CELLE. In einer Facebook-Eilmeldung einer Zeitung heißt es heute wörtlich: “CDU-Klüngel im Celler Rathaus. Der künftige CDU-Oberbürgermeister Jörg Nigge ist noch gar nicht im Amt, da wird schon der Verdacht der Vetternwirtschaft laut. Nach Auskunft des Noch-Oberbürgermeisters Dirk-Ulrich Mende (SPD) soll Nigge Einfluss auf die Ausschreibungskriterien für eine Stelle in der Wirtschaftsförderung der Stadt genommen haben, um einem Parteifreund den Weg zu einem Job im Neuen Rathaus zu ebnen. Bei dem möglichen Kandidaten handelt es sich um den Büroleiter des Celler CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Adasch. Nigge behauptet, dass die Stellenausschreibung mit ihm ‘zumindest inhaltlich’ in keiner Weise abgestimmt worden sei.” Die CDU-Politiker Heiko Gevers und Thomas Adasch äußern sich dazu in Pressemitteilungen – wir zitieren wie gewohnt ungekürzt und unkommentiert.

Heiko Gevers schreibt:

Wahlniederlagen tun weh. Manch einer wird damit fertig, manch einer aber nicht. Nur so ist das Kommunikationsbedürfnis des noch amtierenden Oberbürgermeisters über seine letzten dienstlichen Obliegenheiten zu verstehen.

Nicht immer stimmen wir mit Darstellungen in der Celleschen Zeitung überein, aber im heutigen Bericht stimmt Folgendes auf jeden Fall: Wer Wirtschaftsförderung betreibt, sollte „etwas von wirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen“. Leider trifft dies nur bedingt für den Juristen und selbst benannten, noch amtierenden Oberwirtschaftsförderer Mende zu. Deshalb ist es gut, dass der neugewählte Oberbürgermeister von der Materie nachweislich etwas versteht und die laufenden Beschwerden aus der Celler Wirtschaft aufnehmen kann.

Zu einer erfolgreichen Wirtschaftsförderung gehört ein gut geführtes Team mit breit gefächerten Qualifikationen. Bei der Anwerbung und Vermarktung sowie bei der Betreuung der Wirtschaft braucht man eine Arbeitsgruppe, die über Fachwissen, Organisationstalent und Kommunikationsfähigkeit verfügt. Die Verwaltung der Stadt hat im Januar eine Ausschreibung erarbeitet, die eine freigewordene Stelle in der Wirtschaftsförderung in diesem Sinne beschreibt.
Von der Verwaltung vorgesehen war ein offenes, anonymes Bewerbungsverfahren für das neue Team-Mitglied. Das hätte Herrn Mende gefallen müssen, da er besonderen Wert auf anonyme Verfahren legt – obwohl 2016 nur 18 der 48 Stellenausschreibungen der Stadt anonym durchgeführt wurden. Diese neue Ausschreibung hat Herr Mende aber angehalten und die entsprechende dienstliche Anweisung den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses, dem Personalrat und weiteren Mitarbeitern im Rathaus zukommen lassen. Diese interne Dienstanweisung enthält auch Spekulationen über einen „Kandidaten“ für die Stelle, über den Herr Mende sogar auf Facebook recherchierte. Diese Dienstanweisung fand auch den Weg in die Cellesche Zeitung.

Somit war das Szenario für ein öffentliches Skandälchen komplett. Herr Mende wettert in der CZ über „Durchstechereien“ bei Besetzungen. In biedermännischer Art begründet er die Weitergabe seiner Dienstanweisung an den breiten Adressatenkreis mit der „Einmaligkeit dieses Vorganges“. Der Redakteur der CZ spekuliert über „Seilschaften“ und „verlorengegangenes Vertrauen“.

Hier scheint es keinen Raum für die wesentlichen Fakten zu geben: dass Herr Dr. Nigge an der Formulierung der Ausschreibung nicht beteiligt war; dass er von einem potentiellen Bewerber gesprochen haben mag, aber keinen „Kandidaten“ im Ärmel hatte, dem eine Stelle im Rathaus zu verschaffen wäre – was der zuständige Personaldezernent auf Nachfrage ausdrücklich bestätigt. Statt dessen der Versuch der Diskreditierung des künftigen Oberbürgermeisters und nebenbei auch des Landtagsabgeordneten und seines Mitarbeiters. Alles garniert mit den Krokodilstränen eines „traurigen“ Herrn Mende.

Dass der scheidende Oberbürgermeister tatsächlich eine traurige Figur macht, zeigt sich – nicht nur, aber auch – an diesem ganzen „Vorgang“. Die Spitze seiner Unfähigkeit, in Würde zu scheiden, dokumentiert sich in seiner groß angelegten Verabschiedung, zu der er im Januar viele, aber seinen Nachfolger bisher nicht eingeladen hat. Um ihm, wie es guter Brauch wäre, in Anerkennung des Wählerwillens und als Zeichen der Amtsübergabe die Bürgermeisterkette der Stadt Celle zu überreichen.

Thomas Adasch:

Im Zusammenhang mit den Vermutungen um eine mögliche Stellenausschreibung bei der Stadt Celle möchte ich insofern Stellung nehmen, als dass Politik natürlich von der harten Auseinandersetzung, teilweise auch Übertreibung und Skandalisierung lebt. Das alles müssen Politiker aushalten können. Wenn jetzt allerdings angefangen wird, auf Kosten von Mitarbeitern, die abseits der politischen Bühne ideologiefrei ihre Arbeitsverträge erfüllen, den politischen Gegner anzugehen, empfinde ich das als im höchsten Maße unanständig. Und es gebietet mir meine Fürsorgepflicht als Arbeitgeber, hier einzuschreiten.

Mein Mitarbeiter, der als beruflich und persönlich hoch integrer und qualifizierter junger Familienvater aus rein politischen Gründen durch den politischen Gegner in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde, ist, anders als Herr Mende, Herr Dr. Nigge oder ich, eben keine Person des öffentlichen Lebens, die sich einen solchen Umgang mit der eigenen Person gefallen lassen muss.

Daran ändert auch sein Ratsmandat im Gemeinderat von Hambühren nichts, dies wurde bereits juristisch geprüft. Es wurden Klarnamen, Fotos und Details aus dem beruflichen Werdegang meines Mitarbeiters aus rein politischen Gründen an die Öffentlichkeit durchgestochen, um damit dem politischen Gegner zu schaden. Dabei wurde billigend in Kauf genommen, meinen Mitarbeiter öffentlich zu beschädigen und das lediglich auf der Grundlage von im Raum stehenden Vermutungen.

Mein Mitarbeiter wird dadurch zum Spielball eines politischen Schmierentheaters, gegen das er sich als Person nicht wehren kann. Und ihm wird zugemutet, dass ihm durch diesen Umgang mit seiner Person in der Zukunft berufliche oder auch persönliche Nachteile entstehen, obwohl eine offizielle Bewerbung bei der Stadt Celle nie abgegeben wurde. Mein Mitarbeiter hat bei mir einen gültigen Arbeitsvertrag bis zur nächsten Landtagswahl, den er gedenkt zu erfüllen. Ich hätte mir im Übrigen wirklich gewünscht, dass die Amtsübergabe von Herrn Mende würdevoller erfolgt wäre.

3 Antworten zu “*Aktualisiert* CDU kritisiert Mende: “Skurriles Skandälchen statt würdiger Amtsübergabe””

  1. oette.celle sagt:

    Auf das Fragezeichen “Schlammschlacht bis zum letzten Tag? ” hätte verzichtet werden können. Die Frage/Aussage triff doch voll ins Schwarze. Wir müssen scheints alle einen anderen Umgangston unter den Politikern lernen. Ich frage mich nur, was machen die Herren Gevers, Hörstmann + Co. wenn ihr “Feindbild” Mende nicht mehr im Ant ist. Über wen werden sie dann “ätzen”.
    Und dann spielt Herr Gevers noch die “beleidigte Leberwurst” in dem er einfordert, der OB möge, “wie es guter Brauch wäre seinem Nachfolger in Anerkennung des Wählerwillens und als Zeichen der Amtsübergabe die Bürgermeisterkette der Stadt Celle zu überreichen”. Langsam Herr Gevers, soweit ist es noch nicht. oette.celle

  2. Jan Hendrikx sagt:

    Ich konnte heute morgen meinen Augen nicht trauen, als ich diese Kleinstadt-Posse las. Es wird höchste Zeit, dass wir uns von derartigen “Personen bezogenen Schlammschlachten” verabschieden. Wir brauchen einen personellen und professionellen Neuanfang. Die Chance müssen wir Herrn Dr. Nigge geben.
    Wir, die Fraktion der UNABHÄNGIGEN, werden uns für eine tatkräftige Sachpolitik einsetzen. Wirtschaftsförderung hat dabei Priorität. Wir brauchen Jobs für Celle, das bringt Kaufkraft und junge Menschen in die Stadt.
    Wirtschaftsförderung braucht auch ein leistungsfähiges Team. Die Leitung dieses Ressorts liegt in professionellen Händen. Aber mit einem Mini-Budget und nur 2 oder 3 Mitarbeitern ist das nicht zu schaffen.
    Die Debatte von heute morgen stört nur. Ich möchte gerne wissen, wer etwas Derartiges ausgelöst hat. Jan Hendrikx, Gockenholz

  3. Jan Hendrikx sagt:

    Herr Adasch: eine Frage. Sie sind Arbeitgeber?
    Wie meinen Sie das?
    Jan Hendrikx, Gockenholz

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