CELLE/BERGEN. Nachdem wir in Osterloh und Altencelle vor den Gesundheitsgefahren durch Eichenprozessionsspinnen warnten, erreichten uns Meldungen von LeserInnen aus Baven und Bergen, dass auch dort Bäume befallen seien. Bergen und Hermannsburg geben Entwarnung, aber dem Gesundheitsamt des Landkreises Celle seien derzeit fünf Orte bekannt, an denen ein EPS-Befall gemeldet worden ist: Osterbruchweg in Osterloh, Bruchstraße in Altenhagen, Ahnsbecker Weg in Altencelle und Osterkamp in Lachtehausen sowie in Metzingen am Grillplatz. Sollte jemand ein potenzielles Nest entdecken, darf dieses auf keinen Fall alleine entfernt werden, sondern es muss immer ein Fachmann zu Rate gezogen werden. Auskunft dazu kann die jeweilige Gemeinde erteilen.

Aus Bergen heißt es: „Die werden auch oft verwechselt mit weniger gefährlichen Exemplaren, die z. B. in den straßenbegleitenden Hecken (Kreisstraßen) bei Salzmoor oder Bleckmar sitzen (gleiches Schadensbild, aber andere Arten, wie etwa die Gespinnstmotte). Wenn jemand meint diese Arten tatsächlich gesichtet zu haben, möge er es bitte an uns melden. Vermutlich kann dann auch recht schnell Entwarnung gegeben werden.“

Hermannsburg meldet: „Seitens der Gemeinde Südheide gibt es zurzeit keine Erkenntnisse über das Auftreten des Eichenprozessionsspinners im Gemeindegebiet Südheide. Im Falle des Auftretens wird die Gemeinde, soweit es sich um gemeindliche Grundstücke handelt, entsprechende Maßnahmen zur Beseitigung und Information der Bevölkerung veranlassen (Beauftragung eines Schädlingsbekämpfers und Warnschilder). Auf Privatgrundstücken erhalten die Grundstückseigentümer entsprechende Informationen zur fachgerechten Beseitigung. Ein entsprechendes Merkblatt wird im Ordnungsamt bereitgehalten.“

Der Landkreis ergänzt: Sollte Personen ein potenzielles Nest entdecken, sollte man dieses auf keinen Fall alleine entfernen, sondern immer einen Fachmann zu Rate ziehen. Auskunft dazu kann die jeweilige Gemeinde erteilen.

Die Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen dar. Alte Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, stellen ebenfalls eine anhaltende Gefahrenquelle dar. Da die Raupenhaare eine lange Haltbarkeit besitzen, reichern sie sich über mehrere Jahre in der Umgebung, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs, an. Sie halten sich auch an den Kleidern und Schuhen und lösen bei Berührungen stets neue allergische Reaktionen aus.

Die allergische Reaktion des Immunsystems kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Bei betroffenen Personen steigt die Empfindlichkeit und Reaktionsintensität mit der Anzahl der Einzelkontakte von Eichenprozessionsspinner-Brennhaaren stetig an. Zu den Symptomen gehören lokale Hautausschläge (Raupendermatitis), die sich in punktuellen Hautrötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen äußern. Häufig bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen. Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.

Die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner-Raupen haben Widerhaken, sind hohl und enthalten als Brennsubstanz das lösliche Eiweiß Thaumetopoein. Ihre Reizwirkung an Hautstellen und an den Schleimhäuten ist mechanisch, da sie in die Haut eindringen. Zudem wirkt das freigesetzte giftige Protein biochemisch. Besonders betroffen sind dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und an der Innenseite der Ellenbogen.

Bei Auftreten von allergischen Symptomen sollte der behandelnde Arzt oder Hautarzt aufgesucht werden. Der Patient sollte dabei von sich aus auf den Kontakt mit den Raupenhaaren hinweisen.
Risikogruppen

· Erholungssuchende im Wald und an Waldrändern
· Besucher von Freizeitanlagen (z. B. Sportplatz, Schwimmbad, Kinderspielplatz, Campinganlagen, Parkplätze)
· Direkte Anwohner betroffener Waldgebiete
· Besitzer von Eichen in Gartenanlagen
· Spielende Kinder durch unmittelbare Berührung mit den Raupen und ihren Nestern
· Waldarbeiter und Selbstwerber in befallenen Waldgebieten
· Brennholzabnehmer
· Arbeitskräfte von Landschaftspflegebetrieben und Straßenmeistereien
· Gefahr von Magenschleimhautentzündung bei Tieren über Aufnahme der Brennhaare mit der Nahrung

Vorsichtsmaßnahmen

· Grundsätzlich die Befallsareale meiden
· Raupen und Gespinste nicht berühren
· Sofortiger Kleiderwechsel und Duschbad mit Haarreinigung nach Kontakt mit Raupenhaaren
· Empfindliche Hautbereiche (z. B. Nacken, Hals, Unterarme) schützen, bei Bekämpfungsmaßnahmen Chemievollschutzanzug und Atemschutz tragen
· Auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester des Eichenprozessionsspinners erkennbar sind
· Bekämpfung wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik nur von Fachleuten durchführen lassen

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