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Gesellschaft

*Aktualisiert* „Rheinmetall entwaffnen“ – 400 Kriegsgegner demonstrieren friedlich in Unterlüß

02.09.2018 - 16:39 Uhr     CELLEHEUTE    2

UNTERLÜSS. In Unterlüß haben am Nachmittag ca. 400 Demonstranten im Rahmen eines Protestcamps gegen die Firma Rheinmetall demonstriert. Unter dem Motto „Rheinmetall entwaffnen“ begann der Demonstrationszug mit einer Auftaktveranstaltung am Bahnhof. Über die Müdener Straße bewegte sich der Aufzug, unterbrochen von zwei Zwischenkundgebungen in Campnähe am Dorfplatz sowie in der Neulüßer Straße, bis zum Haupttor der Firma Rheinmetall. Mit einer Abschlusskundgebung wurde die Versammlung dort gegen 16.00 Uhr beendet. Die Polizei blickt auf eine friedliche und störungsfrei verlaufene Veranstaltung zurück. Es kam temporär zu leichten Verkehrsbehinderungen.



Das Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ teilte im Anschluss an die Demonstration am Sonntag mit:

„Ein Bündnis von rund 70 Organisationen führte am Sonntag, den 2. September eine Demonstration am Rheinmetall-Standort Unterlüß in Niedersachsen mit über 500 Teilnehmer*innen durch. Unter dem Motto
„Rheinmetall entwaffnen“ wurde für Frieden und gegen Kriege und Waffenexporte dieses Rüstungskonzerns demonstriert. Neben vielen antimilitaristischen Initiativen wie u.a. dem Bundesverband der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK) oder der Informationsstelle Militarisierung (IMI) riefen auch die niedersächsischen Landesverbände von Bündnis ’90/Die Grünen und Die
Linke zur Teilnahme auf. Unterstützt wurde die Demonstration etwa von Solidaritätsinitiativen mit Kurdistan und kurdischen Organisationen, die den Einsatz deutscher Panzer im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des
türkischen Regimes auf das nordsyrische Afrin kritisieren.

Der Argumentation des Konzerns Rheinmetall, dass sie vor allem Waffen an Bundeswehr und Nato verkaufen, wurde entgegnet, dass Waffen nie für Frieden sorgen und der Waffenproduzent über Tochtergesellschaften im
Ausland bestehende Rüstungsexportregeln umgeht und so seine Erzeugnisse auch in Kriegs-und Krisenregionen verkauft. Die Demonstration bezog sich auch auf die aktuellen rassistischen Übergriffe und Debatten, da Flucht nicht ohne ihre Ursachen zu betrachten ist. Denn deutsche Waffen werden zum Morden in aller Welt verwendet und sind damit auch ein Grund, warum Menschen fliehen.

Die Demonstrierenden prangerten die Waffendeals von deutschen Konzernen mit Slogans wie „deutsche Waffen, deutsches Geld – morden mit in aller Welt“ und riefen dazu auf, Rheinmetall für das Morden in aller Welt zur Verantwortung zu ziehen. Die Demonstration startete vom Bahnhof und endete nach Zwischenstopps,
unter anderem beim Friedenscamp, vor dem Haupttor von Rheinmetall Defence.Auf den Kundgebungen im Dorf, aber auch am Rheinmetallgelände, sprachen u.a. Zaklin Nastic (MdB, Die Linke) und Michael Schulze von Glasser (DFG/VK).

Bereits seit Dienstag findet auf dem Dorfplatz ein Friedenscamp statt. Auf diesem gab es Vorträge und Workshops etwa zu Themen wie der todbringenden Rüstungsindustrie und -exportpolitik, wirtschaftliche
Hintergründe und Gesundheits- wie Umweltschutz. Dabei werden Alternativen lebendig diskutiert und Kritik an Patriarchat und militärischer wie polizeilicher Aufrüstung kommt nicht zu kurz. Die Frage, wie eine bessere Welt möglich ist, ist stets präsent.  Auch in Gesprächen mit Anwohner_innen und auch Beschäftigten wird sich
über Möglichkeiten der Konversion, der Umwandlung von militärischer in zivile Produktion ausgetauscht. Zu den über hundert Teilnehmenden kamen noch viele weitere Menschen aus ganz Deutschland zu der  Demonstration hinzu.“

Im Rahmen der Demonstration gab es unter anderem folgende Redebeiträge von Paul Stern, DGB-Kreisvorsitzender Celle und Charly Braun, DGB-Kreisvorsitzender Heidekreis (es gilt das gesprochene Wort):

„Liebe Friedensfreunde und KriegsgegnerInnen, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir sind Paul Stern, DGB-Kreisvorsitzender von Celle, und Charly Braun, DGB-Kreisvorsitzender im Heidekreis. Wir sprechen für die ‚Gewerkschaftliche Initiative für aktive Friedenspolitik und Militär- und Rüstungskonversion in Niedersachsen‘. Hier bei uns in der Lüneburger Heide ist die größte militärische Konzentration der BRD. Zwischen Bergen und Bad Fallingbostel liegt Mittel- und West-Europas größter Truppenübungsplatz, Munster ist größter Heeresstandort. Weitere militärische Einrichtungen gibt es u.a. in Faßberg, Wietzenbruch, Beetenbrück, Rotenburg, Nienburg usw.

Beginnend mit dem 1.Weltkrieg dreht sich hier viel um Panzer. Rheinmetall in Unterlüß produziert die Mordfahrzeuge, die Panzertruppenschule in Munster ist die Fahrschule, der Truppenübungsplatz Bergen ist Trainingsplatz und ausgediente Exemplare sind im Panzermuseum Munster zu bewundern.

Hier wurde der Nazi-Überfall auf die Sowjetunion trainiert. Hier ließ die Wehrmacht zig Tausende gefangene Rotarmisten elendig verrecken. Hier beutete Rheinmetall Zwangsarbeitende aus. Von hier zog später die British Army in Kriege ums Öl, Deutsche und andere nach Afghanistan und anderswo, um westlich-kapitalistische ‚Werte‘ zu exportieren. Der Militarismus bestimmt hier immer noch weitgehend wirtschaftliche Struktur und Arbeitsmarkt. Änderungen der Militärstrategie führen seit einigen Jahren dazu, dass der Truppenübungsplatz Bergen nicht ausgelastet ist – aber auch dazu, dass die verantwortlichen Kriegsherren samt ihrer Ministerin trotzdem jeden Quadratmeter gegen zivile Interessen verteidigen.

Auf unsere Initiative hin beschlossen ver.di-Bundeskongress und DGB-Niedersachsen-Bremen- Sachsen-Anhalt Forderungen nach Bundesfinanzierung einer neuen Wirtschaftsstruktur – und die muss sozial, ökologisch und nicht-militärisch sein. Während die hiesigen Abgeordneten Otte und Klingbeil weiter nur auf Militär setzen, unterstützen wir die Initiative Biosphärengebiet. Aus dem Kriegsübungsplatz Bergen ein UN-Biosphärengebiet zu machen, schafft viele tausend zivile Arbeitsplätze. Tourismus und ökologische Landwirtschaft sind ohnehin besser für die Gesundheit. Ja, für die Gesundheit der Menschen in Afrin, am Hindukusch und hier in der Heide.

Ob Kriegsübungsplatz oder Rheinmetall – zu beiden passt Bert Brecht’s Lied gegen den Krieg: ‚Der Prolet baut ihnen die Kriegsmaschinen, damit sie ums Leben bringen mit ihnen, mancher Proletenmutter Sohn. Der Prolet wird in den Krieg verladen, dass er tapfer und selbstlos ficht. Warum und für wen, wird ihm nicht verraten. Für ihn selber ist es nicht.‘

Eine bessere Aufgabe für die Ingenieure und Facharbeiter von Rheinmetall ist die Herstellung moderner Medizintechnik und Infrastruktur. Da sind unsere Steuergelder besser investiert. ‚Abrüstung Ja – arbeitslos nein!‘ Für ein breites gesellschaftliches Bündnis für Frieden und Konversion. Politik und Wirtschaft müssen unseren Widerspruch und Widerstand fortwährend spüren!“

Fotos: Michael Schäfer

2 Antworten zu “*Aktualisiert* „Rheinmetall entwaffnen“ – 400 Kriegsgegner demonstrieren friedlich in Unterlüß”

  1. Pascal Heinrich sagt:

    Wenn das 400 Leute gewesen sind die da an meinem Haus vorbeigekommen sind, kann ich nicht mehr zählen. 100 wäre schon wohlwollend geschätzt.

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