde und Verwandte standen der Firmengründung zu Beginn kritisch gegenüber, an Unterstützung ließen sie es dennoch nicht fehlen. Das Ehepaar hat zwei Söhne und eine Tochter, Familie wird bei den Jordans groß geschrieben und durchaus auf den Betrieb ausgedehnt. „Es ist ein Miteinander, ob mit den Chefs oder mit den Kollegen“, beschreibt der langjährige Angestellte Karsten Kirch das Arbeitsklima. „Man setzt sich zusammen und findet auch für Persönliches ein offenes Ohr. Dieses Familiäre ist es, was mir gefällt. Hier gibt es nichts Abgestumpftes“, sagt Kirch. Gradmesser für gute Zusammenarbeit sind für ihn LKW-Bergungen. „Die sind immer spektakulär, man weiß nie, was gefordert sein wird. Das ist nur im Team lösbar“, gibt er Einblick in den Betriebsalltag, der ein Einzugsgebiet zwischen Eschede, Hildesheim und Garbsen abdeckt. 

Wieder war es Anja Jordan, die ihren Mann bremste, als er vorschlug: „Wir starten im LKW-Bereich“. Zunächst hatte sich die Firma auf PKWs beschränkt. Heute ist sie froh über Maiks Risikobereitschaft, denn sie liebt das Abwechslungsreiche an ihrem Job und dazu tragen die Mehrtonner bei. „Man kann den Tag nicht planen“, erläutert Anja einen Vorzug dieser Form der Selbständigkeit. Die Identifikation mit dem Betrieb ist groß. Selbst wenn das Ehepaar mit dem Wohnmobil unterwegs ist, bleiben sie erreichbar. „Es könnte sein, dass Kunden oder Mitarbeiter uns brauchen“, begründen sie den Verzicht auf ungestörten Urlaub. „Wir fahren nicht einfach auf den Hof unserer Vertragspartner und lassen die Menschen aussteigen, wir begleiten bis zum Tresen und bleiben, bis alles geklärt ist“, erläutert Maik Jordan. Für ihn, seine Frau und das gesamte Team hat der Satz „Der Kunde ist König“ noch Bedeutung. Sie füllen ihn mit Leben, indem sie etwas von ihrer Leidenschaft für das, was sie tun, einfach weitergeben.

So viel Engagement und Qualitätsarbeit blieb auf Branchenebene natürlich nicht verborgen. „Das macht mich stolz“, sagt der Celler Unternehmer und zeigt auf eine Urkunde an der Wand, die vom Dachverband „assistance partner“ für hervorragende Leistungen vergeben wird - viel Anerkennung von allen Seiten – allerdings mit Ausnahme einer speziellen Gruppe von Verkehrsteilnehmern. „Ja, da sind wir immer die Bösen“, merkt Jordan beim Thema Abschleppen von unrechtmäßig abgestellten Autos an. Unter dem Strich jedoch nichts, was den Spaß am gewählten Standbein trüben könnte: „Das macht nur einen Prozent unserer Tätigkeit aus“, erläutert der Dienstleister. Und selbst diesem Personenkreis kann Maik Jordan noch etwas Positives abgewinnen: „Es gibt auch nette Falschparker.“

Fotos: Peter Müller / Peter Fehlhaber