CELLE. Nachdem die CDU von der Stadtverwaltung fordert, bei den aktuellen Graffitischmierereien „aktiv vorzugehen“, appelliert die AfD auch an die Kurden selbst. Ihr Vorsitzender Thomas Ehrhorn will die örtliche kurdische Gemeinde um Mithilfe bei der Beseitigung der Schäden bitten.

„Weil die Schriftzüge und Symbole klar einen Bezug zu kurdischen Themen aufweisen und teilweise auch nicht in Deutsch verfasst sind, ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass es sich bei den Tätern um Mitglieder der kurdischen Gemeinde handelt. Wenn sich diese eng verbundene Gruppe daran beteiligen würde, die Schäden wieder zu beseitigen und solche in Zukunft möglichst zu verhindern, wären wir deren Mitgliedern sehr dankbar“, erläuterte Ehrhorn.

Es sei klar, dass allein die Täter selbst die Schuld träfe und keinesfalls deren Gemeinschaft für ihr Tun in Haftung genommen werden könne. „Es wäre aber für das Zusammenleben schön, wenn innerhalb der Celler Kurdengemeinschaft derartige Straftaten mit Nachdruck geächtet würden und den oft hilf- und fassungslos vor ihren beschmierten Fassaden stehenden Opfern von dort finanzielle Unterstützung gewährt würde. Bei aller berechtigten Kritik an dem Verhalten der schwarz-roten Bundesregierung gegenüber Herrn Erdogan und der Türkei, dürfe dies nicht dazu führen, dass Unbeteiligte, wie Celler Hauseigentümer, öffentliche Einrichtungen oder Privatunternehmen, deshalb in ihren Rechten verletzt würden.

„Auch wir von der AfD haben kein Verständnis dafür, dass Frau Merkel Deutschlands Schicksal einem Autokraten ausgeliefert hat, nur weil sie nicht fähig ist, die eigenen Grenzen wirksam zu schützen. Deshalb richten wir uns aber mit demokratischen Mitteln gegen die Bundesregierung und greifen nicht wahllos das Eigentum irgendwelcher Mitbürger an“, führte der Celler Bundestagsabgeordnete Ehrhorn aus.

CelleHeute fragte nach:

Verstehen wir Ihre Pressemitteilung richtig, dass Sie im Umkehrschluss erwarten, dass sich die „deutsche Gemeinschaft“ an Graffiti-Schäden beteiligen soll, die von deutschen Tätern verübt wurden?

Falls ja, wie stellen Sie sich die Praxis vor? Und wie ließe sich eine deutsche Gemeinschaft bei Kurden und/oder Migranten mit deutschem Pass konkret definieren? Falls nein, warum nicht?

Antwort:
Zum einen „erwarten“ wir hier gar nichts, sondern möchten nur etwas anregen. Zum anderen muss sich die „deutsche Gemeinschaft“ (und dazu gehören insoweit alle, die hier leben und etwa Steuern oder Versicherungsbeiträge etc. leisten, natürlich auch Kurden) häufig zwangsläufig an der Beseitigung von Graffiti-Schäden beteiligen, egal, ob über den Staat oder Versicherungen.

Es geht uns aber auch nicht darum, in „deutsche Gemeinschaft“ oder kurdische Gemeinschaft zu unterscheiden. Die Kurden bilden aber eine sehr enge Gemeinschaft in Celle, wie etwa an dem ezidischen Kulturzentrum zu sehen ist. Und die Graffiis haben einen ausdrücklichen Bezug zu ihrer aktuellen politischen Lage.

Wenn Graffiti-Schäden (rein theoretisch!) z. B. Mitgliedern der evangelischen Gemeinde (in dieser Eigenschaft) in Celle zuzuordnen wären, würden wir es auch begrüßen, wenn die örtliche evangelische Kirche darauf reagieren und vor allem klarmachen würde, daß sie das nicht toleriert. Sofern dann von der evangelischen Gemeinde den Opfern solcher Schmierereien auch noch Hilfe zukäme, wäre das ein schönes Zeichen. Auch, wenn beispielsweise Mitglieder der Rheinischen Vereinigung in Celle sehr eindeutig irgendwelche Schmierereien verursacht hätten (ebenfalls nur theoretisch!), wären Reaktionen, wie wir sie vorschlagen, doch nicht fernliegend.

Eine solche Aktion, wie wir sie anregen, dient gerade dazu, zu zeigen, dass so ein Verhalten von den hier lebenden Kurden nicht toleriert wird. Wie ausgeführt, können wir hier nur darum bitten und dies anregen. Wir gehen im übrigen sehr sicher davon aus, dass die kurdische Gemeinschaft in Celle das auch nicht falsch verstehen wird.

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