HANNOVER/ROTENBURG/WINSEN. Martin Bäumer, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, besteht weiterhin auf die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Die CDU-Fraktion bezweifelt die gestern präsentierte Analyse des beauftragten Labors. In einer Erklärung heißt es, ungekürzt und unkommentiert:

„Im Fall des mutmaßlichen Wolfsangriffs im Kreis Rotenburg konnte nicht eindeutig belegt werden, welches Tier tatsächlich für den Biss verantwortlich war. Man muss sich schon die Frage stellen, warum ausschließlich das Senckenberg-Institut mit der DNA-Analyse beauftragt wurde und nicht beispielsweise ein forensisches Institut, das sich deutlich besser mit der konkreten Spurensuche am Tatort auskennt. So wäre auch eine rechtssichere Rekonstruktion des Angriffs anhand von Blutspritzern und ähnlichen Indizien möglich gewesen. Aktuell sind wir so schlau wie vor der DNA-Analyse. Daher begrüßen wir die Entscheidung des Umweltministers, das vor Ort gut bekannte Wolfsrudel umgehend besendern zu lassen und ein Bewegungsprofil zu erstellen. Ebenfalls ist es richtig, die DNA-Proben intensiver zu prüfen, auch mit Blick auf eine mögliche Hybridisierung.

Unabhängig von diesen Ergebnissen gehört der Wolf ins Jagdrecht, um verhaltensauffällige Tiere töten und den Bestand nach Feststellung des günstigen Erhaltungszustandes regulieren zu können. Verhaltensauffällig sind Wölfe dann, wenn sie ihre natürliche Scheu vor dem Menschen abgelegt und wiederholt Weiden oder Siedlungen aufgesucht haben. Durch die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht können zudem Zuständigkeiten und Befugnisse rechtssicher geregelt werden. Unser Ziel ist die Bestandsregulierung, um die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung sicherzustellen.“

Das Umweltministerium weist die Unterstellung zurück: „Das ist eine absurde Debatte. Das Senckenbergs-Institut ist deutschlandweit anerkannt. Es ist wenig hilfreich, hier die Arbeit des Instituts anzuzweifeln.“

CELLEHEUTE fragte nach, ob Vertreter der CDU als mitregierende Partei keinen Einfluss auf die Auswahl der Institute hätten. Hatte sie außerdem auch im Vorfeld das Seckenberg-Institut als nicht vertrauenswürdig hinterfragt oder erst, nachdem nicht das „gewünschte Ergebnis“ vorlag? Darauf antwortet der stellvertretende Pressesprecher der CDU-Fraktion, Marco Zacharias:

„Wir haben nicht behauptet, dass das Senckenberg-Institut nicht vertrauenswürdig wäre. Es ist vielmehr spezialisiert allein auf die Auswertung von DNA-, also biologischen Spuren. Andere Spuren bleiben unberücksichtigt. Dies wird vor allem dann zum Problem, wenn – wie im Rotenburger Fall geschehen – keine eindeutigen Ergebnisse vorliegen. So sind beispielsweise am Hammer, den der städtische Mitarbeiter zur Abwehr der Tieres benutzt hat, genetische Spuren eines Rehs festgestellt worden. Dass es sich beim angreifenden Tier allerdings nicht um ein Reh gehandelt haben kann, liegt auf der Hand. Auch der Fund von Hunde- und Katzenhaaren an der Kleidung, immerhin die häufigsten Haustiere in Deutschland, lässt eben keinen Rückschluss darauf zu, ob das angreifende Tier nun ein Hund, Marder oder eben ein Wolf gewesen ist. Der Erkenntnisgewinn der bisherigen DNA-Analyse ist also gleich null: Wir wissen nicht, welches Tier für den Biss verantwortlich war. Vor Gericht würde man wohl sagen: Freispruch aus Mangel an Beweisen. Das ist nicht zufriedenstellend, da die Menschen vor Ort im Unklaren bleiben.

Die CDU-Landtagsfraktion hat im Übrigen keinen Einfluss auf die Auswahl des Instituts. Im Senckenberg-Institut werden seit 2010 die Proben bundesweit im Rahmen des Wolfsmonitoring auf Basis eines einzigen DNA-Satzes untersucht. Immer wieder heißt es dort nach den Untersuchungen, dass keine konkreten Aussagen getroffen werden können. Der ‚Freispruch aus Mangel an Beweisen‘, beispielsweise bei Rindern, kommt regelmäßig, bei Pferden sogar grundsätzlich vor. Deshalb ist der zusätzliche Einsatz von forensischen Instituten sinnvoll, um belastbare Informationen zu erhalten.“

 

*Aktualisiert* „Rotenburger Wolfsbiss“ – Ergebnis der DNA-Untersuchung: Kein Nachweis für einen Wolf

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.