LÜNEBURG. „Nach den Bundestagswahlen muss der agrarpolitische Stillstand der vergangenen Jahre überwunden werden. Die Weichen müssen wir gemeinsam für eine bäuerliche und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft stellen“, so die Sprecher des Agrarbündnisses Niedersachsen anlässlich einer Vorabaktion zur Agrarministerkonferenz (AMK), die vom 27.-29. September in Lüneburg stattfindet.

„Wir haben in der Milchkrise 2015/16 ein Zehntel aller Milchbetriebe in Deutschland verloren. Laut Bundeskartellamt versagen die Marktgesetze. Die Milchbauern tragen das Risiko alleine und kommen gegen die Übermacht der Molkereien, z. B. durch lange Kündigungsfristen, nicht an“, so Johanna Böse-Hartje, Milchbäuerin aus Thedinghausen und Landesteamleiterin des Bundesverbandes der Deutschen Milchviehhalter. „Deshalb müssen die neue Bundesregierung und die Länderregierungen Regeln schaffen, die einen preisruinierenden Anstieg der Erzeugungsmengen vermeiden. Unsere Vorschläge für ein Marktkriseninstrument liegen den Minister*innen vor. Wir sind zur Mengenvernunft bereit und fordern
als Marktteilnehmer Augenhöhe mit den Molkereien. Die Zukunft liegt für uns nicht auf den Exportmärkten der Welt, sondern in der Qualitätserzeugung wie Weidehaltung, Langlebigkeit der Kühe oder eine grasbetonte, Kraftfutter reduzierende und gentechnikfreie Fütterung.“

„Die neue Bundesregierung und die Länder müssen jetzt einen Umbau zu einer tiergerechten und umweltschonenden bäuerlichen Nutztierhaltung einleiten. Ein entsprechendes Programm muss in den neuen Koalitionsvertrag – mit einem genauen Zeitplan, einer gesicherten Finanzierung und konkreten Vorgaben, welche Gesetze geändert werden müssen“, fordert Tilman Uhlenhaut, stellvertretender Geschäftsführer des BUND Niedersachsen. „Eckpunkte sind eine Nationale Nutztierstrategie, verbindliche Zeit- und Finanzpläne und eine Haltungskennzeichnung. Reserveantibiotika im Stall und das
Töten von Eintagsküken müssen umgehend verboten werden! Die Agrarwende, wie sie in Niedersachsen begonnen wurde, muss auch bundesweit an Fahrt aufnehmen.“

„Jahrzehntelang hieß es für die Bauern ‚Wachsen oder Weichen‘. Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Bauern haben diesen Weg befördert. Das hat uns ein gigantisches Höfesterben und mittlerweile die zunehmende Kritik der Zivilgesellschaft gebracht. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, sind Bauern bereit, den Umbau der Landwirtschaft anzupacken, wenn dafür von der Politik klare Rahmenbedingungen gestellt werden“, so Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. „Wir fordern die Agrarminister*innen auf, einen konkreten Vorschlag für eine bäuerliche und ökologische EU-Agrarreform vorzulegen. 85 Prozent der Direktzahlungen aus Brüssel gehen an 20 Prozent der Betriebe, damit muss Schluss sein! Wir fordern, die Zahlungen an konkrete gesellschaftliche Leistungen zu binden. Schon jetzt ist eine andere Förderpolitik möglich, z. B. durch Erhöhung der Direktzahlungen auf die ersten Hektare, um kleineren und mittleren Betrieben sowie jungen Menschen in der Landwirtschaft eine Perspektive zu bieten.“

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.