LÜNEBURG / CELLE. Das lange Tauziehen zwischen vermeintlichen Tierschützern von „Peta“ und dem Landkreis Celle auf der einen Seite und dem Zirkus Belly auf der anderen hat ein Ende gefunden: Richter des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg haben das Verfahren um den Verbleib des Zirkusaffen Robby eingestellt.

Ein anders lautendes Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg als Vorinstanz ist damit wirkungslos, eine Revision nicht zugelassen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Robby bleibt bei der Zirkusfamilie, bei der er seit 43 Jahren lebt. Tieraktivisten von „Peta“ hatten geforderte, dass Robby ein „artgerechter Lebensabend“ in einer Auffangstation ermöglicht werden müsse. Der Schimpanse wurde in einem Zoo geboren und früh von seinen Artgenossen getrennt.

Der rund 47 Jahre alte Robby hätte laut einer Anordnung des Landkreises Celle aus dem Jahr 2015 in eine auf die Resozialisierung von Menschenaffen spezialisierte Einrichtung abgegeben werden müssen. Der Zirkusbetreiber Klaus Köhler vom Circus Belly hatte dagegen Klage eingereicht.

„Schimpansen sind keine Labormäuse“ – Affenzirkus um Zirkusaffen?

Der Landestierschutzverband Niedersachsen ist enttäuscht: „Die Gerichtsentscheidung ist wieder einmal eine Aushebelung des Tierschutzgesetztes“, ist Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, überzeugt. In einer Pressemitteilung heißt es, ungekürzt und unkommentiert:

Bereits 2007 wurde festgestellt, dass die Haltung von Robby nicht tiergerecht ist. Menschenaffen dürfen nicht in Zirkussen gehalten werden. Robbys Besitzer hatte sich gegen eine tierschutzgerechte Unterbringung seines geliebten Tieres und für eine weitere Nutzung im Zirkus entschieden und geklagt.

Verhaltensweisen antrainiert

Der Besitzer ist ausgebildeter Tiertrainer und kann somit jederzeit bestimmte Verhaltensweisen bei seinem dressierten Affen hervorrufen. So kann man jede Lebenssituation entsprechend darstellen, auch einen aus Sicht des Menschen zufriedenen Affen. Alle Untersuchungen wurden im Einflussbereich des Besitzers in seiner gewohnten Umgebung durchgeführt und geben somit gar keinen Aufschluss darüber, wie sich Robby in einer neutralen Umgebung verhalten würde.

Tiere im Zirkus

Der Landestierschutzverband lehnt die Haltung von Wildtieren in Zirkussen ab. Mit diesem Gerichtsentscheid befürchten die Tierschützer weitere Ausnahmeregelungen. „Statt sich – wie in vielen anderen Länder bereits geschehen – die Wildtierhaltung zu verbieten, wird jetzt wieder eine Tür geöffnet. Wir befürchten, dass dieses Urteil mögliche weitere Entscheidungen zur Wildtierhaltung im Zirkus oder in Privathand zu Lasten der gehaltenen Tiere beeinflussen wird,“ so Ruhnke.

Sozialisierung unmöglich?

Ein wesentlicher Punkt für die Gerichtsentscheidung ist es, dass Robby nie mit Artgenossen zusammengelebt hat und es jetzt bei einer Sozialisierung zu Schwierigkeiten kommen könnte. Die Eingewöhnung in eine artgerechte Auffangstation wäre aus Sicht der Tierschützer allerdings sehr behutsam vorgenommen worden.

„Ein Versuch wäre es auf jeden Fall Wert gewesen“, bedauert Ruhnke, „Jetzt bekommt Robby ein paar Stunden täglich menschliche Aufmerksamkeit und muss viele Stunden des Tages allein und verlassen in seinem nicht tierschutzgerechten Käfig bis zu seinem Lebensende hinvegetieren.“



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