Millionen-Investition am AKH: Neue Geräte für die Strahlentherapie

Medizin Von Extern | am Fr., 07.05.2021 - 17:26

CELLE. Zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten verschiedener Krebserkrankungen werden in den kommenden Monaten drei neue medizinische Gerätschaften im Bereich der Strahlentherapie des AKH installiert und in Betrieb genommen - zwei Linearbeschleuniger und ein Planungs-CT. „Mit diesen hochmodernen Linearbeschleunigern wird die Bestrahlung für die Patientinnen und Patienten schneller, sicherer und damit insgesamt noch schonender. Eine Investition in die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Celle“, erklären die beiden AKH-Vorstände Dr. Martin Windmann (Vorsitzender) und Franz Caesar.

Die Investitionssumme beläuft sich laut Angaben des AKH inklusive der notwendigen Umbauarbeiten auf etwa 5,5 Millionen Euro. „Mit dieser High-Tech-Ausstattung können wir heimatnah Therapien im Kampf gegen den Krebs auf dem absolut neusten Stand der Dinge anbieten“, sagt Dr. med. Solveig Schulz, Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie am AKH Celle. Der vielleicht größte Vorteil des ersten Gerätes – einem „Halcyon“-Beschleuniger der Firma Varian: Die Bestrahlung selbst dauere nur noch 15 bis 30 Sekunden und nicht mehr wie bei älteren Linearbeschleunigern mehrere Minuten, so das AKH. Auch die Lagerungsaufnahmen vor jeder Bestrahlung erfolgen in vierfacher Geschwindigkeit. „Diese deutlich kürzere Liegezeit ist für die Patientinnen und Patienten ein enormer Vorteil“, unterstreicht die Krebsexpertin Schulz. So könnten zum Beispiel Ungenauigkeiten durch eventuelle Patientenbewegungen oder Bewegungen des Tumors, etwa wegen der Atmung, während der Bestrahlung minimiert werden. „In bestimmten Fällen, bei Bestrahlungen im Brustkorb, könnten Patientinnen und Patienten dann sogar für 15 Sekunden die Luft anhalten, um eine möglichst hohe Genauigkeit der Behandlung zu ermöglichen“, erläutert Dr. Solveig Schulz.

Doch nicht nur die Behandlungsdauer werde künftig enorm verkürzt, auch die notwendige Röntgenenergie sei geringer als bei bisherigen Linearbeschleunigern. Das System rechne dabei automatisch die Strahlendosis der Kontrollaufnahme in die Gesamt-Strahlendosis mit ein. „Das alles ermöglich eine besonders präzise und schonende Bestrahlung“, so die Chefärztin.

Die notwendigen Umbauarbeiten für den „Halcyon“-Beschleuniger, der sich in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte, sollen voraussichtlich am 10. Mai beginnen. Ende Juli könnten dann schon die ersten Patientinnen und Patienten behandelt werden. Ende August wird das neue Planungs-CT erwartet. Voraussichtlich im November beginnen dann die Arbeiten für den zweiten neuen Linearbeschleuniger, die im Frühjahr 2022 abgeschlossen werden sollen.

Die Linearbeschleuniger sind einsetzbar für die Behandlung aller Krebsarten, insb. auch von Prostata-, Brust-, Kopf- und Halskrebs sowie zahlreicher anderer und auch seltenerer Krebsarten, wie zum Beispiel Hirntumoren oder Lymphomen. Sollten Patienten mit einer Behandlung oder mit einem Vorsorgetermin jetzt also bis zum Juli warten? Keinesfalls, unterstreicht die Chefärztin der Strahlentherapie. „Ich freue mich zwar sehr auf diese einzigartige Technik, aber Abwarten ist beim Thema Krebs niemals eine Option – auch und gerade nicht in Corona-Zeiten. Es kann mitunter lebenswichtig sein, Krebsvorsorgetermine wahrzunehmen oder auch bei Symptomen zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen“, unterstreicht sie. „Je früher eine Diagnose gestellt wird, je früher kann die Behandlung beginnen - und je größer sind dann meist die Heilungschancen.“

Die neuen Linearbeschleuniger werden dabei jedoch nicht ausschließlich für die Behandlung von Krebspatienten eingesetzt. Auch bei Arthrose oder anderen Gelenkserkrankungen ist Bestrahlung weiterhin möglich, was Beschwerden oftmals lindern und Lebensqualität schenken kann. „Wir möchten der Celler Bevölkerung die modernsten medizinischen Gerätschaften für beste Behandlungsergebnisse auf neustem Stand der internationalen Wissenschaft anbieten. Die neuen Linearbeschleuniger mit ihrem breiten Einsatzgebiet und der für die Patientinnen und Patienten noch sichereren und schonenderen Behandlung sind dabei nur zwei aktuelle Beispiele“, so die AKH-Vorstände Windmann und Caesar. „Wir werden auch weiter stetig daran arbeiten, die medizinische Ausstattung auf dem neuesten Stand zu halten und technische Innovationen im AKH zu etablieren.“