CELLE. Der seit 2012 im Bau befindliche Straßenbereich sollte eigentlich bereits im Dezember vergangenen Jahres fertiggestellt sein. Grund für die Verzögerung sei der sandige Untergrund, der den Bau während des laufenden Verkehrs erschwerte. 35000 Fahrzeuge und 7000 Fahrradfahrer passieren hier täglich diese Stelle. „Unter den Straßen hatte es außerdem Probleme mit dem Abwassersystem und dem Stadtgraben gegeben, welche extra für das Projekt umgebaut werden mussten“, sagte Mende. Von den Gesamtkosten in Höhe von ca. 4,3 Mio. Euro trug die Stadt Celle ca. 2,5 Mio. Euro und das Land Niedersachsen etwa 1,8 Mio. Euro. Für den Kreisel selbst waren bis zu sieben Monate Umbauzeit vorgesehen – diese wurde wegen der o.g. Probleme um mehr als das Doppelte überschritten. Doch mit der heutigen Eröffnung ist nun der zweite von insgesamt drei Teilen des Bauprojektes „äußerer Ring“ vorerst fertiggestellt.

Kreisel Neumarkt 1

Ganz fertig ist der Bereich Neumarkt aber noch nicht.

Für die Verkehrsteilnehmer ist die Straßenführung nicht stimmig. Neben der Verwunderung, warum die Allerbrücke in einem Millionenprojekt mehrspurig ausgebaut wurde, um dann von dort kommend auf nur noch eine gezwängt zu werden, sorgen fehlende Schilder auf diesen Zustand für Irritationen. So haben Skeptiker den Unfall am Nachmittag kommen sehen, der genau an diesem Nadelöhr geschah. Rückstau bis weit über den Harburger Berg hinaus die Folge. Beim Einfädeln fuhr ein LKW einer Brauerei auf einen Ford Mondeo auf und schob diesen auf eine Mercedes V-Klasse. Bei der Karambolage entstand ein Gesamtschaden von etwa 3.500 Euro. Personen wurden nicht verletzt. „Die Autofahrer sind es nicht gewohnt, von rechts nach links einzufädeln – wir werden die Schilder entsprechend anpassen“, versprach Kinder. Abgesehen davon wird die rechte Spur am Neumarkt besonders zu Stoßzeiten zum Halten genutzt, um mal eben zum Bäcker oder in die Apotheke zu kommen. Vorher war es möglich – warum hier wenigstens Kurzzeit-Parkplätze „vergessen“ wurden, erschließt sich nicht jedem. Insgesamt wäre Platz gewesen, den Kreisel zweispurig auszubauen. Nur wenige Zentimeter fehlten offenbar vom Grundstück des Ärztehauses, um auch den rechtlichen Maßstäben zu genügen – entsprechende Verhandlungen mit dem Eigentümer waren nicht von Erfolg gekrönt (CelleHEUTE berichtete).

Kreisel Neumarkt

Doch mindestens die am Weißen Wall ansässigen Geschäftsinhaber sind erleichtert über die Fertigstellung des Platzes. Christian Hagelberg, Inhaber der „Bier Akademie“, sagte: „Ich bin sehr froh darüber, dass die Baustelle vor unserem Restaurant weg ist. Unsere Gäste haben lange auf Schutt schauen müssen und wurden durch Baulärm gestört.“ Abgesehen davon, dass es zeitweise nur mit großen Aufwand möglich war, den Eingang zu Celles einzigartiger „Rohen Roulade“ überhaupt zu erreichen. Der Weiße Wall wird nun eine Fußgängerzone, die laut Ulrich Kinder „eine Aufenthaltsqualität bekommen“ habe. „Verkehrliche Notwendigkeiten wie die Anlieferung für die Anlieger könnten weiterhin stattfinden, die Flächen für den ruhenden Verkehr befinden sich nunmehr allerdings in reduziertem Umfang in den Randbereichen“, so Kinder weiter. 

Ebenfalls Luft nach oben hat die Barrierefreiheit. So hat die Stadt zwar für entsprechende Straßenübergänge für Seh- und Gehgeschädigte gesorgt, einen konkreten Parkplatz gibt es für sie allerdings noch nicht. Jörg Frohnert, Fachdienstleiter für Hoch- und Tiefbau der Stadt Celle, sagte dazu: „Diese spezielle Einrichtung werden wir in Zukunft nachbessern. Ein solcher Parkplatz wird vermutlich in einen verkehrsberuhigten Bereich gelegt werden.“

Kreisel Neumarkt 8

Bernd Skoda vom Sozialverband Deutschland stellte dennoch der Stadt ein gutes Zeugnis aus: „In ganz Niedersachsen nimmt Celle eine Leuchtturmstellung ein. Alle unsere Wünsche wurden berücksichtigt, wohlwissend, dass wegen anderer Interessen und Vorgaben nicht alle umgesetzt werden können. Eine solche Kooperation hat man in anderen Städten des Landes nicht.

Der Kreisel soll insgesamt „schöner“ werden. „Am liebsten hätten wir ein Kunstwerk in der Mitte, aber vielleicht wird der Kreisel auch bepflanzt. Das ist noch nicht ganz raus. Allein, um auf das Hindernis eines Kreisverkehrsplatzes hinzuweisen, wird dort aber noch etwas installiert“, so Kinder.

Dass laut einer EU-Verordnung auf Kreiseln weder Kunstwerke noch Bäume installiert bzw. gepflanzt werden dürfen (CelleHEUTE berichtete mehrfach), scheint die Stadt nicht zu stören.

Fotos: Peter Müller

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