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Spannende Wahlnacht für die SPD

*Aktualisiert*: Otte und Lühmann im Bundestag – Erste Stellungnahmen vom Wahlabend

25.09.2017 - 03:50 Uhr     CelleHEUTE    0

CELLE. In Garßen hängen bereits die Plakate für die kommende Landtagswahl am 15.10. in Niedersachsen. Das berichtet Bürgermeister Andreas Reimchen in seinem Facebook-Auftritt.

Er hat gut Lachen – sein Parteikollege Henning Otte war bereits gestern Abend sicher im neuen Bundestag vertreten. Die ganze Nacht zittern musste dagegen Kirsten Lühmann von der SPD, auch wenn in anderen Medien bereits ihr Sieg gefeiert wurde. Es wird eine denkbar knappe Entscheidung. Erst morgens kurz vor 6 Uhr erreichte sie die erlösende Nachricht, dass sie auch im kommenden Bundestag vertreten sein wird. Über den jeweils aktuellen Stand hatten wir Sie in unserer Facebook-Ausgabe auf dem Laufenden gehalten.

Vorläufiges amtliches Endergebnis

CDU/CSU: 33 %
SPD: 20,5 %
AfD: 12,6 %
FDP: 10,7 %
Die Linke: 9,2 %
Die Grünen: 8,9 %
Sonstige: 5,1 %

Wahlbeteiligung: 75,6 %

Reaktionen

Henning Otte zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Wahlergebnis, sah aber zugleich das Abschneiden der AFD sehr kritisch: „Die CDU hat zum vierten Mal einen klaren Regierungsauftrag bekommen. In welcher Konstellation – das müssen die Gespräche zeigen, die wir mit allen demokratischen Parteien führen werden.“ Für Deutschland sei es nach innen wie nach außen kein gutes Zeichen, dass die AFD drittstärkste Kraft geworden sei. Über sein persönliches Abschneiden war der Bundestagsabgeordnete sehr erfreut: „Ich habe mit über 40 Prozent das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger ausgesprochen bekommen. Das gibt mir Rückendeckung für meine Arbeit in Berlin für die Menschen hier vor Ort.“

„Heute bin ich nicht stolz, Deutsche zu sein“, gab SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann zu und bedauerte das Wahlergebnis. „In den nächsten vier Jahren gilt es deutlich zu machen, dass wir die Sorgen der Bürger ernst nehmen und uns gegen den kommenden Stillstand stellen“. Kritik übte sie zudem am Erfolg der AfD, die sie als „eindeutig rechts“ und „mit Nazis zu vergleichen“ kategorisiert. „Diese Partei bietet keine Sicherheit oder Besserung, sie ist rassistisch und menschenverachtend“, fügte Lühmann hinzu.

ergebnis-niedersachsen

Der Bundestagskandidat der Linken Paul Stern schlussfolgerte: „Ein Viertel der Bevölkerung hat neue Positionen bezogen.“ Schuld sei unter anderem der ausbleibende Richtungswechsel der SPD. Weiter prognostizierte er Unruhen oder gar die Spaltung der Grünen, sollte es zu einer so genannten Jamaika-Koalition kommen. Ein solcher Zusammenschluss entspräche laut Stern der Großkoalition nur unter anderen Vorzeichen. Der AfD schreibe er die Verantwortung für einen „dramatischen Rechtsruck“ zu.

Der stellvertretende Landtags-Fraktionsvorsitzende der FDP Jörg Bode war zwar zufrieden mit dem Ergebnis der eigenen Reihen, dennoch äußerte er Bedenken: „Jamaika ist schwer vorstellbar, zumindest mit den momentanen Grünen.“ Mit Blick auf die Verluste der Union fügte er hinzu: „Die CDU muss sich mal überlegen, was schief gelaufen ist – das ist ja nicht unbedingt unsere Aufgabe.“

Die Grünen waren entgegen eher schlechten Prognosen positiv überrascht. Bernd Zobel, Vorsitzender der Grünen, war sich bezüglich der Koalitionsmöglichkeiten sicher, dass eigene Grundüberzeugungen nicht vernachlässigt werden. „Die Forderungen einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen, wie die CSU sie fordert, wären der Tod für Jamaika“. Zobel hatte zudem Zweifel, was die FDP und die Umsetzung Grüner Klimamaßnahmen betreffe.

„Das ist einfach ein Bauchgefühl, dass Sachen nicht richtig laufen, auf die wir eingehen“, begründete AfD Kandidat Thomas Ehrhorn die Wahlergebnisse der nun drittstärksten Partei. Gleichzeitig war er überzeugt: „Unsere Parteibasis besteht aus einer bürgerlichen Schicht, die nicht nach rechts abweicht.“ Dennoch differenzierte er klar zwischen den politischen Bewegungen in Ost- und Westdeutschland: „Der Osten tickt definitiv anders, politische Korrektheit ist denen fremd.“ Zuversichtlich hoffte er auf „eine Politik für Deutschland“ und verabschiedete sich mit diesen Worten von seinem bisherigen Fliegerleben. Das nächste Ziel sei nun laut Ehrhorn die langfristige Ablösung der CDU.

Text: Elena Janke/Angela Siems
Fotos: Peter Müller

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