Kieselgurlandschaften als Inspirationsquelle: Albert-König-Museum zeigt „Zwei Maler ein Motiv“ 

Kunst Von Susanne Zaulick | am Mo., 27.01.2020 - 10:29

UNTERLÜSS. „Zwei Maler, ein Motiv“ - unter diesem Titel wurde gestern die neue Ausstellung im Albert-König-Museum eröffnet, die bis zum 26. April zu besichtigen ist. Die beiden Maler, die hier nebeneinander stehen, sind der Namensgeber des Museums, Albert König (1881 - 1944), und die 1963 geborene und in der Gemeinde Faßberg beheimatete Künstlerin Heike Schlobinski. Das Motiv sind vor allem die seit dem 19. Jahrhundert durch den Abbau von Kieselgur entstandenen Sand- und Seenlandschaften bei Oberohe, in denen beide Künstler Inspiration zu ganz unterschiedlichen Darstellungen fanden.

Sie habe diese Gegenüberstellung gewählt, um den Blick zu schärfen für das, was man „die Handschrift des Künstlers“ nennt, erklärte Kuratorin und Museumsleiterin Dietrun Otten in ihrer Ansprache vor rund 100 Besuchern der Vernissage. Kunst erkennen heiße Kunst vergleichen, so Otten. Und weil das so viel Spaß mache, werde es in Kürze nochmals eine ähnliche Ausstellung geben, kündigte sie augenzwinkernd an. 

In der Tat haben sowohl Albert König als auch Heike Schlobinski ihren individuellen Blick auf diese ungewöhnliche, durch Menschenhand entstandene, Landschaft, festgehalten. Auch wenn das Bild, das sich ihnen bot sicherlich in den 40iger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als der Landschaftsmaler König hier herumstreifte und Skizzen anfertigte ein ganz anderes war, als die studierte Textil-Designerin es ab 1998 erlebte, dürfte das Charakeristische des Motivs doch ähnlich gewesen sein.

Aus den sich vermutlich damals schon durch Erosion ständig verändernden Sandreliefs und den spiegelnden Wasserflächen, werden bei Albert König märchenhaft anmutende, fast surreal wirkende Landschaftsbilder, in denen der Betrachter Tier- und Menschenfiguren, eine Sphynx oder auch tempelartige Gebäude zu sehen meint. Was durchaus beabsichtigt war. „Die magischen Elemente sind wichtig bei Albert König“, erläutert Dietrun Otten. Der Romantiker, für den die Natur ein von Geheimnis und Sehnsucht umwobener Rückzugsort gewesen sei, habe mit den Märchen- und Sagengestalten in seinen Bildern einen Gegenpol geschaffen zur Störung der Landschaft durch Industrie und Wissenschaft. 

Ganz anders die Herangehensweise von Heike Schlobinski. Sie widmet sich eher dem Blick auf die Details, hält die räumlichen Dimensionen von Spalten, Rinnen und Höhlen im sandigen Boden oder die Spiegelungen im Wasser fest. „Die Farben und Formen verselbständigen sich. Das Naturvorbild ist nicht nur nicht mehr erkennbar sondern unwichtig“, sagt Dietrun Otten über diese Arbeiten. Und auch die Künstlerin der Gegenwart sieht die Kuratorin ins große Ganze eingebunden. „Die Bilder verdeutlichen die Suche nach dem eigenen Ort“, meint die Kunsthistorikerin. Die Generation der heute 50- bis 60-Jährigen habe zu einem Zeitpunkt, an dem sie gerade meinte, ihren Platz in der Gesellschaft gefunden zu haben, den Umbruch durch die Digitalisierung erlebt. Der wieder alles in Frage stellte. 

„Das kann man so sehen, muss man aber nicht“, fügt Dietrun Otten ihren Interpretationen oft hinzu. Aber „wir haben es einfach gern, Künstler als Seismographen zu sehen“. Auf jeden Fall bietet diese Ausstellung aber auch die Möglichkeit, ganz ohne Denken und Wissen ästhetische Formen und Farben auf sich wirken zu lassen und darüber zu staunen, was zwei Maler aus einem Motiv herausgeholt haben.

Die Ausstellung ist vom 26.1. bis 26.4.2020 jeweils samstags und sonntags von 14.30-17.30 Uhr im Albert-König-Museum in Unterlüß zu sehen.

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