HANNOVER. „Die günstigen Prepaid Tarif-Optionen sprechen alle Kundenbedürfnisse an“ – so bewirbt ALDI Talk zurzeit sein Mobilfunkangebot. Ausgerechnet Geflüchteten bleibt der Zugang aber oft verwehrt, wie Beschwerden bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen zeigen. Das Problem: Seit 1. Juli 2017 gilt auch für Prepaid-Verträge eine Ausweispflicht. Nutzer von SIM-Karten auf Guthabenbasis müssen sich beim Kauf eindeutig identifizieren. Die von ALDI Talk eingesetzten Verfahren können jedoch keine Aufenthaltsgestattung verarbeiten. Damit ist die Aktivierung der SIM-Karte für viele Flüchtlinge nicht möglich, das gekaufte Prepaid-Paket nutzlos.

Prepaid-Handy-Tarife sind für viele Flüchtlinge die erste Wahl, da sie meist keine Vertragslaufzeit haben und die Abrechnung auf Guthabenbasis erfolgt. In letzter Zeit bereitet der Vertragsabschluss jedoch häufig Probleme. „Flüchtlingshelfer haben sich bei uns gemeldet, da Geflüchtete die bei ALDI gekauften SIM-Karten nicht aktivieren konnten“, erklärt Marvin Momberg, Projektkoordinator „Verbraucherschutz für Flüchtlinge“ bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Per Gesetz sind für die Identifizierung neben Reisepass und Personalausweis auch Aufenthaltstitel, Ankunftsnachweise sowie die Bescheinigung über die Aufenthaltsgestattung beziehungsweise die Aussetzung der Abschiebung zulässig. „Bei den von ALDI Nord eingesetzten Post- und Video-Ident-Verfahren können Dokumente wie die Aufenthaltsgestattung nicht gelesen werden, da die Schrift anscheinend zu klein ist“, sagt Momberg. Einen Reisepass oder Personalausweis haben viele Flüchtlinge jedoch nicht, so dass eine Aktivierung der SIM-Karte für sie nicht möglich ist.

Nachfragen der Verbraucherzentrale bei ALDI Talk haben verschiedene, teils widersprüchliche Aussagen ergeben. Zuletzt wurde angeboten, Kunden könnten sich an den ALDI Talk Kundenservice wenden, um eine individuelle Lösung zu prüfen. Wie diese aussehen kann, blieb jedoch offen. „Wir können Geflüchteten daher nur raten, die gekauften Pakete zurückzugeben, sofern eine Aktivierung nicht möglich ist“, sagt Momberg. „Es wäre aber wünschenswert, dass ALDI Nord nachbessert und Identifizierungsmöglichkeiten auch für diese Kundengruppe anbietet.“

Bei Fragen können sich Geflüchtete an die für sie kostenlose Beratung der Verbraucherzentrale Niedersachsen wenden. Weitere Informationen unter:
www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/verbraucherschutz-fluechtlinge

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