CELLE. „Nacharbeit ist angesagt, Herr Oberbürgermeister Dr Nigge“ – das fordert Jens Rejmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft in der SPD Celle. Die IHK schließt sich an und hat beim Land Niedersachsen eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Celle eingereicht. Nach ihrer Auffassung habe die Stadt an die Investoren des „AllerCenter“ („Famila“) in Groß Hehlen Zugeständnisse gemacht. Bestätigen wollte die IHK lediglich die Forderung nach „Prüfung der Planungen“ – zu Grund und Inhalt will sich die IHK nicht äußern.

Rejmann: „Aus Gesprächen mit Einzelhändlern der Innenstadt wurde immer wieder deutlich, dass erhebliche Bedenken bestehen, „Famila“ könnte mit seinen geplanten Sortimenten zur Verdrängungskonkurrenz führen. Spätestens seit dem Aufbau der Werbetafel war es mehr oder weniger offensichtlich. Denn Ketten wie Expert und Rossmann benötigen immer eine gewisse Mindestgröße.“ Das sei nicht neu und wurden auch vom damaligen Fraktionsvorsitzenden Dr. Jörg Rodenwaldt im September 2017 im Rat vorgetragen (CelleHeute berichtete).

Neu allerdings seien die von der Verwaltung veröffentlichten Informationen über die geplanten Flächengrößen für Kosmetik, Drogerieartikel etc., die laut Rejmann „erheblich vom Bebauungsplan abweichen und damit die Konkurrenzfähigkeit der Innenstadtanbieter erheblich schwächen könnten mit den möglichen Folgen weiterer Leerstände für die Innenstadt. Das Problem liegt nicht bei der Gesamtverkaufsfläche, sondern in der Aufteilung der Fläche auf die Sortimente.“

Für sich genommen sei die Wiederansiedlung eines großflächigen Nahversorgers oder Selbstbedienungswarenhauses sinnvoll und mit Blick auf das Käuferpotential im Norden auch notwendig, bestätigt der SPD-Politiker. „Es dient der wohnortnahen Versorgung und zieht potentiell Kunden aus Nachbargemeinden an. Im Übrigen haben unsere Einzelhändler in der Innenstadt qualitativ hochwertige Angebote, die über den täglichen Bedarf hinausgehen und viele Besucher nicht nur aus Celle, sondern weit darüber hinaus anziehen.“

Dennoch seien die Sorgen der Einzelhändler ernst zu nehmen. Denn: „Wenn die bekannt gewordene Baugenehmigung für das Einkaufszentrum erheblich vom Bebauungsplan abweicht, der vom Stadtrat genehmigt wurde, könnte es unzweifelhaft Auswirkungen auf die Geschäfte und Ankermieter in der Innenstadt haben. Damit stellt sich auch die Frage, ob bei den genehmigten Abweichungen in der Baugenehmigung nicht ein neues Aufstellungsverfahren unter Einbindung von Trägern öffentlicher Belange wie Behörden und Kammern notwendig gewesen wäre, um zusammen mit denen und den Entscheidungsträgern aus der Politik und Verwaltung eine optimale Lösung für Celle zu finden. Die Innenstadt sollte unterstützt und nicht aktiv an Gremien vorbei geschädigt werden.“

Nach CelleHeute-Informationen baut das AllerCenter mit rund 7300 Quadratmetern um mehr als 2000 Quadratmeter unter der möglichen Gesamt-Verkaufsfläche. Das bestätigt auch „Famila“. Offenbar geht es den Kritikern aber um einzelne Bereiche wie Kosmetik und Elektro.

Rejmann fordert: „Die Gesamtsituation ist nun umfassend zu würdigen. Das Handeln der Verwaltung, die Entscheidungswege und mögliche Auswirkungen auf die Celler Wirtschaft sind daher umgehend offen und transparent aufzuarbeiten. Ferner sollte die Stadtverwaltung öffentlich darlegen, ob ihrer Auffassung nach alle baurechtlichen Vorschriften und Vorgaben des Rates für dieses Projekt gerade hinsichtlich der Sortimentsliste und des Einzelhandelskonzeptes eingehalten wurden! Wirtschaft braucht Planungssicherheit und Verlässlichkeit behördlicher Entscheidungen wie Bebauungspläne.“

Marktwirtschaftliche Prozesse und unternehmerische Entscheidungen, die das Wohl der Stadt fördern, seien zu begrüßen. „Nicht aber eine Verdrängungskonkurrenz, die alle benachteiligt, die Verbraucher und den Einzelhandel in der Innenstadt“, so Rejmann abschließend.

 

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