CELLE. Gestern Nacht wurde das ehemalige „Rio’s“ mit rund 200 Feiernden „wiedereröffnet“, zumindest für eine Nacht. Jahrzehnte feierten vorwiegend junge Menschen und jung Gebliebene an Heilig Abend nach der Bescherung in Celles ehemaliger Kultkneipe bis tief in die Nacht weiter. Doch nach Weihnachten 2017 war damit offiziell Schluss: Rat und Stadtverwaltung haben das traditionelle Gebäude zum Abriss freigegeben – doch seit einem Jahr tut sich, wie viele erwartet hatten, nichts.

Alle nordseitigen Häuser des Nordwall bis Neumarkt sollen abgerissen werden, um die Straße zu verbreitern. Die Initiatoren, die sich „Basis Celle“ nennen, sagen dazu: „Dieses millionenschwere Projekt wurde von Seiten der Politik gegen viele Einwände der Celler Bevölkerung durchgesetzt, anstatt das Geld für wichtige Bereiche, wie Jugend, freie Kultur und gesellschaftliche Räume einzusetzen.“

In der Tat verlor mit der Schließung der Kneipe Celle einen der wenigen kulturellen Orte, der besonders der Jugend am Herzen lag. Trotz einiger Versuche findet man etwas Vergleichbares in der Stadt nicht.

„Basis Celle“ äußert sich weiter: „Doch diesen Weihnachts-Dienstag entschieden sich viele Leute gegen die Bevormundung der Stadt und nahmen sich ihren Raum zum Treffen, Feiern und Sein.“ Mit Transparenten unterstrichen sie ihren „Anspruch“: „Die Häuser denen, die sie brauchen“. Hunderte Menschen schlossen sich der Spontanparty an und feierten mit lauter Musik und Bengalos.

„So wurde ein Zeichen gesetzt gegen die profitorientierte und unsoziale Politik der Celler Stadt, die viel zu wenig für ihre AnwohnerInnen tut und wirtschaftliche Interessen vor soziales Miteinander und Zusammenleben stellt“, ist die Basis Celle überzeugt. Sie glaubt außerdem, dass die Aktion die Möglichkeit zeige, „dass Menschen ihre Interessen selbst in die Hand nehmen können, anstatt sich politischen Entscheidungen zu beugen und folgen zu müssen.“

An diesem Abend mag das gelungen sein – aber bisher gibt es keine Anzeichen, dass sich die Politik umstimmen lässt und prüft, ob ein 15 Jahre alter Beschluss heute noch Sinn ergibt.

NACHTRAG: Während der Abriss noch auf sich warten lässt, handelte die Stadt noch über die Feiertage und erstattete bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt. Laut Polizei sei eine Nebentür aufgebrochen worden. Mehr als zwei Stunden nach Start der Party wurde die Polizei informiert – vor Ort ließ sich jedoch nichts Unrechtmäßiges ausmachen. 

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.