*Aktualisiert* AfD-Wahlkampfauftakt in Unterlüß mit Jörg Meuthen

Politik Von Anke Schlicht | am So., 29.08.2021 - 09:47

UNTERLÜSS. Prominenter geht es bei Parteiveranstaltungen nicht, als den Bundesvorsitzenden einzuladen. Und so kam die Nummer Eins der AfD auf Bundesebene, Prof. Jörg Meuthen, nach Unterlüß, um dem Wahlkampfauftakt der AfD-Kreisverbände Uelzen und Celle Fahrt zu verleihen. Aber weder seine Strahlkraft noch die des niedersächsischen Spitzenkandidaten, Joachim Wundrak, reichten aus, um das Unterlüsser Bürgerhaus bis auf den letzten Platz zu füllen. Die AfD zählt 105 Teilnehmer, die Polizei 95.

Auf dem Weg zum Veranstaltungsort galt es, nicht nur Reihen von Polizisten zu passieren, sondern auch die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) angemeldete Gegenveranstaltung. Die Veranstalter zählten 110 Teilnehmer, die Polizei 80.

*In unserer ursprünglichen Version hatten wir fälschlicherweise 110 Demonstranten zu 80 AfD-Teilnehmern gemeldet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.*

Etliche Verbände wie das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus hatten sich zusammengetan, um nach den Worten des DGB-Kreisvorsitzenden Dirk Garvels, „ein klares Zeichen zu setzen für Solidarität und Gemeinwohl“. „Wir halten die AfD für unsozial und unsolidarisch und zunehmend menschenverachtend“, sagte Garvels.

Gleich der erste Redner des Nachmittags von insgesamt fünf knüpft an an derlei Bewertungen, wenn er beim Thema Afghanistan von afghanischen Bürgern spricht, die von Deutschland aus Urlaub in Afghanistan machten und dann ausgeflogen werden müssten. Als es um die Ortskräfte geht, wird er sehr leise, seine Ausführungen sind kaum zu verstehen. Jörg Meuthen bringt ein wenig Licht ins Dunkel, als er berichtet, die Partei sei bei diesem Thema uneinig. Er sei dafür, Ortskräfte mit ihrem engsten Familienkreis nach Deutschland zu holen.

Meuthen unterscheidet sich von den übrigen Referenten, indem er sich bemüht, witzig zu sein, meistens auf Kosten der gegnerischen Parteien. Olaf Scholz sei einzig und allein Kanzlerkandidat geworden, weil er als einziger vorzeigbar sei. „Ja, sollte man denn Saskia Esken aufstellen?“ Darüber hinaus reiht er sich ein in den Gesamttenor des Wahlkampfauftaktes, der komplexe Sachverhalte sehr vereinfacht und sich abarbeitet am Unvermögen der Regierung, der EU und der gegnerischen Parteien, die Grünen rangieren hier ganz oben. „Unser eigentlicher politischer Gegner sind die Grünen“, hob Wundrack deutlich hervor, der von „linksgrünen Politikern“, „neuer Klimareligion“ und „CO2-Planwirtschaft“ sprach. Meuthen wandelt ein wenig ab und verwendet den Begriff „Ökosozialisten“. Der Bundessprecher ist einer von zwei Referenten, der an einer Stelle konkret wird und einen Vorschlag macht, wie die AfD sich anstehender Probleme annehmen würde. „Ich will auch eine Energiewende, angetrieben von Hightech. Auf Kernenergie ist dabei nicht zu verzichten“, sagt er mit Verweis auf eine neue Generation von Reaktoren.

Die Bundestagsabgeordnete Corinna Miazga aus Bayern referiert ausschließlich über das Auto und macht in diesem Kontext deutlich, dass die AfD am Verbrennungsmotor festhält und auf synthetische Kraftstoffe setzt. Auch Martin Hess aus Baden-Württemberg widmet sich im Kern nur einem Thema, nämlich der inneren Sicherheit. Als ehemaliger Polizeibeamter und jetziger Bundestagsabgeordneter liegt dieses nahe. Er wünscht sich ein „Deutschland mit vernünftiger Sicherheitsarchitektur“, spricht von Massenmigration aus Afghanistan und der Notwendigkeit, die Grenzen zu schützen.

Thomas Ehrhorn, ebenfalls MdB, und Celler Kreisvorsitzender, kommt der schwierige Part zu, als Letzter aufs Podium steigen zu müssen. Die Reihen haben sich bereits gelichtet, als er vom nötigen neuen Image der AfD berichtet, den Verlust der deutschen Selbstachtung beklagt und die Wurzeln der grünen Partei beschreibt: „Sie ist entstanden aus einer Horde von 68igern, die den Sozialismus und Kommunismus installieren wollte.“ Überschrieben hat er sein Referat mit „Was ist Normalität?“ Als Beispiel nennt er einen Familienvater, der für seine Frau und seine Kinder sorgen müsse. Ebenso müsse sich eine Regierung in erster Linie ums eigene Land kümmern.

An einigen Stellen wird wie bei allen fünf Rednern geklatscht, aber der Funke springt auch bei seinem Redebeitrag nicht über. Niemand steht auf, um zu applaudieren, die Stimmung ist bei diesem Wahlkampfauftakt eher verhalten.