CELLE. Sie wird einfach nicht grün, manchmal zumindest, die „Ampel am AllerCenter“ in Groß Hehlen. Vor allem Abends und am Wochenende stehen Autofahrer an der Kreuzung „Zur alten Schmiede / B 3“ mehrere Minuten. Während auf der kreuzenden B 3 nur vereinzelt Fahrzeuge zu sehen sind, tut sich hier einfach: nichts. Vorsichtig tasten sich Autofahrer auf die Bundesstraße, hoffen, dass kein Polizist in der Nähe ist und fahren „einfach bei Rot“ rüber – übrigens unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich erlaubt – und diese scheinen hier gegeben zu sein. Dazu später mehr. 

„Die ‚Famila-Ampel‘ läuft in der Tat nicht rund, das ist uns bekannt. Leider ist sie nicht in unserer Obhut.
Betreiber ist die Landesstraßenbauverwaltung“, heißt es auf Nachfrage von der Celler Stadtverwaltung. Satte drei Wochen und drei Nachfragen benötigte die zuständige Straßenmeisterei, um… nicht zu reagieren. Erst die Anfrage der übergeordneten Behörde, die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden, brachte zutage, dass „alles in Ordnung“ sei. Wörtlich heißt es hier:

„Grundsätzlich ist der auf der B3 „Celler Straße“ fahrende Verkehr bevorrechtigt und es ist hier die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs sicherzustellen. Die Einmündung „Zur Alten Schmiede“ ist über Detektoren in der Fahrbahn an die Ampelschaltung angeschlossen. Sobald diese sogenannten „Schleifen“ durch Pkw bzw. Lkw überfahren werden, erhält das Steuergerät der Ampel eine Information. Es wird dann in das laufende Signalprogramm eingegriffen, um dem von der Straße ‚Zur Alten Schmiede‘ auf die ‚Celler Straße‘ einbiegenden Verkehrsteilnehmer die Grünfreigabe zu geben.

Weiterhin sind die Ampeln im Zuge der B3 zwischen ‚Krähenbergweg‘ und ‚Zur Alten Schmiede‘ koordiniert geschaltet. Dies dient der Beschleunigung des öffentlichen Personennahverkehrs, als auch dem allgemeinen Verkehrsfluss auf der B3. Nähere Informationen zu der Koordinierung erhalten Sie hierzu ggf. bei der Stadt Celle.

Anhand der genannten Koordinierung und weiteren Zwangspunkten im Bereich des Kreuzungspunktes B3 / ‚Zur Alten Schmiede‘ wurde das Signalprogramm erstellt. Hierbei berücksichtigt wurden unter anderem auch verschiedene Programme für einzelne Wochentage, für Feiertage und Wochenenden, um immer den bestmöglichen Verkehrsfluss gewährleisten zu können.

Aus diesen Gründen ist aus der Straße ‚Zur Alten Schmiede‘ im ungünstigsten Fall 100 Sekunden auf die Grünfreigabe zu warten. Des Weiteren lässt sich nach Überprüfung der Ampelschaltung in der Örtlichkeit kein Fehler in der Schaltung feststellen. Grundsätzlich sind Verkehrsteilnehmer verpflichtet, sich an die geltenden Gesetze und Verordnungen wie die StVO zu halten, auch wenn das subjektive Empfinden einer Rotphase zu lange dauert.“

Will heißen, dass die „gefühlten Werte“ der Verkehrsteilnehmer nach Ansicht der Behörde nicht mit der Realität übereinstimmen – ausgerechnet nur an dieser einen (uns bekannten) Ampel. Abgesehen davon erschließt sich der Sinn von „nur 100 Sekunden Rotlichtphase“ an einem Samstag-Abend, wo auch die Celler Straße kaum befahren wird, nicht jedem.

Der Hinweis, sich an geltenden Gesetze und Verordnungen zu halten, ist nett, aber dennoch so begründet nur die halbe Wahrheit, denn das Gesetz erlaubt, bei augenscheinlich technischem Defekt oder fehlprogrammierten Lichtzeichenanlagen das entsprechende „Rotlicht“ missachten zu dürfen. Die genaue Wartezeit ist bisher nicht gesetzlich geregelt.

Wir hakten darum nach, ob eine praxistauglichere Anpassung dieser Ampel nich auch im Sinne der Verkehrsbehörde sei. Darauf ging die „Sachgebietsleiterin Verkehrsmanagement“ nicht ein und fragte nur: „Können Sie mir bitte mitteilen, wer Ihr Gesprächspartner bei der Stadt Celle war, wenn dort ‚dieser Zustand bekannt sei‘?“ Gern doch: Unser Gesprächspartner ist stets die Pressestelle – diese scheint offenbar auch ein eher ausbaufähiges „subjektives Empfinden“ zu haben, so wie viele unserer LeserInnen, wie die Erlebnisberichte in unserem Facebook-Kanal beweisen:





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